Treffen in Dreba: Jäger und Naturschützer nähern sich an

Dreba  Die rot-rot-grüne Thüringer Landesregierung will das Jagdgesetz ­ändern. Auch wenn es noch keinen Entwurf gibt, treibt die Novelle schon jetzt Jäger wie Naturschützer um, die ihre ­Interessen gefährdet sehen. Jetzt gab es dazu eine gemeinsame Veranstaltung in Dreba.

Waschbären breiten sich nahezu ungehindert aus und gefährden die Existenz anderer Tierarten wie Vögel. Archivfoto: Peter Steffen/dpa

Waschbären breiten sich nahezu ungehindert aus und gefährden die Existenz anderer Tierarten wie Vögel. Archivfoto: Peter Steffen/dpa

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Jäger und Naturschützer sind nicht immer besonders gut aufeinander zu sprechen. Die Jäger nörgeln gern über die „Gutmenschen“ in den Reihen der Naturschützer, die den Jägern ihrerseits gern vorwerfen, ihren Jagdtrieb ohne Rücksicht auf die Natur auszuleben. Die angekündigte Änderung des Thüringer Jagdgesetzes scheint die Positionen aufzubrechen.

„Es geht doch beiden um den Schutz der Natur“, meint der Leiter des Arbeitskreises Teichgebiet Dreba-Plothen im Naturschutzbund (Nabu), Peter Zörner, und lud kurzerhand die ­Jägerschaft Schleiz zu einer gemeinsamen Veranstaltung nach Dreba. Es war das erste Mal, dass sich in der Region Jäger und Naturschützer an einen Tisch setzten und einander zuhörten, sagt Zörner und ist – das vorweg – zufrieden mit den Ergebnissen.

Jagd und Hege gehören unbedingt zusammen

Schon die Darstellung der jagdgesetzlichen Bestimmungen in ihrer geschichtlichen Entwicklung durch die Leiterin der Jagdschule in Schleiz, Karina Wähner, ließ die Mitglieder des Arbeitskreises, der sich dem Schutz der Vogelwelt im Teichgebiet verschrieben hat, aufhorchen. Denn sie entdeckten eine Parallele nach der anderen zu den eigenen Anliegen. „Unser gemeinsames Ziel ist die Erhaltung der Natur und der Biodiversität, der Schutz der Arten und der Lebensräume“, sagt Zörner. Wähner ihrerseits verweist darauf, dass das Recht zur Jagd schon seit vielen hundert Jahren an die Pflicht zur Hege gebunden sei. „Jagd ist nicht nur ­totschießen, sondern wirklicher Naturschutz“, fügt sie hinzu.

In der Diskussion kristallisierten sich schon bald eine Reihe Probleme heraus, die Naturschützer wie Jäger gleichermaßen umtreiben: Etwa der Plan, das Jagen von Niederwild mit Hilfe von Fallen grundsätzlich zu verbieten. Die Jäger beklagen, dass die sich unkontrolliert vermehrenden Waschbären und Minks – eine Zobelart, die aus Zuchtbetrieben entwichen ist und verwildert – andere Tierarten gefährden. Dieses Problem kennen auch die Mitglieder des Nabu-Arbeitskreises nur zu gut. Zörner schildert das Vorhaben, im Teichgebiet auf einer mehrere Hektar großen Ausgleichsfläche für den Autobahnbau ein Wiesenbrütergebiet einzurichten. Durch den Verlust vieler Wiesenflächen infolge der landwirtschaftlichen Nutzung gebe es kaum noch Brutareale für einheimische Vogelarten, beschreibt Zörner den Hintergrund für das Vorhaben. „Deshalb brauchen wir Schutzzonen, die nicht agrarmäßig genutzt werden“, argumentiert der Arbeitskreis-Chef. Dort könnte sich zum Beispiel der Kiebitz wieder ansiedeln, der im Frühjahr und Herbst auf seiner Wanderroute in der Region auftaucht und brütet. Doch gerade Niederwild wie Waschbären, Minks und Fuchs räubern in diesen Brutgebieten. Deshalb müsse eine Möglichkeit gefunden werden, ein solches Schutzgebiet für Singvögel von Räubern frei zu halten. Dazu müsse man die ­Jäger mit ins Boot holen.

Gemeinsame Positionen zum Jagdrecht in Arbeit

Und die sind dazu offenbar auch bereit. Jäger wie Naturschützer plädieren im gemeinsamen Gespräch ziemlich eindeutig dafür, das Jagen von Raubwild mit Fallen auch weiter zu erlauben und sogar dergestalt zu erweitern, dass auch Hilfskräfte die notwendige regelmäßige Kontrolle der Fallen übernehmen dürfen. Würde die Fallenjagd abgeschafft, bliebe nur das Schießen. Und das, da sind sich beide Seiten einig, löst das Problem nicht: Denn Waschbären und Minks sind nachtaktive Tiere, Jäger hätten also so gut wie keine Chance, auch nur eines dieser räuberischen Tiere zu schießen.

Auch bei der Frage, wie man mit verwilderten Hunden und Katzen umgeht, kommen sich Jäger und Naturschützer schnell nahe. Zörner beklagt große Schäden, die durch wildernde Katzen und Hunde bei Federwild angerichtet werden. Deshalb seien die Naturschützer dagegen, Hunde und Katzen aus dem Jagdrecht herauszunehmen. Dem folgt auch Wähner und sagt, verantwortungsbewusste Jäger würden sehr genau hinschauen, ob es sich um verwilderte Tiere handelt oder nicht, und entsprechend handeln.

Am Ende ist man sich einig, das Gespräch zwischen Naturschützern und Jägern weiterführen zu wollen. Erster Schritt soll sein, gemeinsame Positionen zum neuen Jagdrecht in Thüringen zu erarbeiten.

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