Wo 2013 in Gera Wasser war, soll keines mehr hinkommen

Gera-Untermhaus  Zwischen Untermhäuser Brücke und Eisenbahnbrücke sollen Erdabtragungen, Deichverlagerungen und neue Hochwasserschutzwände die Weiße Elster eindämmen

Foto: zgt

Die Unsicherheit vieler Untermhäuser ist noch groß. Einwohner, Grundstückseigner und Kleingärtner sind unruhig angesichts der auf den Stadtteil zukommenden Hochwasserschutzmaßnahmen. Dementsprechend groß war der Andrang zur Informationsveranstaltung im Geraer Rathaus, zu der die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) und die Thüringer Landgesellschaft (ThLG) am Mittwochabend eingeladen hatten. Sie schilderten im Einzelnen die vor den Haustüren der Untermhäuser bisher geplanten Bauarbeiten, die das Ziel haben, Hochwasserschutzanlagen vom Gewässer weg zu verlegen, um Abflussprofile zu erweitern. Auch Wiederertüchtigung und Schaffung von Retentionsflächen sowie die Beseitigung von Engstellen haben Priorität. Mit einer neuerlichen Flut zu erwartende Wassermengen sollen aus den bebauten Flächen herausgehalten werden.

Untermhäuser Brücke bis Cubabrücke

Hier baut die TLUG. Das Genehmigungsverfahren für den Bereich ist abgeschlossen, der Bau soll nach den Sommerferien losgehen. Dafür nötige Baumfällungen werden bis Ende Februar durchgeführt. Mitte 2018 beginnt die Ausschreibung für die Bautätigkeit.

In Fließrichtung links

In Fließrichtung der Weißen Elster wird links die Bestandsmauer saniert und teilweise mit neuer Gründung versehen. Das heißt, der Mauerkopf wird entfernt, ein neuer Betonkern gebaut und die alte Verkleidung wieder aufgesetzt. Zum Spielplatz hin wird der Radweg vom Deichrand abgenommen, die Mauer wird mit Erdreich eingeschüttet. Mit dem Verein Ja - für Gera wird ein künstlerisches Gestaltungskonzept in dem Bereich umgesetzt.

In Fließrichtung rechts

In Fließrichtung rechts wird eine neue Hochwasserschutzwand aus Beton errichtet. Abschnittsweise wird sie mit einem Deichverteidigungsweg versehen, dort wo momentan der Trampelpfad entlangführt.

Cubabrücke bis Eisenbahnbrücke

Verantwortlich ist die ThLG. Noch ist sie dabei, alle Eigentumsverhältnisse der Flächen zu klären. 2019 soll das Genehmigungsverfahren anlaufen, die Planfeststellung bis 2020 passieren. Mit dem Bau rechnen die Planer 2021 bis 2023.

Da der schmale Elsterkanal bestimmte Höhen der Hochwasserschutzanlagen erfordert, werden in verschiedenen Abschnitten unterschiedliche Maßnahmen realisiert. Eingriffe in Kleingärten und Brachflächen bleiben nicht aus.

In Fließrichtung links

Von der Cubabrücke bis Höhe Schafwiesensiedlung ist eine Hochwasserschutzwand vorgesehen. Für den Abschnitt Am Kupferhammer werden derzeit noch verschiedene Planungsvarianten erörtert. Ziel ist es, die alten Lindenbäume stehen zu lassen, da sie stadtbildprägend und unter Tierschutz- und Umweltgesichtpunkten wichtig sind. Die Schwierigkeit besteht darin, die Wurzeln nicht zu verletzen.

Geklärt werden muss zum jetzigen Zeitpunkt noch, ob die neue Hochwasserschutzwand vor oder hinter den Bäumen verlaufen wird. Baut man die Mauer zwischen Fluss und Bäumen, würden Bäume und Straße zwar geschützt, aber eine Steilböschung würde entstehen. Wird die Mauer hinter die Bäume und die Straße gesetzt, müsste der Kupferhammer umgewidmet werden, da er im Hochwasserfall mit überschwemmt werden würde. Autos müssten dann in die engen Straßen der Siedlung ausweichen. Nach jetzigem Stand suchen die Planer nach einer Lösung, um genau das zu vermeiden.

Unmittelbar hinter der Vogelsiedlung bis zur Eisenbahnbrücke soll der vorhandene Hochwasserschutzdeich zurückverlegt werden. Der neue Deich ist im Hinterland Richtung Untermhäuser Straße geplant und schützt dann auch die dort befindliche Kleingartenanlage und Wohnbebauung. Der jetzt noch parallel der Weißen Elster geführte Radweg wird dann neben dem neuen Deich zur Eisenbahnbrücke verlaufen.

In Fließrichtung rechts

Die aus Richtung Untermhäuser Brücke neu errichtete Hochwasserschutzwand aus Beton wird vor der Bebauung Uferstraße und ab Höhe Cubaer Straße parallel zur Kantstraße weitergeführt. Dann soll sie von der Elster wegversetzt östlich des Mühlgrabens das Gewerbegebiet schützen. Die davor liegenden Grundstücke und Kleingärten sind nach diesem Planungsstand als Überschwemmungsflächen vorgesehen.

Der Mühlgraben wird nach den aktuellen Planungen entweder direkt in die Elster eingeführt oder in das Gewässeraue-Vorland umverlegt, so dass er sich mitten im Überschwemmungsgebiet befindet.

Ab der Einmündung des Bieblacher Baches in die Elster führt die Hochwasserschutzwand entlang der Straße Fasaneninsel bis zur Eisenbahnbrücke.

Auch der Bieblacher Bach selbst wird von einer Hochwasserschutzwand eingeschlossen.

Damit sich die Elster im Hochwasserfall ein neues, breites Bett schaffen kann, soll von Höhe Kantstraße bis zur Eisenbahnbrücke das Gelände vor der Schutzmauer vollflächig abgetragen werden. Zwischen 0,50 Meter und 3,50 Meter Erdreich werden in der Höhe entfernt. Ohne die Geländeabgrabungen müsste man deutlich höhere Hochwasserschutzwände bauen.

Betroffene Kleingärtner im gesamten Baubereich

Weil für die Aufweitung der Elster und den großflächigen Erdabtrag verschiedene Grundstücke und Kleingärten weichen müssen, bietet das Land Entschädigungen nach einem Verkehrsgutachten an. Auch die Vermittlung und der Tausch von Gärten ist eine Möglichkeit, für die sich Kleingärtner an den Verband der Gartenfreunde Gera wenden können.

Die Gärten in der Schafwiesensiedlung sind nicht betroffen.