Zuflucht für Turmfalken in der Kirche zu Möschlitz

Der Zimmerer Steffen Berger baut eine Nisthilfe für den Kirchturm mit einer Einflugöffnung im Schallfenster. Der Naturschutzbund zeichnet die Möschlitzer Kirche mit der Plakette "Lebensraum Kirchturm" aus.

Zimmerer Steffen Berger, der seinen dreijährigen Friedrich mit auf den Turm genommen hat, baute für den Möschlitzer Kirchturm einen Nistkasten für Turmfalken (rechts), der einen Zugang durch das Schallfenster hat. Im Nistkasten befinden sich Hobelspäne, aus denen sich die Vögel ein Lager bauen.  Foto: Uli Drescher

Zimmerer Steffen Berger, der seinen dreijährigen Friedrich mit auf den Turm genommen hat, baute für den Möschlitzer Kirchturm einen Nistkasten für Turmfalken (rechts), der einen Zugang durch das Schallfenster hat. Im Nistkasten befinden sich Hobelspäne, aus denen sich die Vögel ein Lager bauen. Foto: Uli Drescher

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Möschlitz. Die Öffnung im südlichen Schallfenster des Möschlitzer Kirchturmes sieht nur der Fachmann. Hinter der Öffnung verbirgt sich ein nach innen geschlossener Holzkasten, der nur einen Zweck hat – Turmfalken eine günstige Brutstätte zu geben. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zeichnete die Kirche dafür mit der Plakette "Lebensraum Kirchturm" aus.

Lothar Knäschke vom Arbeitskreis "Dreba – Plothener Teichgebiet e.V. im Nabu freut sich über die Bereitschaft der Kirchgemeinde, etwas für die bedrohten Arten zu tun. "Die ehemals Felsen- und Höhlen brütenden Tiere sind dem Menschen in Städte und Dörfer gefolgt, um einen neuen Lebensraum für sich zu entdecken. Und der Gesetzgeber fordert bewusst den Schutz und die Erhaltung der Wohn-, Zufluchts,- und Lebensstätten der geschützten Tierarten", so der Naturschützer. In der Praxis sei das allerdings noch nicht überall angekommen. "Bei Gebäudesanierungen also auch unserer Kirchen, die zur Freude aller im neuen Glanz erstrahlen, werden oft unbedacht Einflüge verschlossen, Schallluken von innen vergittert. Die Folge ist der stetige Rückgang von Schleiereule, Turmfalke, Dohle, Mauersegler oder Fledermäusen", beklagt Lothar Knäschke den Zustand.

Deshalb hat der Beratungs- Ausschuss für das Deutsche Glockenwesen gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Aktion "Lebensraum Kirchturm" initiiert. Durch Beratung und den Einbau von Nisthilfen in Kirchen sollen die Quartierbedingungen für bestandsbedrohte Arten verbessert oder neu geschaffen werden.

Gemeinsam mit dem Nabu-Mitglied Peter Zörner aus Schleiz sei der Einbau von Brutmöglichkeiten geprüft und ein Brutkasten für Turmfalken kostenfrei durch die Firma Berger gebaut und im Turm der Kirche in Möschlitz angebracht worden, berichtet Lothar Knäschke. "Damit wurde ein praktischer Beitrag zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt geleistet." Die Kirchgemeinde von Möschlitz sei damit bisher eine der wenigen im Saale-Orla-Kreis, die sich der Verantwortung stelle. "Ein schönes Beispiel, wie ernst die Bewahrung der Schöpfung durch diese Kirche genommen wird. Damit wird das Anliegen wieder mehr in das Bewusstsein der Menschen gerückt."

Diese partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Kirche und Naturschutzbund sollen auch künftig bestehen bleiben, denn die erbrüteten Jungvögel sollen mit Ringen der Vogelwarte Hiddensee gekennzeichnet und damit weitere wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden. Ein besonderer Dank des Naturschutz- bundes geht dafür auch an Pfarrer Kai Weber, der den Einbau der Nisthilfe unterstützte.

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