Neuer Standort für Bratwurstmuseum gesucht

Mühlhausen  Druck der Staatskanzlei, der Jüdischen Landesgemeinde und der Stiftung Buchenwald offenbar zu stark

Vom Schwein bis zur Bratwurst gibt es im Museum allerlei zum Kult um das Thüringer Grillgut zu sehen und zu erleben. Weil der Andrang die Kapazitäten in Holzhausen sprengt, soll die Einrichtung nach Mühlhausen umziehen.

Vom Schwein bis zur Bratwurst gibt es im Museum allerlei zum Kult um das Thüringer Grillgut zu sehen und zu erleben. Weil der Andrang die Kapazitäten in Holzhausen sprengt, soll die Einrichtung nach Mühlhausen umziehen.

Foto: Daniel Volkmann

„Die Stadtverwaltung Mühlhausen schließt eine Nutzung des zuletzt diskutierten Standorts für die Ansiedlung des Bratwurstmuseums aus.“ Die Einrichtung sollte von Holzhausen bei Arnstadt im Ilm-Kreis auf das Gelände der einstigen KZ-Außenstelle am Stadtwald umziehen.

Es wird laut Aussage einer Sprecherin der Verwaltung vom Samstagmorgen einen neuen Standort geben. Schon am Freitagnachmittag hatte Mühlhausens Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) angekündigt, man prüfe alternativ einen neuen Standort.

Politiker versteht die Überraschung nicht

Stadt und Investor stünden in Kontakt mit dem Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), um mit der Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora die bestehende Erinnerungsstätte in Mühlhausen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Überhaupt scheint der Kulturminister eine entscheidende Rolle in der Debatte um den Standort zu spielen. Nach Informationen unserer Zeitung soll er den neuen Platz für das Museum mit Nachdruck gefordert haben. Stadtratsmitglied Dirk Anhalt (Die Linke) begrüßte als erster Lokalpolitiker am Wochenende die Entscheidung: Nun bestünde die Chance, dass dieser Teil der Geschichte Mühlhausens stärker ins Bewusstsein der Mühlhäuser rückt.

Allerdings hatte auch seine Stadtratsfraktion, der zwei Vertreter der Grünen angehören, am Donnerstagabend mit nur einer Gegenstimme der Beschlussvorlage der Verwaltung zugestimmt, durch die der Bebauungsplan für das Gelände geändert wurde – eindeutig mit dem Zusatz versehen „für das Bratwurstmuseum“ (unsere Zeitung am 2. Februar). Die Gegenstimme kam von Knut Ewers (Grüne), weil er mit dem Museum die Fleischlobby unterstützt sieht. Anhalt fehlte zur Ratssitzung. Anhalt verweist auf eine Stadtratssitzung im September 2015, als es um die Nutzung des Geländes als „Tourismuszentrum“ ging. „Bereits da habe ich darauf hingewiesen, dass sich auf dem Gelände ein Außenlager des KZ Buchenwald befand und bei einer zukünftigen Nutzung die historische Bedeutung berücksichtigt werden muss.“ Allerdings hatte er sich damals generell für eine touristische Nutzung ausgesprochen. Er könne nicht verstehen, dass auf einmal alle von dieser Tatsache überrascht sind. Die Historie ist bekannt, auch wenn das Gelände in der bisherigen Gedenkkultur der Stadt keine Rolle spielte.

Gedenkstätte will bei Verkäufen mitreden

Hoff nannte in einem Schreiben an den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Reinhard Schramm, die öffentlichen Aussagen des Mühlhäuser Investors „geschichtsvergessen“. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es bereits recht konkrete Vorstellungen über den neuen Standort des Bratwurstmuseums. Er soll sich in unmittelbarer Nähe des kritisierten Standorts ebenfalls am Stadtwald befinden. Damit ist auch die Idee vom Tisch, im Bratwurstmuseum auf dem Gelände der einstigen KZ-Außenstelle einen Ort des Gedenkens zu etablieren. Von Hoff hieß es: „Eine Ansiedlung des Museums auf dem Gelände der Gedenkstätte wird es nicht geben.“ Reinhard Schramm, der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, sprach von „stets guten Erfahrungen“, die die Jüdische Landesgemeinde in den letzten Jahren mit dem Rathaus, den Kirchen und den Parteien in Mühlhausen gemacht habe. „Wissenslücken, Gleichgültigkeit und mangelnde Sensibilität sind nun im vorliegenden Fall zusammengetroffen“, meint er in Bezug auf die aktuelle Debatte.

Man werde künftig verlangen, dass Grundstücksverkäufe von Flächen ehemaliger Außenlager nur nach Absprache mit der Leitung der Gedenkstätte Buchenwald – einschließlich betroffener Opfergruppen – erfolgen könnten und, dass vertraglich eine sensible Nutzung garantiert werde, meint Schramm.

In dieser Woche soll es zwischen der Stadt und der Jüdischen Gemeinde, für die Schramm die Einrichtung eines würdigen Gedenkortes verlangt, sowie der Staatskanzlei weitere Gespräche zu Museum und Gedenkort geben.

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