Berlin. Der Regierungs-Airbus mit Annalena Baerbock musste Kerosin ablassen. In Notsituationen ist das erlaubt. Was es für die Umwelt bedeutet.

Immer wieder müssen Flugzeuge Kerosin ablassen. So auch der Regierungsairbus von Außenministerin Annalena Baerbock über Abu Dhabi – und das gleich zweimal. Rund 80 Tonnen waren es am Ende die im Luftraum über Land und Meer landeten. Das sogenannte Fuel Dumping kommt immer häufiger vor, wie aktuelle Zahlen des Luftfahrt-Bundesamtes zeigen. Erlaubt ist es nur in Notsituationen, um für die Landung Gewicht zu reduzieren – etwa bei technischen Problemen oder bei einem medizinischen Notfall an Bord.

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Das Kerosin muss dann in einer Höhe von mindestens 1800 Metern abgelassen werden. Zudem muss während des Ablassens und für 15 Minuten danach der Luftraum frei von durchfliegendem Verkehr bleiben. Dokumentiert werden die meldepflichtigen Vorfälle in Deutschland durch das Luftfahrt-Bundesamt. Wie die Aufzeichnungen der Behörde zeigen, wird das Kerosin im Luftraum über Deutschland offenbar meist sogar in einer Flughöhe von 4000 bis 6000 Metern freigesetzt. Doch welche Folgen hat der in die Luft abgegebene Treibstoff für Menschen und Umwelt?

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Gesundheit: Enthaltenes Benzol gilt als krebserregend

Kerosin ist ein Gemisch aus mehreren hundert Substanzen und wird aus Rohöl gewonnen. Fest steht: Die hochkonzentrierten Mineralölkohlenwasserstoffe im Kerosin sind gesundheitsgefährdend und umweltgefährlich. Das enthaltene Benzol gilt als krebserregend. Das Umweltbundesamt (Uba) kommt in einem Untersuchungsbericht von 2020 dennoch zu dem Schluss, dass Fuel Dumping keine kritische Belastung für die Umwelt darstelle – sofern die Regeln eingehalten würden.

Die Piloten des Regierungs-Airbus A340 lassen wegen einer Panne kurz nach ihrem Start in Abu Dhabi kontrolliert Treibstoff ab, um zu landen.
Die Piloten des Regierungs-Airbus A340 lassen wegen einer Panne kurz nach ihrem Start in Abu Dhabi kontrolliert Treibstoff ab, um zu landen. © dpa | Sina Schuldt

„Wir erwarten aufgrund der Verdunstung des Kerosins während des Absinkens und der gleichzeitigen Verteilung der Kerosintropfen bodennah für die Böden, Luftqualität, Grundwasser und die menschliche Gesundheit keine kritischen Belastungen“, erklärte ein Uba-Sprecher. Der größte Teil des fein versprühten Kerosins verdunste im Verlauf des Absinkens. Rechnerisch erreichten acht Prozent der abgelassenen Treibstoffmenge den Boden, daraus ergebe sich eine theoretische Belastung des Bodens von 0,02 Gramm Kerosin pro Quadratmeter.

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Wie viel Kerosin den Boden erreicht, hängt auch von Temperatur ab

In dem Bericht weisen die Autoren allerdings auch auf Forschungslücken hin. Demnach sei nur theoretisch erforscht, wie viel Kerosin tatsächlich den Boden erreiche. Das hänge stark von der Umgebungstemperatur ab. Im Sommer seien die Anteile geringer, so das Uba. Laut Bericht erreichen bei 20 Grad Lufttemperatur am Boden nur vier Prozent der Kerosinmenge die Erdoberfläche. Im Winter-Szenario bei minus zehn Grad aber sind es 59 Prozent.

„Eine zielgerichtete Bewertung“ der Belastung in der bodennahen Luft sei mit dem derzeitigen Wissenstand nicht in vollem Umfang möglich, schränken die Autoren ein. Wegen fehlender Daten könne nicht abschließend bewertet werden, wie groß die Risiken für Umwelt und menschliche Umwelt seien. Auch aus diesem Grund formuliert der Uba-Bericht abschließend juristische Handlungsempfehlungen, wie mögliche Umweltwirkungen vermieden oder verringert werden könnten. Demnach soll in Notfällen ein Treibstoffablass möglichst abseits großer Städte und in Lufträumen mit geringer Flugverkehrsdichte erfolgen. (pol)