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iPhone 14 (Pro) in der Praxis: Nicht mehr als nötig ausgeben

Maik Henschke
| Lesedauer: 15 Minuten
So gut ist das iPhone 14 // IMTEST

So gut ist das iPhone 14 // IMTEST

Die neuen Modelle des iPhone 14 von Apple im Test.

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Berlin.  Das iPhone 14 und 14 Pro zeigen erst im Alltag, was in ihnen steckt – und was man davon braucht. Genügt der Vorgänger? Ein Praxistest.

Umsteigen aufs neue iPhone – lohnt sich das? Und falls ja: Genügt das Basismodell iPhone 14 oder macht sich der Aufpreis zum iPhone 14 Pro bezahlt? Vor dieser Frage standen viele Smartphone-Nutzer und -Nutzerinnen mit Hang zum Apple-Handy bereits kurz nach Apples September-Event. Doch eine Einschätzung nur auf Grundlage der technischen Datenblätter, Werbevideos und kurzer Anfühltests genügt vielen nicht für ihre Kaufentscheidung – gerade mit Blick auf die gestiegenen iPhone-Preise jenseits der 1000-Euro-Marke. Manch einer wartet zudem noch das Vor-Weihnachtsgeschäft ab.

Nach fast drei Wochen mit dem iPhone 14 und 14 Pro unterwegs im Alltag ergibt sich dagegen schon ein differenzierter, ausgeruhter Blick auf die Frage nach dem iPhone-Kauf. Die beiden Testgeräte – vom Hersteller für die Testzeit kostenlos zur Verfügung gestellt – mussten sich sowohl beim täglichen Surfen und Videoschauen bewähren, aber auch beim produktiven Arbeiten und natürlich beim Aufnehmen von Fotos und Videos bei viel und wenig Tageslicht.

Wie groß ist der Unterschied zwischen iPhone 13 (Pro) und 14 (Pro)? Wo und für wen machen sich die Neuerungen bemerkbar? Muss es unbedingt das neue Modell sein oder spricht mehr für den Griff zum etwas günstigeren Vorgänger? Eindrücke aus der Praxis, die bei der persönlichen Kaufentscheidung helfen können.

iPhone 13 (Pro) und 14 (Pro): Die wichtigsten Unterschiede

Apple hat in diesem Jahr die iPhone-Preise für den deutschen Markt deutlich angehoben. Das Basismodell iPhone 14 (6,1 Zoll) kostet hierzulande mindestens knapp 1000 Euro mit 128 Gigabyte (GB) internem Flash-Speicher – 100 Euro mehr als im Vorjahr. Das gleichgroße iPhone 14 Pro ist sogar erst ab knapp 1300 Euro erhältlich – ein Anstieg um 150 Euro. Und: Wünscht man sich ein größeres Pro-Max-Modell oder mehr Speicher, wächst der Preisunterschied zum Vorgänger weiter.

Beide handlichen Geräte sowie das größere Pro-Max-Modell (6,7 Zoll) zeigten im Labortest unserer Kollegen von IMTEST unterm Strich durchweg „sehr gute“ Leistungen mit nur wenigen Schwächen. Das Bild hat sich im Alltagstest der 6,1-Zoll-Modelle bestätigt: Beide gehören in Sachen Haptik, Leistung, Display und Kamera zum besten, was der Smartphonemarkt aktuell zu bieten hat – insbesondere das Pro-Modell.

Abgesehen vom Preis grenzt Apple die Basis- und Pro-Modelle in diesem Jahr noch stärker voneinander ab. Während die neuen Einstiegsgeräte – das kompakte iPhone-Mini wurde gestrichen – optisch keine und technisch nur dezente Änderungen erfahren, scheint der Hersteller die Kundschaft stärker zu den teureren Pro-Modellen drängen zu wollen.

Denn beim iPhone-14-Basismodell halten sich die Verbesserungen sehr in Grenzen. Sie finden sich vor allem in der Kamera: Die besitzt zwar weiterhin kein Objektiv zum Zoomen. Dafür erhält die Hauptkamera einen größeren Bildsensor (1.9-µm-Pixel statt 1.7 µm) und eine größere Blende (f/1.5 statt f/1.6), um mehr Licht einzufangen. Beides soll die Fotoqualität insbesondere im Dunkeln verbessern. Die Hauptkamera steht nun auf einer Stufe mit der des 13 Pro aus dem Vorjahr.

Für schönere Selfies hat Apple die Frontkamera ebenfalls lichtstärker gebaut (Blende f/1.9 statt f/2.2) und erstmals einen Autofokus ergänzt, um etwa nahe Objekte und Gesichter auf Gruppen-Selfies besser scharf zu stellen. Unverändert bleibt die zweite Rückkamera: Die Ultraweitwinkel-Linse.

Insgesamt sollen alle drei Linsen von Apples neuer Bildprozess-Software namens „Photonic Engine“ profitieren, die auch in den Pro-Modellen steckt. Diese soll für bessere Bildqualität vor allem bei schwachem Licht sorgen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz werden hierbei pro Schnappschuss mehrere Belichtungen eines Motivs zu einem Bild zusammengefügt. Ebenfalls erhalten alle neuen iPhones einen „Action Modus“, der Videos in Bewegung wie mit einem Stativ stark stabilisiert. Und die neue Unfallerkennung in allen Geräten kann mithilfe mehrerer Sensoren einen Autounfall erkennen und automatisch den Notruf kontaktieren.

Beim Prozessor bleibt es beim A15 Bionic, der lediglich einen zusätzlichen Grafikkern erhält. Der Arbeitsspeicher wächst leicht von 4 auf 6 GB RAM. Die Farbauswahl wurde etwas erweitert.

Nur beim teureren Pro-Modell hat sich zum Vorgänger deutlich erkennbar etwas getan:

iPhone 14 Pro: Vier wichtige Neuerungen zum Vorgänger

  • „Dynamic Island“ statt Display-Notch: Bisher saß die schwarze Bildschirmaussparung am oberen Rand. Nun rutscht sie etwas tiefer, ist pillenförmig und beherbergt neben der Frontkamera die Sensoren für die 3D-Gesichtserkennung (Face-ID). Der Clou: Die tiefschwarze Fläche ändert ihre Höhe und Breite, sobald bestimmte Apps im Hintergrund aktiv sind, Benachrichtigungen eintreffen oder Nutzer bestimmte Aktionen ausführen. Die dynamische Insel liefert kurze Informationen, erleichtert mitunter aber auch die Steuerung.
  • Kamerasystem: Apple hat die rückseitige Dreifach-Kamera sowie die Frontkamera an mehreren Stellen aufgewertet und größere, lichtstärkere Sensoren verbaut. Die genannte Bildverarbeitung („Photonic Engine“) soll auch hier für mehr Bildqualität sorgen.
  • Immer-An-Bildschirm: Das sogenannte Always-on-Display war bislang der Apple Watch vorbehalten. Damit werden auch im Standby-Modus die Uhrzeit sowie bestimmte Informationen und App-Widgets durchgehend angezeigt. Apple dunkelt dafür das Hintergrundbild deutlich ab. Möglich wird das durch den stromsparenden Bildschirm, der Inhalte jetzt mit einem Bild pro Sekunde (Hertz) anzeigen kann.
  • Prozessor-Chip A16 Bionic: Anders als im Basismodell kommt im Pro-Gerät Apples derzeitiger Spitzenprozessor zum Einsatz, der im noch jungen 4-Nanometer-Verfahren gefertigt ist und auch die Kamera unterstützt.

iPhone 14 und 14 Pro: Was bringen die Neuerungen im Alltag?

Beim Basismodell iPhone 14 werden die meisten Besitzer des iPhone 13 so gut wie keine Unterschiede merken. Es bleibt ein extrem gut verarbeitetes Smartphone mit gutem Display, das angenehm leicht in der Hand liegt und sich auch einhändig bedienen lässt. Alles läuft flüssig, nichts ruckelt. Doch all das ist beim iPhone 13 auch der Fall. Normalnutzer dürften keinen Leistungssprung spüren – der A15-Chip ist nach wie vor allen gängigen Aufgaben gewachsen.

Auch die Bilder und Videos der beiden Rückkameras sind – bei Tageslicht – nie eindeutig dem neuen Modell zuzuordnen. Immerhin: Bei dunkleren Lichtverhältnissen lassen sich hin und wieder minimale Qualitätsunterschiede erkennen – aber stets auf hohem Niveau.

Fazit: Wer vom iPhone 13 kommt, hat keinen ernsthaften Grund, zum knapp 1000 Euro teuren Nachfolger zu greifen. Besitzer älterer Modelle ab dem iPhone 12 abwärts müssen abwägen, ob sie unbedingt das neueste Modell brauchen. Legt man auf die neu eingebaute Autounfall-Erkennung keinen besonderen Wert und wünscht sich auch keine der neuen Farben, bleibt das iPhone 13 ein guter Griff – auch das erhält noch vier Jahre lang Updates.

Beim Pro-Modell des iPhone 14 für 1300 Euro aufwärts fällt die Einschätzung nach dem Praxistest schon schwerer: Nicht alle der vier genannten Top-Neuerungen machen für jeden auch einen gravierenden Unterschied aus.

„Dynamic Island“: Originelle Neuerung mit Potenzial nach oben

Die „Dynamic Island“ ist gerade am Anfang ein willkommener Hingucker und löst einen gewissen Spieltrieb aus. Wie laufende Apps sich elegant in den schwarzen Mini-Bildschirm schmiegen und dieser Form und Größe ändert: Das sieht frisch und innovativ aus. Einen echten Mehrwert in der Bedienung liefert die dynamische Insel aber bislang nur bei ausgewählten Apps wie Musiksteuerung oder Timer.

Sonst bringt die tiefer gewanderte Aussparung zwar optische Abwechslung und Wiedererkennungswert, bietet aber nach drei Wochen kaum Vorteile gegenüber einer Benachrichtigungsleiste, die – wie bei Android-Handys – von oben in den Bildschirm aufploppt. Apples Lösung hat zudem den Nachteil: Schaut man Videos im Format 16:9, ragt ein Teil der schwarzen Pille ins Bild. Im Vollbildmodus wiederum ist die Aussparung komplett zu sehen. Aber: Nutzen demnächst auch immer mehr Drittanbieter-Apps die dynamische Insel, hat die Lösung jede Menge Potenzial.

Immer-An-Bildschirm: Zwischen Information und Ablenkung

Der neue Immer-An-Bildschirm bringt ebenso Vor- und Nachteile mit sich: Praktisch ist es, mit einem Blick jederzeit auch auf dem gedimmten Bildschirm einen Blick auf Uhrzeit, Wetter, Benachrichtigungen und App-Infos zu erhaschen. Warum der eingestellte Bildschirmhintergrund dabei durchgängig zu sehen sein muss? Unklar. Nach einigen Tagen „Oh, das ist neu“ stellt sich der gegenteilige Effekt ein: Da bislang ein sichtbarer Bildschirm signalisierte, dass etwas auf dem Handy passiert, wandert der Blick häufiger enttäuscht zum Handy – das plötzlich dauerhaft leuchtet. Ärgerlicher: Wie schwach oder stark der Bildschirm abdunkelt, hängt vom Umgebungslicht ab. Schöner wäre es, das präzise regeln zu können.

Auswirkung hat das Always-on-Display zudem auf den Akku: Am Ende des Tages bleiben je nach Nutzung durchaus fünf bis zehn Prozent weniger Akkuladung übrig, als wenn man das Display im Standby dauerhaft schwarz lässt. Gewisse Abhilfe bietet Apple selbst: Der Bildschirm schaltet sich unter anderem von selbst aus, sobald man das iPhone auf den Bildschirm legt, nachts den Schlaf-Fokus einschaltet, man den Stromsparmodus aktiviert oder das iPhone im Auto mit Apple Car Play verbunden ist. Einen Vorteil haben zudem Besitzer einer Apple Watch: Das iPhone 14 Pro erkennt, wenn Uhrenträger den Raum verlassen und schaltet bis zur Rückkehr das Display aus.

A16 Bionic: Mehr Leistung als nötig

Und der neue Prozessor? Der A16 Bionic sorgt im iPhone 14 Pro für absolute Höchstleistung in gängigen Apps zur Leistungsmessung. Zugleich ist der Chip offenbar nochmals stromsparender. Für Profi-Anwender könnte das ein Argument sein. Faktisch ist der neue Prozessor aber überdimensioniert für fast alles, was man mit aktuellen Apps so anstellen kann. Selbst aufwendige Foto- und Videobearbeitung oder 3D-Spiele unterfordern ihn. Normalanwender müssen mit dem ebenfalls extrem leistungsstarken Vorgänger im 13 Pro im Alltag keine Abstriche machen.

Kamera: Dafür zahlt man den Aufpreis

Bleibt die Kamera: Hier hat das 14 Pro den wohl größten Sprung gemacht. Das gilt besonders für die Hauptkamera. Statt 12 MP beherrscht sie jetzt bis zu 48 MP. Heißt: Im Automatikmodus, mit dem die meisten knipsen dürften, zieht die Kamera jeweils vier Pixel zu einem größeren, lichtstarken Bildpunkt zusammen. Das ausgegebene Bild hat 12 Megapixel, bietet aber etwas mehr Schärfe und Helligkeit als bisher. Wirklich auffallend sind die Foto-Unterschiede im Automatikmodus zwischen 13 Pro und 14 Pro aber nicht. Praktisch ist zuweilen die neue 2-fache Zoomstufe zwischen 1- und 3-facher Vergrößerung. Nahaufnahmen gelingen im Makromodus nun etwas schärfer und heller.

Wer deutliche Unterschiede sehen will, der muss beim 14 Pro in den Einstellungen händisch den „Pro Raw“-Modus auswählen und die Ausgabequalität auf echte 48 Megapixel festlegen. Fotos werden dann zwar auch nur minimal besser als beim 13 Pro. Zoomt man aber auf dem Handy- oder Computerbildschirm in die Aufnahme hinein, zeigen die 48-Megapixel Fotos sichtbar mehr Details. Nachteil: Jedes einzelne Foto belegt dann üppige 60 bis 100 Megabyte auf dem internen Speicher – auf Dauer ungeeignet für hunderte Alltags-Schnappschüsse. Aufnahmen im Nachtmodus werden einen Tick schöner als beim 13 Pro, besonders bei 3-facher Vergrößerung. Vor allem aber löst die Kamera des 14 Pro nachts schneller aus.

Am meisten lohnt sich der Wechsel zum 14 Pro für jene, die regelmäßig qualitativ hochwertige Videos mit dem iPhone drehen wollen. Tippt man im Videomodus der Kamera auf den neuen Actionmodus, bleiben Bewegtbildaufnahmen auch dann eindrucksvoll stabil, wenn man selbst mit dem Smartphone rennt, hüpft springt oder sich sonst wie beim Filmen bewegt. Der Stativ-Effekt ist ein echtes Pfund des 14 Pro und bietet für actionreiche Filmchen und Sportaufnahmen neue Möglichkeiten. Gleiches gilt für den verbesserten Kinomodus, der statt Full-HD-Auflösung nun schärferes 4K HDR unterstützt. Damit können Profis wie Hobbyfilmer in Videos die Unschärfe und den Fokus auf Objekten hin und her wechseln – und das sogar noch später bei der Nachbearbeitung. Der Kinomodus im 13 Pro schlägt sich aber kaum schlechter.

Fazit: Für wen lohnt sich der Wechsel zum iPhone 14 (Pro)?

  • Das „normale“ iPhone 14 eignet für komplette iPhone-Neulinge oder Besitzer älterer Modelle, die keine extrem gute Kamera oder Videoaufnahmen benötigen – für diese Gruppe genügt aber im Grunde schon ein iPhone 13. Das Vorjahresmodell (ein Jahr weniger Updates) ist im freien Handel schon für rund 180 Euro weniger als das 14 zu haben.
  • Das iPhone 14 Pro kann die richtige Wahl für Nutzer sein, die viel Wert auf eine extrem gute Kamera, scharfe Nachtaufnahmen und hochwertige, wackelfreie Videos legen. Oder aber für jene, die ihren Bildschirm zu jeder Zeit im Blick haben möchten und Lust auf den Mini-Bildschirm der „Dynamischen Insel“ als frisches Bedienelement haben. Das iPhone 13 Pro (ein Jahr weniger Updates) ist im freien Handel schon rund 150 Euro günstiger erhältlich und ist abgesehen von den eher kleinen Unterschieden immer noch ein Top-Smartphone auf der Höhe der Zeit.
  • Geduld kann sich auszahlen: Apples iPhones sind zwar erfahrungsgemäß so preisstabil wie kein anderes Smartphones. Dennoch sinken die Preise in den Monaten nach dem Marktstart schrittweise um ein paar Prozent. Wie die Preisvergleichsplattform idealo.de anhand des Preisverfalls der Vorgängermodelle (je 128 GB) ermittelt hat, dürfte beim iPhone 14 die Ersparnis etwa Mitte Januar 2023 bei über zehn Prozent gegenüber den knapp 1000 Euro Startpreis liegen – bei rund 120 Euro. Nach fünf Monaten könnten 15 Prozent und mehr möglich sein. Beim Pro-Modell soll der Prognose nach erst ab April nächsten Jahres eine spürbare Ersparnis von rund elf realistisch sein – immerhin rund 180 Euro weniger.