Ein Nachtsichtgerät für den NSU?

München. In dieser Woche ist ein mutmaßlicher Unterstützer des NSU-Trios geladen, der bisher im Verborgenen blieb. Dann geht es auch um die Herkunft eines Nachtsichtgerätes, das damals im Brandschutt des Hauses in der Zwickauer Frühlingsstraße gefunden wurde.

In den Trümmern des letzten NSU-Quartiers in Zwickau fanden Ermittler ein Nachtsichtgerät und Reizgas-Patronen. Archivfoto: dpa

In den Trümmern des letzten NSU-Quartiers in Zwickau fanden Ermittler ein Nachtsichtgerät und Reizgas-Patronen. Archivfoto: dpa

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Im Februar 1999 wurde auf den Namen Ralph H. eine Wohnung in der Chemnitzer Cranachstraße angemietet. Das Problem: Die Miete wurde nie überwiesen. Überhaupt schienen es die neuen Bewohner mit den Gesetzen nicht sonderlich eng zu sehen. So bestellten sie bei einem Jagdausstatter ein Nachtsichtgerät und Abwehrsprays. Doch die Lieferungen wurden nie bezahlt.

Ein Dutzend Jahre später, im November 2011, fanden Ermittler im Brandschutt des Hauses in der Zwickauer Frühlingsstraße nicht nur den Personalausweis von Ralph H., sondern auch ein verkohltes Nachtsichtgerät und eine Reizgasflasche. Hatten also damals Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in Chemnitz in der Cranachstraße gewohnt? Hatten sie die Waren bestellt? Und hatte ihnen Ralph H. bei dem Betrug geholfen?

Für mehrere Nebenklagevertreter im NSU-Prozess lauten die Antworten auf diese Fragen mit hoher Wahrscheinlichkeit "Ja". Deshalb stellten sie im September den Antrag, den bisher nur einigen, wenigen Akten erwähnten Ralph H. als Zeugen vor das Oberlandesgericht in München zu laden.

An diesem Mittwoch ist es nun soweit. Ralph. H. aus Hohenstein-Ernstthal wird sich einreihen in eine regelrechte Kette von Zeugen aus dem Neonazi-Milieu. Eine gewisse Nähe zum NSU erscheint offensichtlich. So soll er im Jahr 2001 versucht haben, nach dem Thüringer Vorbild einen "Chemnitzer Heimatschutz" zu gründen. Auch fand sich die Telefonnummer von H. auf dem Handy des Angeklagten André E. Und: Ein Zeuge in München sagte aus, dass ihn Ralph H. Ende der 1990er Jahre in Chemnitz wegen einer möglichen Bleibe für die drei Flüchtigen angesprochen habe.

Die Verhandlungswoche in München beginnt am Dienstag mit einem nicht alltäglichen Vorgang. Mit Jochen Weingarten nimmt einer der Ankläger der Bundesanwaltschaft hinter dem Zeugentisch Platz. Er soll über die polizeilichen und staatsanwaltlichen Vernehmungen von Beschuldigen und Zeugen berichten, die später vor Gericht nicht mehr oder nur teilweise aussagen wollten.

Für den Donnerstag ist unter anderem ein Thüringer Kriminalhauptmeister geladen, der im Jahr 1996 Beate Zschäpe vernahm. Da die Hauptangeklagte in den vergangenen 162 Verhandlungstagen schwieg, müssen auch fast zwei Jahrzehnte alte Aussagen in den Prozess eingebracht werden.

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