Landgericht Mühlhausen: Prozess gegen Rechtsextremisten wird wegen Corona verschoben

Mühlhausen/Eichsfeld  Nach einem Angriff von mutmaßlich Rechtsextremen auf Journalisten im Eichsfeld wurde der Prozess am Landgericht Mühlhausen verschoben. Mittlerweile sind fast drei Jahre seit der Tat vergangen.

Symbolbild

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Foto: Sascha Willms

Der mit Spannung erwartete Prozess gegen Gianluca B. und Nordulf H. am Langericht Mühlhausen wird verschoben. Eigentlich sollte in der letzten Januar-Woche gegen die beiden mutmaßlichen Rechtsextremisten verhandelt werden – fast drei Jahre nach der ihnen zur Last gelegten schweren Tat.

Eine Sprecherin des Landgerichts Mühlhausen teilte am Mittwochnachmittag allerdings mit, dass wegen der derzeit angespannten Corona-Lage im Unstrut-Hainich-Kreis eine Verschiebung des Prozessauftaktes notwendig wird. Auch das Ausweichen in den größten verfügbaren Verhandlungssaal im Puschkinhaus mache eine Verhandlung nicht möglich, weil das öffentliche Interesse an dem Prozess offenbar sehr groß ist.

Am Mittwoch gab das Robert-Koch-Institut die Zahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche mit 414,7 an. Damit gehört der Unstrut-Hainich-Kreis zu den zehn Landkreisen mit der höchsten Siebe-Tage-Inzidenz bundesweit.

Jahrelange Hängepartie

B. und H., er als zum Tatzeitpunkt Heranwachsender, müssen sich in dem Verfahren wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie sollen am 29. April 2018 zwei Journalisten verfolgt haben, die in Fretterode im Umfeld des NPD-Funktionärs Torsten Heise, einer der beiden Angeklagten ist sein Sohn, recherchierten. Es kam zu einer Verfolgungsjagd.

Nachdem die beiden Tatverdächtigen das Fahrzeug der Journalisten erreicht haben und dieses zum Anhalten gebracht haben sollen, sollen sie einen der Journalisten angegriffen und mit Gegenständen geschlagen haben. „Sodann habe einer der Angeklagten unter Verwendung eines Messers einen Fotoapparat samt Teleobjektiv aus dem Fahrzeug entwendet. Hierbei habe er dem Beifahrer einen Stich in den Oberschenkel versetzt“, heißt es in einer Mitteilung des Landgerichts.

Die Prozessverschiebung ist die Fortsetzung einer jahrelangen Hängepartie nach dem gewalttätigen Übergriff auf die beiden Journalisten. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Monate benötigt, um die entsprechenden Daten auszuwerten. Nachdem die Anklage erhoben wurde dauerte es wiederum deutlich länger als ein Jahr, bis das Landgericht über eine Zulassung entschieden hatte. Hintergrund dafür sind personelle Probleme bei der Besetzung der zuständigen Strafkammer. Der vorsitzende Richter war in den Ruhestand gegangen.

Das Verfahren soll nun am 2. März 2021 und damit fast genau drei Jahre nach der Tat beginnen.

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