Vergewaltigungs-Prozess gegen Polizisten: Anklage fordert Bewährungsstrafe

Erfurt .  Im Vergewaltigungsprozess bleibt das mutmaßliche Opfer weiter verschwunden. Die Angeklagten wurden aus der U-Haft entlassen.

 Zwei Thüringer Polizisten stehen wegen Vergewaltigung vor dem Erfurter Landgericht. (Archiv-Bild)

Zwei Thüringer Polizisten stehen wegen Vergewaltigung vor dem Erfurter Landgericht. (Archiv-Bild)

Foto: Sascha Fromm

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Im Vergewaltigungsprozess gegen zwei Polizisten vor dem Landgericht Erfurt fordert die Staatsanwaltschaft Bewährungsstrafen von zwei Jahren. Die Verteidiger plädierten am Montag auf Freispruch.

Die beiden Polizisten sind unter anderem wegen gemeinschaftlich begangener schwerer Vergewaltigung angeklagt, die beide vergangenen September während einer Polizeimaßnahme in der Wohnung der Frau begangen haben sollen. Sie bestreiten die Vergewaltigung, räumen aber einvernehmlichen Sex mit der Hauptbelastungszeugin ein. Die Staatsanwaltschaft fordert, die Angeklagten wegen gemeinschaftlich begangenen sexuellen Missbrauchs an einer in Verwahrung befindlichen Person zu verurteilen. Die geschädigte Frau hätte sich bei ihrer Identitätsfeststellung in einer polizeilichen Maßnahme befunden, die sie etwa einer Gefangenen gleichstelle.

Den Vorwurf der Vergewaltigung ließen die Ankläger zwar fallen. Vor ihren Plädoyers kritisierten sie aber die Entscheidung, die Beweisaufnahme zu beenden. Es sei zu kurz und nicht intensiv genug nach der Hauptbelastungszeugin, einer gebürtigen Polin, gesucht worden. Daher fehlte die Möglichkeit, sie persönlich zum Vergewaltigungsvorwurf vor Gericht zu befragen.

Die 33-Jährige war auch am Montag nicht erschienen. Der Vermutung, dass sie untergetaucht sei, widersprach der Nebenklagevertreter in seinem Schlussvortrag. Es sei auch denkbar, dass seine Mandantin die Gerichtspost einfach nicht erhalten habe.

Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft sehen die Verteidiger das mutmaßliche Opfer zur Tatzeit nicht in einer Situation, die sie einer Gefangenen gleichstellte. Deshalb hätten die Beamten keine Straftat begangen. Beide Anwälte wiesen die öffentliche Vorverurteilung ihrer Mandanten zurück.

Das Gericht hat die Untersuchungshaft gegen die beiden Polizisten aufgehoben. Auch die Richter hegen Zweifel daran, dass sich die Vergewaltigung beweisen lasse. Am 13. Juli könnten die Urteile gesprochen werden – falls die Hauptbelastungszeugin nicht doch noch auftaucht.

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