Thüringer Wolfsgebiet streift Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

Saalfeld/Rudolstadt  Alles nur Panikmache? Antworten aus dem Landratsamt sollen zur Versachlichung der Diskussion um Wölfe beitragen

Die als Wolfsgebiet ausgewiesenen Teile des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt.

Die als Wolfsgebiet ausgewiesenen Teile des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt.

Foto: Landratsamt

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Die mögliche Sichtung eines Wolfs bei Volkmannsdorf und der vermutete Angriff auf einen Wapiti-Hirsch im Zuchtgehege (OTZ berichtete) haben zuletzt für Unruhe gesorgt. Deshalb wollen die Untere Naturschutzbehörde und die Untere Jagdbehörde die Bevölkerung, Jäger und Tierhalter informieren. Aktuell sind in den Behörden des Landes und im Landratsamt folgende Informationen bekannt, mit denen man einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion um die Rückkehr des Wolfs nach Thüringen leisten will.

Welche Region im Freistaat ist bisher als Wolfsgebiet ausgewiesen?

Thüringen hat sein erstes Wolfsgebiet 2015 im 30 Kilometer Umkreis zum ehemaligen Truppenübungsplatz Ohrdruf ausgewiesen. Dort lebt zurzeit eine Wölfin mit ihren Hybrid-Welpen.

Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ist bislang nur peripher von diesem Wolfsgebiet betroffen. Er liegt in den westlichen Rändern in der 30-km-Zone des Wolfsgebietes. Betroffene Gemeinden sind einzelne Ortsteile der Städte Remda-Teichel, Rudolstadt (Lichstedt, Keilhau), Bad Blankenburg (Großgölitz, Fröbitz), Königsee-Rottenbach, Bechstedt, Allendorf, Aschau, Unter- und Oberhain, Dröbischau, Egelsdorf, Barigau, Glasbach und Blumenau.

Kann die Vorbeugung durch den Staat gefördert werden?

Nur im ausgewiesenen Wolfsgebiet bestehen Fördermöglichkeiten für Landwirte und Tierhalter. Diese Fördermöglichkeiten beinhalten präventive Maßnahmen, wie zum Beispiel Zuschüsse zur Anschaffung von Zäunen oder Herdenschutzhunden.

Wie steht es im Fall des Falls um den Schadensausgleich?

Im Gegensatz zur Prävention ist ein wirtschaftlicher Schadensausgleich bei Wolfsübergriffen thüringenweit möglich. Geregelt ist das in der Förderrichtlinie Wolf/Luchs vom 21.12.2016, die im Internet abrufbar ist.

Aber hier gilt: Entschädigungen oder Schadenersatz werden nur nach sicherem Nachweis des Verursachers durch das Land Thüringen gewährt. Benötigt werden also nachvollziehbare Sicht oder Fotobeweise – insbesondere aber ein DNA-Beweis, dass ein Wolf als Verursacher eines Todesfalls in Frage kommt. Diese Beweisführung ist an bestimmte Regeln gebunden.

Wie kann ein sicherer Nachweis erbracht werden?

Ein sicherer Nachweis kann am besten durch den Rissgutachter geführt werden. Jeder Tierhalter kann sich direkt an die Rissgutachter in Thüringen wenden. Dabei ist Schnelligkeit erforderlich – die unmittelbare Meldung an die Rissgutachter sollte möglichst unverzüglich erfolgen. Nur so können DNA-Proben eindeutig gesichert werden. Werden tote Tiere bewegt oder die Meldung erfolgt lange nach dem Geschehen, ist die Nachweisführung über DNA-Abgleiche kaum mehr sicher möglich.

Wer ist in dem ganzen Verfahren letztlich zuständig?

Zu beachten ist, dass die Bewilligungsbehörde für Anträge auf Förderung von Präventionsmaßnahmen und Schadensregulierung das Landesverwaltungsamt Weimar als Obere Naturschutzbehörde ist. Eine Regelung über die Landkreise ist nicht vorgesehen, der Landkreis stellt aber gerne Kontakt zu den zuständigen Stellen her.

Was kann das Landratsamt in dem Verfahren tun?

Das Umweltamt des Landkreises ist auf Hinweise der Bevölkerung angewiesen, um möglicherweise neue Ansiedlungen des Wolfes frühzeitig zu erkennen. Nur wenn man dort rechtzeitig Bescheid gibt, kann die Behörde helfen und eingreifen und dazu beitragen, dass mögliche Schäden unter den Weidetierhaltern verhindert werden.

Die Mitarbeiter von Umweltamt und Jagdbehörde helfen gerne und vermitteln Kontakte – die eigentliche Zuständigkeit bei den Schadensfällen liegt aber beim Thüringer Landesverwaltungsamt.

Ein Umweg über die unteren Naturschutzbehörden ist dabei nicht erforderlich – ein direkter Kontakt zum Rissgutachter empfiehlt sich auf jeden Fall.

Geht von einer Begegnung mit einem Wolf Gefahr aus?

Hierzu teilte das Umweltministerium unlängst mit: Von einem wildlebenden Wolf geht in der Regel keine Gefahr für Menschen aus. Wölfe sind von Natur aus vorsichtige scheue Tiere, die Begegnungen mit Menschen meiden.

Die Förderrichtlinie Wolf/Luchs ist über folgenden Link abrufbar: https://www.thueringen.de/th8/tmuen/naturschutz/wolf-luchs/index.aspx

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