Musik aus dem Homeoffice für nimmermüde Wanderer

Erfurt.  Die Waterboys schließen ihre experimentelle Album-Trilogie ab.

The Waterboys mit Frontmann Mike Scott (zweiter von links) bei einem Konzert in Duisburg. (Archiv-Foto)

The Waterboys mit Frontmann Mike Scott (zweiter von links) bei einem Konzert in Duisburg. (Archiv-Foto)

Foto: Stephan Eickershoff

Es ist eine Gratwanderung, die Mike Scott seit nunmehr drei Alben unternimmt. Der offene musikalische Zugang, den er seinem Bandprojekt The Waterboys – je nach Sichtweise – zumutet oder gönnt, spaltet die Fangemeinde. Die Abkehr von der klassischen Herangehensweise als Singer/Songwriter mit mal mehr und mal weniger Rock und ebenso Folk-Elementen stößt bei Traditionalisten auf Ablehnung. Wer derart Befindlichkeiten nicht sein eigen nennt, begrüßt die neuen Wege.

Dabei ist es ganz einfach: Mike Scott lässt nur mehr Pop und zeitgeistige Produktion zu. Denn wer sagt, dass man immer dasselbe machen muss?„Good Luck, Seeker“ heißt die neue Platte der Waterboys und erst jetzt erfährt man vom Konzept: Es ist der Abschluss einer Album-Trilogie. Oder wie es Scott künstlerisch verschnörkelter nennt: ein Triptychon.

Auf dem dritten Werk geht Scott in seiner experimentellen Arbeitsweise keinen Schritt zurück, aber er vereint und vermischt die alte und die neue Waterboys-Welt mehr als auf den beiden Vorgängern. Insofern ist es auch eine versöhnliche Platte geworden.

Mischung von musikalischen Versatzstücken und Ideen

Scott mixt nicht nur musikalische Versatzstücke und Ideen, sondern auch alte und neue Lieder. Das Kate-Bush-Cover „Why should I love you“ etwa stammt noch aus den späten Neunzigern, in „My wanderings in the weary Land“ bezieht er sich auf einen zwanzig Jahre alten Waterboys-Song.

Den klassischen Produktionsprozess – erst den Song fertig schreiben und dann mit allen im Studio aufnehmen – hat die Band schon vor Corona abgelegt. Scott legt am Computer die Basis und lässt seine Mitstreiter ihre Parts quasi im Homeoffice dazu spielen. Auf diese Weise werden Ideen ohne Präsenzpflicht der Musiker immer weiter entwickelt.

Das führt zu neuen Ansätzen wie im soulig-entspannten „Kiss that Frog“ (mit witzigem Tanz-Video) oder dem stimmlich verfremdeten „The golden Work“. Der Drumbeats und Samples wird Scott auch auf diesem Album nicht überdrüssig, ebenso nicht des Switchens zwischen den Stilen. Und wenn man ehrlich ist, all das lässt Band und Kompositionen frischer und befreiter klingen.

Ein Fels in der Brandung des Neuen ist die besondere Rolle, die die Texte im Werk Scotts spielen. Denen räumt er auf „Good Luck, Seeker“ extra viel Platz ein: Die Stüclke der zweiten Plattenhälfte sind gesprochene Poesie mit musikalischer Umrahmung. Ein Hörbuch mit qualitativ hochwertigem Soundtrack. Das funktioniert im Umfeld eines Pop-Albums erstaunlich gut, aber man muss es mögen.