Neue Musik: Techno-Stampfer, Trauer um die erste Liebe und vielseitige Rocksongs

Christian Werner
Die Band Afghan Whigs mit Frontmann Greg Dulli (2. von rechts).

Die Band Afghan Whigs mit Frontmann Greg Dulli (2. von rechts).

Foto: John Curley

Erfurt.  Wir haben in die neuen Musikalben reingehört von Metric, Bells Larson und Afghan Whigs.

Einfach machen sie es einem nicht: Schon der erste Song „Doomscroller“ häutet sich über zehn Minuten vom kaum zu ertragenden Techno-Stampfer zur Klavier- und dann zur Powerballade.

Aber: Das muss man erst mal hinbekommen. Die kanadische Band Metric vermischt auf „Formentera“ weiter klassische Rockbandbesetzung mit viel Technik. Mitreisende Melodien wie die Single „All comes crashing“ machen das etwas unentschlossene Gesamtpaket aber versöhnlicher.

Ebenfalls aus Kanada kommt Bells Larsen (sie/er). Die Singer/Songwriterin veröffentlicht mit „Good Grief“ ihr Debütalbum, dass ein Trauma behandelt oder, besser gesagt, verarbeitet: Mit 19 Jahren stirbt ihre erste Liebe. Das war vor fünf Jahren, nun schenkt Larsen uns gut zwei Handvoll Songs, die anderen gequälten Seelen wie Elliott Smith oder Nick Drake nacheifern. Die Musik ist folgerichtig fein ziselierter, oft zerbrechlich wirkender Indie-Rock, ziemlich oldschool im Ansatz und gern auch in der Ausführung, aber nie altbacken.

Es ist schon erstaunlich, dass 36 Jahre nach Bandgründung und einer Auflösung (samt Wiedervereinigung) die Afghan Whigs auch auf ihrem neunten Album „How do you burn?“ keine Ermüdungserscheinungen zeigen. Zehn Songs, die wie gewohnt Rock sind und doch so viel mehr. Die Beatles („The Getaway“) werden referenziert, auch Springsteen und Coldplay, sogar zusammen in einem Song („Concealor“). Aber, ach, das sind doch nur Randnotizen im musikalischen Reich ohne Grenzen von Greg Dulli und seiner Mannschaft.