Tagesstätte in Schleiz – Brücken bauen ist wichtiges Anliegen

Schleiz  Serie Lebenshilfe: Tagesstätte in Schleiz hat am 19. Juni Tag der offenen Tür. Rat und Hilfe auch für Angehörige

Noch sieht er ziemlich trist aus, der neue Therapieraum der Tagesstätte für psychisch kranke und seelisch behinderte Menschen in Schleiz, in dem Heiko Matthes hier Platz genommen hat. Aber bis zur Übergabe am 19. Juni ist ja auch noch etwas Zeit. Erweitert wurde damit die Holzwerkstatt – genutzt werden soll der Raum aber ebenso für das Ergotherapeutische Gestalten und ab Herbst zum Töpfern.

Noch sieht er ziemlich trist aus, der neue Therapieraum der Tagesstätte für psychisch kranke und seelisch behinderte Menschen in Schleiz, in dem Heiko Matthes hier Platz genommen hat. Aber bis zur Übergabe am 19. Juni ist ja auch noch etwas Zeit. Erweitert wurde damit die Holzwerkstatt – genutzt werden soll der Raum aber ebenso für das Ergotherapeutische Gestalten und ab Herbst zum Töpfern.

Foto: Uwe Lange

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Am 19. Juni, zum Tag der offenen Tür in der Tagesstätte für psychisch kranke und seelisch behinderte Menschen in der Schleizer Augasse 10, soll er übergeben werden – der neu ausgebaute Therapieraum in der Einrichtung der Lebenshilfe.

Wie von Heiko Matthes, dem Chef des Hauses zu erfahren war, ist hier aus einem einstigen Ruheraum ein weiterer Therapieraum entstanden. „Wir haben selbst gemalert, neue Werkbänke erschaffen beziehungsweise Restbestände von den ‚Schleizer Alben & Mappen‘ übernommen und gleich im Rahmen der Arbeitstherapie aufgearbeitet“, berichtete er über die Erweiterung der Holzwerkstatt – die ebenso für das Ergotherapeutische Gestalten und ab Herbst dann auch für die neu geschaffene Töpferei genutzt werden soll.

Therapieplan im Haus wurde umgestellt

Notwendig wurde die ganze Umbauaktion durch eine Umstellung des Therapieplanes. So gibt es im Haus das Angebot einer Entspannungstherapie, für deren Realisierung es sinnvoller ist, ins Dachgeschoss auszuweichen – ganz einfach, weil man dort mehr Ruhe hat. Durch diese räumlichen Veränderungen wurden auch andere Therapieangebote, wie zum Beispiel der Trommelworkshop, in andere Etagen der Tagesstätte verlegt.

Zwar sind es bis zum 19. Juni noch einige Tage, aber trotzdem gestattete Heiko Matthes der Presse schon mal einen Blick ins Programm des Tages der offenen Tür. So konnte er zum Beispiel ein Theaterstück ankündigen, aufgeführt durch die Gruppe Künstlerisches Gestalten. Den Besuchern werden Hausführungen angeboten, der Fahrdienst stellt sich und seine Aufgaben vor. Es besteht die Möglichkeit mit den Mitarbeitern der Tagesstätte ins Gespräch zu kommen.

Matthes betonte, dass jeder willkommen ist – egal ob man „nur“ aus Neugier einmal vorbeischaut, ob man selbst eine psychische Erkrankung hat (es muss sich aber keiner outen) oder eben ein Angehöriger ist.

Denn gerade letztere spielen im Leben eines psychisch kranken Menschen eine immens große Rolle. Heiko Matthes sieht an dieser Stelle nicht in erster Linie therapeutische Angebote im Vordergrund. Vielmehr geht es ihm um so simple Dinge wie zum Beispiel das Zusammenleben mit einem psychisch kranken Menschen – um sicherzustellen, dass dessen Alltag auch mit solch einer Diagnose weiter funktioniert. „Selbst das, was wir hier in Sachen Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln, kann durch den Angehörigen zu Hause fortgesetzt werden.“

Auf Nachfrage bestätigte der Leiter der Tagesstätte, dass in die Augasse immer wieder Menschen kommen, die gerade in Bezug auf einen Fall von psychischer Erkrankung in der Familie Rat und Hilfe suchen. „Was den Grad der Nutzung eines solches Beratungsangebotes angeht, ist aber noch relativ viel Luft nach oben. Man soll einfach wirklich keine Scheu haben“, rät Heiko Matthes möglichen Zauderern, schließlich würde Fragen ja nichts kosten.

Vielfach gäbe es solch eine Ratlosigkeit besonders bei Familienangehörigen, gerade in Bezug auf den Fakt, dass man den von einer psychischen Krankheit Betroffenen ja noch kennt, wie er vor seiner Erkrankung war. Dazu käme in gewissem Maße die Tabuisierung einer psychischen Krankheit in der Gesellschaft – auch wenn man heute schon offener damit umgeht, als vor ein bis zwei Jahrzehnten.

Wie merke ich aber, dass mein Gegenüber psychische Probleme hat? Grundsätzlich sei an dieser Stelle angemerkt, dass ein: „So etwas kann doch uns nicht passieren!“ niemandem hilft. „Man kann – selbst wenn man als Angehöriger nur einen Verdacht hat, dass etwas sein könnte – zu uns in die Tagesstätte kommen, sich beraten lassen, einfach mal nur über dieses Thema sprechen“, bietet Heiko Matthes an.

Im Haus würde man dann, wenn der Bedarf an Hilfe wirklich besteht, die nötigen Brücken zu anderen Institutionen bauen. Auch bestünde immer die Möglichkeit, sich vorurteilsfrei mit dieser dritten (erkrankten) Person einmal zusammen zu setzen und Gemeinsam mit der nötigen Behutsamkeit über Möglichkeiten der Hilfe/Unterstützung nachzudenken. Und als möglicherweise nächsten Schritt Ziele zu formulieren, die erreichbar sind – sprich: Erfolgserlebnisse zu schaffen.

„Wir sind aber trotzdem kein Amt“ – das betonte der Leiter der Tagesstätte ausdrücklich, um Erkrankten vielleicht auch ein wenig die Scheu vor dem Weg in die Tagesstätte zu nehmen. Schließlich steht als oberstes Anliegen aller Mühen – ganz allgemein gesprochen – den Erkrankten wieder in ein ganz normales Leben zu integrieren. Ganz egal, welche Diagnose gestellt wurde oder sich abzeichnet. „In Watte packen“ ist da oftmals eher kontraproduktiv. Das kann Heiko Matthes aus seinen beruflichen Erfahrungen nur bestätigen.

Auch die Kraft Angehöriger ist endlich

Nicht aus den Augen verlieren sollte man in Sachen Angehörigen-Problematik zudem – egal ob deren Gegenüber eine körperliche oder eben seelische Erkrankung hat – dass auch deren Kraft endlich ist. Hilfe von außen annehmen, heißt Entlastung, heißt einmal Zeit zum Luftholen, drängt vielleicht die Sorgen ein wenig zurück.

Steht noch die Frage, ob sich denn Angehörige psychisch kranker Menschen unter- einander austauschen können? Heiko Matthes bestätigte im Gespräch, dass es im Saale-Orla-Kreis eine Selbsthilfegruppe mit dieser inhaltlichen Ausrichtung gibt. Über die Tagesstätte der Lebenshilfe Schleiz/Bad Lobenstein in der Kreisstadt kann ein entsprechender Kontakt gern vermittelt werden.

Tag der offenen Tür in der Tagesstätte der Lebenshilfe in Schleiz, Augasse 10, 19. Juni von 10 bis 14 Uhr. Telefonisch ist man unter 03663/420624 erreichbar.

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