Ärger im Urlaub: Experten beantworten Fragen zum Thema Reisemängel

Erfurt  Telefonforum: Was ist ein Reisemangel, wie hoch ist dafür die Entschädigung, wo macht man seine Ansprüche geltend? Rechtsexperten der Verbraucherzentrale Thüringen beantworteten Leserfragen zum Thema Reiseärger.

Keine Ruhe im Urlaub: Lärm von einer benachbarten Baustelle kann die Ferienlaune schnell und nachhaltig trüben.

Keine Ruhe im Urlaub: Lärm von einer benachbarten Baustelle kann die Ferienlaune schnell und nachhaltig trüben.

Foto: imago/Udo Kröner

Verspätete Flüge, Baulärm in der Hotelanlage, verschmutzte Zimmer, defekte Geräte, mangelnde Sauberkeit, Gepäckverlust, fehlende Klimaanlage, abgesagte Ausflüge: Ärger im Urlaub wünscht sich wirklich niemand. Allein der Reisemängel-Katalog des ADAC ist 32 Seiten dick. Aber was ist ein Reisemangel, wie hoch ist dafür die Entschädigung, wo macht man seine Ansprüche geltend? Diese und viele weitere Fragen beantworteten Rebecca Bergmann, Ralf Reichertz und Dirk Weinsheimer von der Verbraucherzentrale Thüringen beim Telefonforum „Reiseärger“.

Wir hatten eine Irland-Rundreise gebucht und sollten ab Leipzig fliegen. Das konnten wir nur mit mehrstündiger Verspätung: Die Maschine kam aus Lyon. Dort herrschte laut Airline ein Unwetter. Ist das ein Grund, die Ausgleichszahlung zu verweigern?

Nein. Dass die Maschine aus Lyon kam, ist ein betriebsinterner Ablauf, für den die Airline grundsätzlich die Verantwortung selbst trägt. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn das Unwetter in Leipzig getobt hätte. In Ihrem Fall aber steht Ihnen die Ausgleichszahlung zu.

Während der Pauschalreise erhielt ich die Mitteilung der Airline, dass ich nicht mehr auf der Passagierliste stünde. Ich telefonierte einen halben Tag mit dem Reiseveranstalter und mit der Fluglinie. Habe ich Ansprüche gegenüber dem Reiseveranstalter?

Ja, für den verlorenen halben Tag können Sie vom Reisepreis einen halben Tagespreis abziehen. Darüber hinaus können Sie für einen halben Tag Schadenersatz wegen sogenannter entgangener Urlaubsfreuden verlangen. Auch die Kosten für die Telefongespräche muss der Reiseveranstalter tragen.

Bei einer Pauschalreise kam mein Gepäck zwei Tage nach mir an. Die Airline stellte mir ein Kosmetik-Set und ein T-Shirt zur Verfügung. Kleidung hatten wir uns selbst gekauft. Muss das die Airline bezahlen?

Nach dem Montrealer Abkommen können Sie für verspätetes Reisegepäck Ansprüche geltend machen. Diese umfassen angemessene Käufe für neue Kleidung vor Ort. Wenn Sie sich an die Airline wenden, senden Sie Kopien der Kaufbelege mit. Gegenüber dem Pauschalreiseanbieter können Sie Minderungsansprüche geltend machen: pro Tag 50 Prozent des anteiligen Tagesreisepreises.

Bei unserer Busreise wollte der Gast hinter mir nicht, dass ich meine Lehne zurückklappe. Die Reiseleitung hat mir das dann auch verboten. Dabei hatte der Veranstalter im Katalog mit seinen modernen Sitzen geworben. Kann ich Geld zurückfordern?

Nein. Ein Reisemangel hätte vorgelegen, wenn die versprochene Toilette oder Klimaanlage im Bus defekt gewesen wäre. In Ihrem Fall war aber die Möglichkeit gegeben, die Lehne zu verstellen. Dass man sich mit dem Hintermann nicht einig wird, nennen die Juristen Lebensrisiko und dieses liegt nicht im Verantwortungsbereich des Reiseveranstalters. Das Einschreiten der Reiseleitung diente der Deeskalation der Situation.

Unser Hotelzimmer war sehr dreckig – bis hin zu Bettwanzen. Was können wir nun tun?

Ihnen steht eine angemessene Minderung des Reisepreises aufgrund entgangener Urlaubsfreuden – so nennen das die Juristen – und eventuell auch Schmerzensgeld wegen Körperverletzung zu. Reagiert der Reiseveranstalter nicht, wenden Sie sich am besten an die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle des Zentrums für Schlichtung in Kehl. Sollte sich der Veranstalter weigern, an der Schlichtung teilzunehmen, können Sie den Klageweg in Betracht ziehen.

Unser Pauschalreiseflug verschob sich wegen einer Drohne am Flughafen um acht Stunden. Habe ich Ansprüche?

Nein. Die Airline muss nicht haften, wenn die Verspätung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen durch die Airline ergriffen worden wären. Eine Drohne fällt unserer Ansicht nach in diese Ausnahmeregelung.

Im Fernbus war die Toilette defekt. Weil ich dringend musste, bat ich den Fahrer, anzuhalten. Er verweigerte dies mit dem Argument, dass wir doch in 45 Minuten am Ziel seien. Nach insgesamt drei Stunden Fahrt ohne Pause musste ich mich nach dem Aussteigen sofort in einem Beet erleichtern. Kann ich hier etwas tun?

Wenn in einem Fernbus die Toilette nicht funktioniert, ist der Fahrer verpflichtet, regelmäßig Stopps einzulegen. Dass das nicht geschehen ist, könnte eine Körperverletzung oder Nötigung darstellen. Sie können gegen den Fahrer Strafanzeige erstatten. Wenden Sie sich zudem an das Busunternehmen und fordern Sie eine Entschädigung. Tut sich nichts, können Sie sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden.

Wir waren mit verschiedenen Aspekten unserer Pauschalreise sehr unzufrieden. Der Reiseveranstalter bietet uns statt Geld einen Reisegutschein. Müssen wir den nehmen?

Nein. Niemand kann Sie zwingen, erneut bei einem Veranstalter zu buchen, mit dessen Leistungen Sie nicht zufrieden waren. Schreiben Sie dem Veranstalter, dass Sie sich nicht mit dem Gutschein zufriedengeben und setzen Sie ihm eine Frist, Ihnen wegen der mangelhaften Leistungen einen angemessenen Teil des Reispreises zu erstatten.

Wir haben für einen Langstreckenflug XL-Sitze am Notausgang kostenpflichtig reserviert. Beim Rückflug wurden uns aber andere Sitze zugewiesen. Können wir die Reservierungsgebühren zurückverlangen?

Ja, definitiv. Mit der Sitzplatzreservierung geht die Fluggesellschaft juristisch gesprochen einen weiteren Vertrag ein, der den Beförderungsvertrag ergänzt. Erbringt die Fluggesellschaft die Leistung nicht, darf sie dafür kein Geld verlangen.

Wir hatten eine Ferienwohnung gebucht. Die Wohnung war verdreckt und am zweiten Tag hatte ich Stiche am ganzen Körper. Wir reklamierten vor Ort, aber es tat sich nichts. Am Tag nach der Rückreise stellte mein Arzt Läuse bei mir fest. Was kann ich geltend machen?

Auf Ferienwohnungen ist seit 2018 nur noch Mietrecht anwendbar und nicht mehr Pauschalreiserecht. Sie können den Mietpreis mindern, auch rückwirkend. Für die gesundheitlichen Folgen können Sie Schmerzensgeld verlangen, darüber hinaus Schadensersatz für den entgangenen Erholungswert. Das Problem: Sie sind nicht während des Urlaubs zum Arzt gegangen, müssen aber nachweisen, dass Sie sich die Läuse in der Ferienwohnung eingefangen haben.

Ich habe eine Kreuzfahrt für Dezember 2019 bei einem Pauschalreiseanbieter gebucht. Die Ausflüge möchte ich bereits jetzt gerne direkt beim Kreuzfahrtunternehmen buchen. Wenn dann aber schlechtes Wetter herrscht und die Ausflüge ausfallen, wer erstattet mir mein Geld zurück?

Ihr Ansprechpartner ist Ihr Vertragspartner und das ist für die Ausflüge das Kreuzfahrtunternehmen. Wenden Sie sich deshalb, falls Probleme entstehen, dorthin. In der Regel wird Ihnen allerdings das Kreuzfahrtunternehmen nur die tatsächlich durchgeführten Ausflüge in Rechnung stellen.

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