Atlantic Hotel soll in drei Jahren in Erfurt eröffnen

Erfurt.  Wie das Atlantic Hotel aussehen soll, steht fest. Jetzt erläutert der Betreiber das Konzept und erklärt, warum er die Konkurrenz nicht fürchtet.

Der Sieger-Entwurf ist von der Fachwerk-Konstruktion „Thüringer Leiter“ und von den Domstufen inspiriert. Das Atlantic-Hotel könnte in drei Jahren stehen.

Der Sieger-Entwurf ist von der Fachwerk-Konstruktion „Thüringer Leiter“ und von den Domstufen inspiriert. Das Atlantic-Hotel könnte in drei Jahren stehen.

Foto: Delugan Meissl Associated Architects

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Erfurts neues Architekturjuwel, das Atlantic-Hotel am Schmidtstedter Knoten, könnte in drei Jahren eröffnet werden. Das sagte der Atlantic-Chef Markus Griesenbeck am Freitag im Angermuseum. Im Foyer des Museums wurde eine Ausstellung eröffnet, bei der bis zum 8. Januar der spektakuläre Siegerentwurf und die anderen fünf Entwürfe aus dem Architekturwettbewerb zum Hotel gezeigt werden.

„Wir rechnen ein Jahr für die Planung und zwei Jahre für den Bau“, sagte Griesenbeck. Abhängig sei der Ablauf allerdings vom Genehmigungsverfahren, das wegen des Baustoffes Holz in dem gläsernen Fachwerk-Turm als kompliziert eingeschätzt wird.

Geplant ist ein 4-Sterne-plus-Hotel mit rund 200 Zimmern und Vollservice. Die Standard-Zimmer hätten 28, die Suiten bis zu 80 Quadratmeter, verriet Griesebeck. Ein öffentliches Restaurant mit Außenterrasse, ein Spa- und Fitnessbereich und ein Veranstaltungsraum für bis zu 300 Menschen gehören ebenfalls zum Konzept.

Das Hotel werde mindestens 100 Mitarbeiter haben, kündigte Griesenbeck an. Die Vermarktung ziele wochentags auf Geschäftsreisende und am Wochenende auf Touristen, durchaus auch auf Familien. Die Investition ist mit 45 Millionen Euro veranschlagt.

Dass derzeit noch vier weitere große Hotels in Planung sind und sich die Hotelbettenzahl in Erfurt in wenigen Jahren von jetzt 5400 auf dann 7400 erhöhen wird, beunruhigt den Hotelketten-Chef keineswegs. „Die Zahl ist verhältnismäßig für die Größe und Lage des Standortes“, sagte Griesenbeck. In Hamburg würden in den nächsten Jahren 7000 Hotelbetten neu entstehen.

„Die Branche boomt, der Wirtschaftszweig Tourismus wächst“, meinte er. „Das wird auch so weiter gehen.“ Gerade Städtereisen lägen im Trend. „Erfurt hat so viel zu bieten, dass noch viel mehr möglich ist, auch bei den Gästen aus dem Ausland“, fügte Griesenbeck hinzu.

Er sehe das Hotel zudem nicht als scharfe Konkurrenz zu den bestehenden und künftigen Einrichtungen. Vielmehr wolle man mit den Wettbewerbern überlegen, was die Hotels gemeinsam für eine weitere Belebung der Stadt tun könnten. Die Atlantic-Gruppe verfüge über eine eigene Vertriebsabteilung und werde auch auf diesem Weg zusätzliches Gästepotenzial erschließen.

Die zur Zech-Gruppe gehörende Hotelkette stammt aus Bremen und begann 1992 mit einem kleinen Hotel in einem Bremer Stadtteil. Das erste Hotel-Hochhaus entstand 2008 in Bremerhaven. Inzwischen laufe die dritte Expansionsstufe, bei der sieben Hotels geplant oder im Bau seien, wobei das Erfurter Hotel mit seiner revolutionären Architektur das Tüpfelchen auf dem „i“ sei.

Fachwerkturm mit Anspielungen auf das Krämerbrücken-Fachwerk und Domstufen

„Die Wahrnehmung, die mit einer solchen Landmarke verbunden ist, hilft dem Hotel“, sagte Griesenbeck am Rande der Ausstellung, bei der auch Erfurts Stadtentwicklungsdezernent Tobias Knoblich (parteilos) erneut von dem Fachwerkturm mit seinen Anspielungen auf das Krämerbrücken-Fachwerk und die Domstufen schwärmte. „Es war ein großer Moment für die Stadt, als der Siegerentwurf gekürt wurde“, sagte Knoblich.

Chef-Stadtplaner Paul Börsch dachte bereits an die 40.000 Zugreisenden, die täglich am ICE-Kreuz und damit künftig auch an dem spektakulären Hochhaus vorbeifahren. Beim Rundgang durch die Ausstellung zweifelte niemand daran, dass der Entwurf des weltweit tätigen Wiener Büros Delugan Meissl verdient gewonnen hat.

Als einziger hatte der Architekt Roman Deluga die Anforderungen an einen Sockelbau mit Hotelturm so interpretiert, dass er den Sockel als Terrasse gestaltete, zu denen eine von den Domstufen inspirierte Treppe hinaufführt. Funktionsbereiche des Hotels sind unter der Treppe versteckt. Die Treppe mündet in das geplante Promenadendeck über die Stauffenbergallee, wodurch sich laut Paul Börsch ein typisch großstädtischer Platz zur öffentlichen Nutzung ergibt.

Den anderen Entwürfen bescheinigten die Experten ebenfalls eine außergewöhnliche Qualität. Platz zwei, ein Entwurf des Bremer Büros Hilmes Lamprecht, wäre ein verdienter Sieger gewesen, hätte es nicht den tatsächlichen Sieger gegeben, meinte Börsch zum Beispiel. Dieser asymmetrische Entwurf mit abgeschliffenen Ecken, der von allen Seiten anders und „wie ein Edelstein“ aussehe, habe die Jury nur zu einem Einwand bewegt. „Er hätte schon vor zehn oder 20 Jahren da gebaut werden können und beschäftigt sich nicht so intensiv mit der Frage der Zukunft“, sagte Börsch.

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