Bisher keine endgültige Entscheidung zur Höllentalbahn

Blankenstein/Hof  Ministerpräsident Markus Söder widerspricht dem oberfränkischen CSU-Landtagsmitglied Alexander König.

Eine Lok mit drei Waggons erinnert auf oberfränkischer Seite am ehemaligen Bahnhof Blechschmidtenhammer an den einstigen Bahnverkehr zwischen Thüringen und Bayern. Am 11. April 1945 fuhr das letzte Mal ein Zug auf der Strecke Saalfeld-Hof.

Eine Lok mit drei Waggons erinnert auf oberfränkischer Seite am ehemaligen Bahnhof Blechschmidtenhammer an den einstigen Bahnverkehr zwischen Thüringen und Bayern. Am 11. April 1945 fuhr das letzte Mal ein Zug auf der Strecke Saalfeld-Hof.

Foto: Mike Finke

Die bayerische Landesregierung unter Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat angeblich noch keine klare Position zum Thema Reaktivierung der Höllentalbahn erarbeitet. Söder widersprach in dieser Woche seinem Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und dem oberfränkischen CSU-Landtagsmitglied Alexander König, die vor einem Jahr verlauten ließen, dass der Lückenschluss im Höllental von Bayern aus nicht weiter verfolgt werde.

Projekte im grenzüberschreitenden Schienenverkehr waren Schwerpunktthema eines Gespräches, zu dem sich Söder mit seinem sächsischen Amtskollegen Michael Kretschmer (CDU) im oberfränkischen Hof getroffen hatte. Doch es blieb bei den Bahnverbindungen zwischen Bayern und Sachsen sowie nach Tschechien, zu denen man sich verständigte. Von großer verkehrspolitischer Bedeutung sei beispielsweise die vollständige Elektrifizierung der Bahnstrecke Nürnberg-Dresden. Hier ist seit 2013 mit dem Abschluss der Elektrifizierung der Teilstrecke zwischen Dresden und Hof kein durchgängiger Zugverkehr zwischen den beiden Metropolen möglich. Das bremst Personen- wie Güterzüge gleichermaßen aus. Sachsen und Bayern wollen nun gegenüber dem Bund und der Deutschen Bahn ihre Forderung aufmachen, den Lückenschluss zügig voranzutreiben. Ebenso sollen die Bahnverbindungen nach Tschechien zügig ausgebaut werden. Dazu gehöre der Neubau der Strecke Dresden-Prag.

Ramelows Schreiben schon „angesehen“

„Wir wollen, dass nicht nur der Westen in Deutschland gut infrastrukturell erschlossen ist, sondern auch der Osten“, erklärte Söder, „deshalb ist es wichtig, den Schienenverkehr zu stärken.“ Auf OTZ-Nachfrage, welche Stellung er beziehe zu einem Schreiben des thüringischen Ministerpräsidenten, in dem Bodo Ramelow (Linke) Anfang Mai um ein zeitnahes Gespräch zum Thema Höllentalbahn bat, erklärte Söder: „Wir haben das Schreiben angesehen.“ Dieses sei jetzt bei der zuständigen Ministerin. Bei der Höllentalbahn gebe es „gute Argumente dafür, aber es gibt auch einige Argumente, die strittig sind“, sagte Söder. Mit der Feststellung des oberfränkischen CSU-Landtagsabgeordneten Alexander König konfrontiert, wonach seitens der CSU schon aus ideologischen Gründen nicht auf Forderungen des thüringischen Ministerpräsidenten eingegangen werde, meinte Söder: „Unabhängig von der Sachentscheidung finde ich, dass jeder Ministerpräsident mit einem anderen Ministerpräsidenten vernünftig über Sachfragen reden können muss.“ Es gebe immer wieder gemeinsame Interessen der Länder untereinander und gemeinsame Interessen der Länder gegenüber dem Bund. Insofern sei es selbstverständlich, miteinander zu reden. Man dürfe aber auch anderer Meinung sein, betonte Söder.

König hatte im Frühjahr 2017 die Behauptung verbreitet, dass vonseiten der bayerischen Staatsregierung die Reaktivierung der Höllentalbahn nicht weiter verfolgt werde und berief sich dabei auf eine Aussage von Innenminister Joachim Herrmann. „Das ist schon mal der falsche Antragsteller“, sagte damals König gegenüber OTZ und meinte den Thüringer Ministerpräsidenten. Es sei völlig abwegig, „dass es einem kommunistischen Ministerpräsidenten gelingen könnte, einen CSU-Ministerpräsidenten davon zu überzeugen, gegen den Willen einer von Kommunisten enteigneten Familie zu handeln“, hatte König erklärt und ging damit auf die Gründerfamilie Wiede ein, die einst die Papierfabrik auf der Thüringer Seite aufgebaut hatte, nach dem Krieg enteignet worden war, jetzt auf fränkischer Seite den Mineralquellenbetrieb „Höllensprudel“ betreibt und zu den Gegnern der Höllentalbahn gehört.

Aktuell habe man einen „spannenderen Diskussionsbedarf“ zwischen der CSU und CDU, meinte Söder auf die Frage, wann es ein ähnliches Treffen mit dem Amtskollegen des Freistaats Thüringen geben werde. Mit Ramelow habe er sich schon einmal am Rande einer Talkshow unterhalten „und auch schon mehrfach miteinander telefoniert“.

Es ist kaum zu erwarten, dass es in Bayern vor der im Oktober stattfindenden Landtagswahl eine klare Aussage zur Höllentalbahn geben wird. Der CSU schwimmen die Felle davon, so dass inzwischen jede einzelne Stimme zählt. Da wird man es sich weder mit den Befürwortern, noch mit den Gegnern der Höllentalbahn verscherzen wollen.

„Jüngere Ministerpräsidenten können gut zusammenarbeiten“, plauderte der 51-jährige Söder nach seinem Gespräch mit dem 43-jährigen sächsischen Amtskollegen in Hof. Womöglich scheitert ein Treffen mit Ramelow zum Thema Höllentalbahn allein daran, dass der thüringische Ministerpräsident bereits 62 Jahre alt ist...

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