Das neue Radfahren: Testparcours für Elektrofahrräder in Tanna

Räder mit einer elektrischen Antriebshilfe sind im Kommen: Extra Energy will Verbrauchern eine Übersicht bieten und schickt dafür Freiwillige in Tanna auf die Parcours. Wir schauen den Testern über die Schultern.

Großer Pedelec-Test in Tanna: Uwe Keilhauer installiert an einem Modell spezielle Pedale mit Sensoren für die Trittkraftmessung. Fotos: Tino Zippel

Großer Pedelec-Test in Tanna: Uwe Keilhauer installiert an einem Modell spezielle Pedale mit Sensoren für die Trittkraftmessung. Fotos: Tino Zippel

Foto: zgt

Tanna. Günter Wild zieht den Reißverschluss seiner orangefarbenen Jacke hoch, rückt den Sturzhelm zurecht. Er schwingt sich aufs Pedelec, tritt nur leicht, aber düst davon. "Wie mit viel Rückenwind", sagt der 64-jährige Testfahrer, der in Tanna mit neun Mitstreitern die Modelle von 17 Herstellern prüft.

Die Gegend um die Kleinstadt im Saale-Orla-Kreis eignet sich gut, sagt Sebastian Plog, Geschäftsführer der Extra Energy Test GmbH. Sie entstammt dem Verein Extra Energy, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Verbreitung von muskelbasierter Elektromobilität zu befördern. Nicht nur wegen der familiären Wurzeln des Vereins­vorsitzenden Hannes Neupert finden zwei Testeinheiten pro Jahr in Tanna statt. "Hier finden wir die nötigen Höhenmeter für unsere Parcours vor. Zudem herrscht wenig Verkehr, so dass wir reproduzierbare Ergebnisse erhalten", erläutert Plog.

Diese Parcours muss jeder Pilot - alle helfen einzig für Kost und Logis - mit jedem Testrad absolvieren. Eine Strecke zieht sich 9,4 Kilometer um Tanna, beinhaltet Steigungen, aber auch Bereiche, in denen Stadtverkehr mit 14 Stopps auf 1,4 Kilometern simuliert wird. Eine schwarze Box, die am Lenker hängt, zeichnet die Fahrdaten auf. Sensoren registrieren nicht nur, wie schnell Günter Wild fährt, sondern analysieren auch den Stromverbrauch und den Krafteinsatz in den Pedalen. "Aus den Werten berechnen wir später, wie hoch der Unterstützungsfaktor ist", erläutert Messtechniker Harry Neumann. Als weitere Daten interessieren die Durchschnittsgeschwindigkeit oder die Reichweite. Hier zeigt sich, dass Hersteller mit Angaben von mehr als 100 Kilometern ideale oder gar unmögliche Bedingungen voraussetzen. Die Tannaer hingegen ermitteln für verschiedene Streckenprofile realistische Werte, die meist zwischen 20 und 60 Kilometern pro Ladung schwanken.

Die Eindrücke der Test­piloten ergänzen die Messungen. Ins Endergebnis fließt auch der Ergonomietest ein. Dafür bittet Extra Energy unbedarfte Gäste zu bewerten, wie gut sich beispielsweise ein Pedelec über Treppen tragen oder am Heckträger eines Autos befestigen lässt.

Die Ranglisten unterteilt das Unternehmen in vier Produktgruppen mit elf Untergruppen, um den bisweilen unübersichtlichen Pedelec-Markt zu ordnen. Neben dem Klappfahrrad mit Trittunterstützung reicht das bis zum Reha-Rad: Der Motor gewährt dann Unterstützung, wenn der Fahrer seinen optimalen Puls­bereich verlässt.

Die Ergebnisse verwertet Extra Energy an einen Stuttgarter Verlag, der einen Teil der Testkosten trägt. Den Rest übernehmen die Hersteller, die eine pauschale Summe geben. "Jeder zahlt den gleichen Betrag, der keinen Einfluss auf das Testergebnis hat", versichert Plog.

Der Winter setzt die Tannaer unter Termindruck, weil bei Schnee keine vergleichbaren Bedingungen herrschen. Sie hatten die Testwochen deshalb um drei Wochen verschoben, doch noch immer wirbeln die Flocken. Plog deutet auf eine Halle im Gelände. Darin wollen sie eine Messstrecke errichten, um notfalls auch drinnen zu testen.

Die Fahrer kreisen dann um die Ausstellung mit vielen in den vergangenen 20 Jahren erprobten Modellen. Im Jahr 1992 gab es gerade drei in Serie produzierte Räder, die in der Marktübersicht auftauchten. "Heute sind allein in Deutschland 1000 Modelle im Markt verfügbar", sagt Plog. Tendenz steigend.

Testfahrer Wild will sich dank seines Einsatzes den Überblick verschaffen. Als ADFC-Mitglied wird er oft um Rat gefragt, welche Modelle er empfiehlt. Aber der Mann, der 7000 Radkilometer pro Jahr abspult, hat auch eine private Motivation: Er will seiner Frau ein solches Gefährt kaufen. Welches es wird? "Mal sehen, was die Testwochen noch bringen."

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