Jenaer Paradiesbahnhof soll keine weiteren Züge verlieren

Jena  Nachgehakt: IC-Knoten als Bumerang für die Innenstadtentwicklung? Land dringt DB Fernverkehr auf zweimaligen Halt in Jena

Zu gute Stimmung bei der ICE-Verabschiedung am Jenaer Paradiesbahnhof?

Zu gute Stimmung bei der ICE-Verabschiedung am Jenaer Paradiesbahnhof?

Foto: Thomas Beier

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„IC-Knoten“ war bei der ICE-Verabschiedung am Sonnabend das Wort, auf dem alle Hoffnungen ruhten. Jedoch gab es auch die Sorge, das Angebot des Freistaates Thüringen, die IC-Knotenbildung mit Fördergeldern zu unterstützen, könnte für die Innenstadt unangenehme Folgen haben.

Die Deutsche Bahn möchte mit ihren schnellen Doppelstock-Zügen nämlich am liebsten ab 2023 nur noch einmal in Jena halten, an welchem Bahnhof auch immer. Bisher halten die Regionalbahnen einmal im Zentrum und einmal im Süden. Weil für den neuen IC bisherige Regionalexpresszüge wegfallen, würde dies insgesamt weniger Zughalte für West, Paradies und Göschwitz bedeuten. – „Das Ministerium hat keinen Zweifel daran, dass es gelingen wird, für den zukünftigen IC-Knoten Jena eine‎angemessene Bahninfrastruktur für Fern- und Nahverkehr zu schaffen, die der Stadt und den Reisenden zum Vorteil gereichen werden“, sagte Ministeriumssprecherin Antje Hellmann dazu. Es werde eigens ein Lenkungsausschuss gebildet. Weiter sagte sie, die Landesregierung fordere von der DB Fernverkehr, die in den bisherigen Abstimmungen unterstellten Halte langfristig vorzusehen. Auch wenn das Land keine Zuständigkeit für den Fernverkehr der Bahn habe und nur sehr begrenzten Einfluss auf die Linien- und Haltekonzeption nehmen könne, habe die DB AG beim Bahndialog Ostthüringen diese Zielrichtung ausdrücklich bestätigt.

Bereits bei der Stadtratssitzung im September hatte die Stadtverwaltung auf mögliche Probleme der Knotenbildung hingewiesen. In einer von Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) eingereichten Berichtsvorlage hieß es: Seitens der Stadt Jena müsse deshalb darauf geachtet werden, dass die sich kreuzenden Linien auch an den Bahnhöfen der Innenstadt halten, weil hier der Schwerpunkt der Kundennachfrage liege.

ICE-Jubelbilder gefielen nicht allen

Auch die ICE-Abschiedsveranstaltung von „Bündnis für Fernverkehr“ und Stadt Jena brachte Gesprächsstoff. Weil es vom Bahnhof überwiegend Bilder von fröhlichen Menschen gab, meldeten sich im Internet Kritiker. Einige Bahnfreunde hätten sich aus Anlass der ICE-Abkopplung mehr Trauer gewünscht. „Ich finde es nur widerlich, das sich Politiker wie Ralph Lenkert (Linke) und Denis Peisker (Bündnisgrüne) mit auf den Bahnhof stellen und den letzten ICE in Jena bejubeln und es andererseits zulassen, dass in der Stadt Jena seit einigen Wochen anti Jena-Werbung gemacht wird!“, schrieb Claus Suppe. Er meinte die großformatigen Poster der Bahn, nach Berlin und München künftig über Erfurt zu fahren.

Denis Peisker erwiderte: „Hier wurde nicht gejubelt, sondern mit einer künstlerischen Aktion darauf aufmerksam gemacht, dass Jena und Ostthüringen einen adäquaten Ersatz braucht.“ Andere Facebook-Kommentatoren sprachen von „Jenaer Galgenhumor“.

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