Radikaler Schnitt bei ICE geplant: Nur noch 4 statt 33 Fernzüge durchs Saaletal

Die Deutsche Bahn erarbeitet internes Konzept: Durchs Saaletal nach Jena sollen statt heute 33 Fernverkehrszügen nur noch vier pro Tag rollen. Drei Intercity-Zugpaare sind von Gera ins Ruhrgebiet geplant, aber dafür fehlen die Voraussetzungen.

Deutsche Bahn: Am Paradiesbahnhof in Jena treffen sich zwei Intercity-Express (ICE).

Deutsche Bahn: Am Paradiesbahnhof in Jena treffen sich zwei Intercity-Express (ICE).

Foto: zgt

Erfurt/Jena. Die Deutsche Bahn plant einen drastischen Einschnitt bei den Intercity-Express-Zügen auf der Saalbahn. Nach OTZ-Informationen aus Bahnkreisen sollen ab 2018 nur noch vier ICE täglich fahren. Heute halten bis zu 33 Fernzüge pro Tag in Jena.

Schon jetzt steht fest, dass 2017 ein einschneidendes Jahr für den hiesigen Bahnverkehr wird. Im Dezember soll die Neubaustrecke durch den Thüringer Wald eröffnen. Schnellzüge fahren von Berlin kommend über Erfurt nach Nürnberg und München. Ein tagesfüllender Parallelbetrieb des Fernverkehrs im Saaletal, der sich ohne Zuschüsse tragen muss, lohnt sich den Angaben zufolge nicht.

Nur in Tagesrandlagen plant die Bahn Verbindungen: Morgens sollen zwei Züge nach Berlin fahren, abends zwei von Berlin zurück. Nach OTZ-Informationen sollen diese ICE gegen 5.30 Uhr und 7.30 Uhr in Jena starten und die Hauptstadt gegen 8 Uhr und kurz nach 10 Uhr erreichen. Einer der Züge soll bis Hamburg durchfahren. Rückfahrten sollen gegen 19 Uhr und gegen Mitternacht in Jena eintreffen.

Die Bahn selbst geht von einem geringen Interesse an diesem Angebot aus. Sie schätzt, dass die Zahl der Reisenden im Abschnitt zwischen Leipzig und Jena unter 100 pro Zug liegen wird, will das Angebot aber offenbar unterbreiten, um guten Willen zu zeigen. Nicht geplant ist es, den ICE zwischen Leipzig und Jena als Ersatz für einen der neuen Regionalexpress-Züge fahren zu lassen und Nahverkehrstickets auf diesem Abschnitt zu akzeptieren.

Ob die Züge in Saalfeld oder Jena-Göschwitz enden, steht noch nicht fest. Schnellzüge aus dem Saaletal in Richtung München sind dem Konzept zufolge gar nicht mehr geplant. Die Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen verweist darauf, dass Kunden ab 2018 schneller als heute in die bayrische Landeshauptstadt kommen, selbst wenn sie nach Erfurt fahren und dort in den ICE einsteigen müssen. Die höheren Ticketpreise, die Bahnkunden wegen des Umweges zahlen, erwähnt die NVS nicht. Als Alternative bleibt der Regionalexpress zwischen Jena und Nürnberg, der aber unterwegs 18 Mal hält und im Innenraum nur Nahverkehrsstandard bietet.

Wesentlich verbessern soll sich den Plänen zufolge die Situation auf der Mitte-Deutschland-Schiene. Wie es aus Bahnkreisen heißt, sieht das Konzept drei Zugpaare täglich zwischen Gera und dem Ruhrgebiet vor. Die Doppelstock-Intercity mit gut 450 Plätzen sollen in Gera beginnen und jeweils Regionalexpress-Züge ersetzen. Dafür gelten bis Erfurt Nahverkehrsfahrscheine. Das Land soll für diese Tariföffnung einen Ausgleichsbeitrag an die Bahn entrichten. Ob eine Unterstützung rechtlich möglich ist, müssen die Fachleute noch prüfen.

Falls der Abschnitt zwischen Gera und Weimar elektrifiziert wird und viele Kunden einsteigen, sollen sogar vier IC pro Tag und Richtung möglich sein. Die Bahn erwägt in diesem Fall einen Vier-Stunden-Takt. Bedarf sieht das Unternehmen ab Ende 2015, wenn die Neubaustrecke von Halle nach Erfurt in Betrieb geht und Weimar seinen Fernverkehrsanschluss verliert.

Voraussetzung ist jedoch der zweigleisige Ausbau der Strecke zwischen Weimar und Stadtroda. Für die notwendigen 50 Millionen Euro liegt keine Zusage vor. Noch weiter entfernt ist eine Elektrifizierung. Zwar setzt sich Verkehrsminister Christian Carius (CDU) nach eigenen Worten dafür ein, aber Konkretes zu Baukosten oder Realisierungszeitraum liegt noch nicht vor.

Das neue Verkehrskonzept setzt darauf, die Landesteile über Nahverkehrszüge möglichst schnell an den ICE-Bahnhof Erfurt und Bahnknoten in Nachbarbundesländern anzubinden. Die Grünen mahnen indes, die Regionen besser in die Erarbeitung zu integrieren. "Ein guter Nahverkehrsplan kann nicht hinter verschlossenen Türen entstehen", sagt die verkehrspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Jennifer Schubert.

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