Bänke mit Rückenlehne, Sträucher für Singvögel

Erfurt.  Einfach nur in einem Stadtteil wohnen kann jeder. Sich aber aktiv an dessen Entwicklung zu beteiligen, ist am Johannesplatz möglich.

Der Johannesplatz, der 2018 sein 50-jähriges Bestehen feierte, ist das älteste Plattenbaugebiet Erfurts.

Der Johannesplatz, der 2018 sein 50-jähriges Bestehen feierte, ist das älteste Plattenbaugebiet Erfurts.

Foto: Anja Derowski

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Die Bürgerbeteiligung wird am Johannesplatz weiter eine große Rolle spielen – auch wenn bei der Bürgerwerkstatt seitens der Sparkasse kommuniziert worden war, dass für den Postsportplatz alle Messen gesungen sind. Man stehe kurz vor Baubeginn, hieß es vor zwei Wochen. Die Studenten der Fachhochschule, die die Werkstatt moderierten, sahen sich einer aufgeregten Bürgerschar gegenüber. Chef-Stadtplaner Paul Börsch und Ortsteilbürgermeister Robert Bednarsky traten die Woche drauf in Kontakt, Paul Börsch versprach, sich mit den beteiligten Ämtern kurzzuschließen und die aktuellen Entwicklungen einerseits dem Ortsteilbürgermeister und auch unserer Redaktion mitzuteilen. Doch bisher erfolgte keine Reaktion. Am 19. Februar berät der Ortsteilrat im nicht-öffentlichen Teil über den 600 Seiten starken Bebauungsplan. Was wäre, wenn er nicht zustimmt? „Nun, das kann der Stadtrat zur Kenntnis nehmen, sich aber darüber hinweg setzen“, sagt Robert Bednarsky. Und dann? „Hätten wir noch das demokratische Mittel des Bürgerbegehrens.“

Bürgerbeteiligung, das hat sich der neue Ortsteilrat groß auf die Fahnen geschrieben. Und so sind für ihn die Ergebnisse der Workshops aus der Bürgerwerkstatt eine große Bereicherung und Anregung für die Arbeit in den kommenden Wochen und Monaten. Einige Bürger befassen sich mit der grünen und technischen Infrastruktur. „Die Leute wohnen hier grundsätzlich gern und setzen sich gern mit dem Stadtteil auseinander“, meint Max Hormann, einer der Studenten der Erfurter Fachhochschule. Es habe zahlreiche Verbesserungsvorschläge gegeben, einige sind leicht, andere eher langfristig umzusetzen. So sei die Parkplatzsituation – wie in vielen Vierteln der Stadt – vor allem abends sehr beengt.

Auch über das Grün im Stadtteil war stark diskutiert worden. „Die Bürger mahnten an, dass seitens der Wohnungsbaugenossenschaften zahlreiche Sträucher abgeschnitten oder gänzlich beseitigt worden sind. Dadurch gäbe es kaum noch Singvögel am Johannesplatz. Sie wünschten sich wieder mehr Hochsträucher, in denen es Nistmöglichkeiten gibt und die Vögel geschützt vor Mardern und Vögeln sind“, berichtet Max Hormann. Auch gebe es den Wunsch nach Wildblumenwiesen und den Rasen einfach mal wachsen und stehen zu lassen. „Wir werden das Gespräch mit den Genossenschaften suchen“, kündigt Robert Bednarsky an.

Als weiteres Problem empfinden vor allem ältere Bürger die nicht ausreichenden Sitzmöglichkeiten. Etwa alle 150 bis 200 Meter könnte eine Bank stehen – mit Rückenlehne. Auch Mülleimer gibt es nach Ansicht der Anwohner zu wenige. „Wir sind dran, sechs Eimer zu bekommen“, sagt Bednarsky. Bleibe aber die Frage, wer diese dann leert.

Aus der Arbeitsgruppe Zusammenleben berichtet Ortsteilratsmitglied Christine Werner, dass für den 18. April eine erste Aktion „Frühlingserwachen“ geplant sei, bei der Anwohner und der Ortsteilrat gemeinsam für mehr Grün sorgen wollen. Für das soziale Miteinander wurde ein Café für Jung und Alt vorgeschlagen, das in dem neuen Ortsteilzentrum beheimatet sein könnte. Das Café, sagt Studentin Lisa Fritz, sei auch in der Arbeitsgruppe Ortsteilzentrum wichtiges Thema gewesen. Daher sei es schade, dass keine Schüler bei der Bürgerwerkstatt dabei gewesen waren. Doch auch zukünftig soll es Bürgerdialoge geben, das Gemeinschaftsgefühl am Johannesplatz soll gestärkt werden. „Das ist ein Format, das wir etablieren möchten“, unterstreicht Robert Bednarsky.

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