Besonderes Andenken an Zwiebelmarkt von 1928

Weimar  93-jährige Christa Ortmann, die aus Weimar stammt, erlebt das Volksfest diesmal als Besucherin.

Im Kreis ihrer Familie genoss Christa Ortmann am Samstagnachmittag den Trubel des Weimarer Zwiebelmarktes.

Im Kreis ihrer Familie genoss Christa Ortmann am Samstagnachmittag den Trubel des Weimarer Zwiebelmarktes.

Foto: Jens Lehnert

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Sie erzählt so lebendig und detailreich, dass man meinen könnte, sie habe all das erst vor kurzem erlebt. Tatsächlich reichen die Schilderungen von Christa Ortmann bis ins Weimar der Zwanzigerjahre zurück.

Ein Andenken, das sie aus dieser Zeit bewahrt hat, ist ein Foto: die kleine Christa, damals vier Jahre, mit ihrer größeren Schwester Ursula. Es ist Zwiebelmarkt 1928. Beide stehen mit Rispen geschmückt in der Schillerstraße vor der damaligen Autozubehör-Geschäft von Paul Schaller.

89 Jahre später findet sich Christa Ortmann wieder mitten im Marktgeschehen, diesmal als Gast. Dass ihr Sohn Frank vor kurzem nach Weimar zog, nahm der längst in der Nähe von Heidelberg lebende Stamm der Familie zum Anlass, die alte Thüringer Heimat beim größten Volksfest im Freistaat zu besuchen.

Christa Ortmann, geborene Werner, kam 1924 in Weimar zur Welt. Ihr Vater Richard Werner führte in der Frauentorstraße ein großes, elegantes Modegeschäft, das dessen Vater Hugo gegründet hatte. Beide standen im Rang eines Hoflieferanten. „Damals gab es noch ein weiteres Modegeschäft mit Namen Werner in der Stadt, weshalb das meines Vaters im Volksmund auch ,der teure Werner’ hieß“, sagte die 93-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Teuer war Richard Werner auch die Tradition des Zwiebelmarktes. Als männlicher Anlieger der Frauentorstraße gehörte er schließlich zur damaligen Planburschen-Gemeinde. Diese pflegte unter anderem den Brauch, Zwiebelwaagen zu basteln und auf dem Frauenplan und in der Frauentorstraße denen an die Tür zu hängen, an oder in deren Häusern es übers Jahr Veränderungen gegeben hatte. Die Gegenleistung für solche Aufmerksamkeit bestand in aller Regel in einem Fass Bier.

Doch nicht nur an nette Begebenheiten aus ihrer Weimarer Zeit erinnert sich Christa Ortmann. 1936 starb ihr Vater. Am 9. Februar 1945 wurde ihr Haus in der Frauentorstraße beim Bombenangriff auf Weimar zerstört. Nicht die Sprengkraft der Bomben machte es dem Erdboden gleich. Das Haus fing Feuer und verbrannte. Die Feuerwehr konnte nicht helfen, da sie zeitgleich das brennende Nationaltheater zu löschen versuchte. Wo einst das Haus Werner stand, grünt heute die Wiese an der Nordseite des Frauenplans.

Ein Jahr später heiratete die Weimarerin und zog mit ihrem Mann nach Erfurt. Als beide das Rentenalter erreicht hatten, gingen sie 1986 in den Westen. Hier, nahe Heidelberg, lebte damals schon ein Teil der Familie.

Ihr Weimar hat Christa Ortmann seither nicht vergessen. Den Zwiebelmarkt besuchte sie zuletzt 2006 – aber eher nebenbei. Mit ihrem Mann war sie damals hergekommen, um hier die diamantene Hochzeit zu feiern.

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