Bratwurstfreunde suchen neuen Standort für Museum

Holzhausen  50 000 Gäste bringen Infrastruktur in Holzhausen an Grenzen. Umzug in drei bis fünf Jahren

Nicht nur zur Bratwurstiade Anfang Oktober steppt im Bratwurstmuseum der Bär.Archiv-Foto: Christoph Vogel

Nicht nur zur Bratwurstiade Anfang Oktober steppt im Bratwurstmuseum der Bär.Archiv-Foto: Christoph Vogel

Foto: Nicht nur zur Bratwurstiade Anfang Oktober steppt im Bratwurstmuseum der Bär.Archiv-Foto: Christoph Vogel

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Das 1. Deutsche Bratwurstmuseum in Holzhausen will umziehen. Diese Nachricht macht im Ort gerade die Runde. Am Montagabend kam das Thema im Gemeinderat des Amtes Wachsenburg in der Bürgersprechstunde auf den Tisch – mit dem Vorwurf, dass die Gemeinde gegen die geplante Abwanderung nicht genügend tut.

So wird seit Jahren über eine Buswendeschleife samt Parkplatz diskutiert, um die Besucherströme in geordnete Bahnen zu lenken. Passiert ist in dieser Sache nicht viel, jedenfalls noch nichts Sichtbares. Die Busse quälen sich weiter durch die enge Kritzmannsgasse, bei größeren Veranstaltungen reichen die Stellplätze am Gelände nicht aus, werden die Nebenstraßen in dem Wohngebiet zugeparkt.

Entwicklung hat auch die Gründer überrascht

Doch das ist nicht der Hauptgrund für die Umzugspläne, stellte Dienstag Thomas Mäuer vom Verein der Freunde der Thüringer Bratwurst auf Anfrage unserer Zeitung klar. Es liegt am eigentlichen Standort des Museums, das vor 13 Jahren – aus einer Laune heraus, wie sich Mäuer erinnert – neben der bestehenden Partyscheune entstand. Keiner hätte damals geahnt, in welchen Dimensionen sich das Ganze entwickelt.

Nach Vereinsangaben kommen im Jahr 400 Busse und insgesamt etwa 50 000 Besucher. Sie schauen sich die Ausstellung im Museum an, gucken Bratwursttheater, verleben Zeit im Freigelände mit seinen vielfältigen Attraktionen rund um Thüringens kulinarische Spezialität. Es wird gern gegessen und gefeiert, das bringt auch für die Nachbarschaft Belastungen.

Mäuer nennt mehrere Probleme, die sich – neben der engen Zufahrt und dem Mangel an Parkplätzen – am Standort nicht auflösen lassen: Die Hanglage des Areals, fehlende Toiletten im Bratwursttheater, eine zu kleine Küche für die Menge an Besuchern. Behindertenverbänden würden kritisieren, dass sie das Museum nicht ansteuern können, weil es keine gepflasterten Wege und kein behindertengerechtes WC gibt. „Wir sind an einem Punkt, wo es hier nicht weitergeht“, so Thomas Mäuer. Derzeit ist in Holzhausen nur ein Halbjahresbetrieb möglich, aber das Geschäft soll ganzjährig laufen.

Der Verein mit 350 Mitgliedern in aller Welt geht von weiter steigenden Besucherzahlen aus, etwa 30 Prozent der Gäste kommen laut Mäuer aus dem Ausland. Kürzlich seien Verträge mit chinesischen Reisebüros ab 2020 geschlossen worden.

Derzeit wird nach einem geeigneten neuen Standort für das Bratwurstmuseum gesucht, der hinsichtlich Größe und Lage passen soll. Vier seien in der engeren Auswahl und noch nichts entschieden, hieß es gestern. Details ließ sich Mäuer nicht entlocken. Gut möglich, dass das Museum den Ilm-Kreis verlässt. Einige Gemeinden im Umland hätten Interesse bekundet.

Der Umzug – gerechnet wird damit in drei bis fünf Jahren – soll gut vorbereitet werden. Bis dahin gehe es in Holzhausen mit Herzblut weiter, würden neue Erlebnisstationen gebaut, die später mit umgesetzt werden sollen, hieß es. Die Mitarbeiter im gastronomischen Bereich – derzeit zehn – wüssten Bescheid.

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, werde sich auch nicht mehr umstimmen lassen, betont Mäuer. Auch nicht durch einen Großparkplatz, den das Straßendorf wegen seiner anderen Sehenswürdigkeiten trotzdem benötigt.

In den nächsten Tagen wird es ein Gespräch mit dem Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung zur möglichen Förderung eines Parkplatzes geben, hatte Bürgermeister Uwe Möller (CDU) am Montag erklärt.

Entgegen dem Eindruck im Gemeinderat betonte Thomas Mäuer gestern: „Es gibt keinen Dissenz mit der Gemeinde“.

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