Bücherberge und Totenschädel vor dem Erfurter Dom

Erfurt  Domstufen-Festspiele 2019: Die Werkstätten des Erfurter Theaters bereiten aufwendig die Kulissen und Kostüme für das Musical „Der Name der Rose“ vor

Blick in die Werkstätten des Erfurter Theaters: Theaterplastikerin Claudia Wilke stapelt die von ihr bemalten Bücher, Steffen Schneider schneidert an einer Mönchskutte, Technikdirektor Christian Stark zeigt die Grab-Kulisse und Werkstattleiter Stefan Rittmeister das Riesenbuch aus Spanholz.

Blick in die Werkstätten des Erfurter Theaters: Theaterplastikerin Claudia Wilke stapelt die von ihr bemalten Bücher, Steffen Schneider schneidert an einer Mönchskutte, Technikdirektor Christian Stark zeigt die Grab-Kulisse und Werkstattleiter Stefan Rittmeister das Riesenbuch aus Spanholz.

Foto: Frank Karmeyer

Ochsen werden den Karren des Inquisitors nicht ziehen, der derzeit noch in der Schlosserei hergerichtet wird für seine Aufgabe bei den diesjährigen Domstufenfestspielen. Das wäre für 21 Vorstellungen kaum möglich gewesen. Zu wenig artgerecht, dafür sehr aufwendig und gewiss auch ein wenig zu gefährlich, sagt Technikdirektor Christian Stark. So werden Bühnenarbeiter, gehüllt in Kutten, die mittelalterliche Kutsche vor die Domstufen bugsieren. Dass sie keine Tonsur tragen, wie bei Mönchen damals üblich, wird die Kapuze verbergen...

Ehe das Theater in die Ferien geht, wird noch – und das schon seit Wochen – für „Der Name der Rose“ geschweißt, gesägt, gemalt und genäht. Mit unglaublicher Liebe zu Detail, wie ein Blick in die Erfurter Theaterwerkstatt beweist.

Dass hier gleich neben einem Grab voll gruseliger Totenköpfe bunt-gemalte Brombeerbüsche wachsen, liegt an der Doppel-Aufgabe für die Mitarbeiter im Malsaal und der anderen Gewerke: Neben der mittelalterlichen Klosterkulisse für 21 Vorstellungen des Musicals „Der Name der Rose“ wird auch ein schwedisches Haus samt Garten und koboldartiger Mucklas benötigt für die Kinderoper „Pettersson und Findus und der Hahn im Korb“.

Das Gewand Salvatores, des buckligen und barfüßigen Mönchs, verlangt gerade die volle Aufmerksamkeit von Obergewandmeisterin Susanne Ahrens. Wobei es nicht gesäumt sondern ausgerissen sein wird, wobei der weiße Stoff zunächst blass grün gefärbt, dann aber mit Dreck und Drahtbürste so richtig zugerichtet wird. Damit der Darsteller des armen Kerls nicht barfuß über die Domstufen stolpern muss, werden ihm sogenannte Zehenschuhe verpasst – für einen sicheren Gang. „Salvatore, das ist der, der im Film am Ende verbrannt wird“, sagt Susanne Ahrens.

Überhaupt: Manches wird im Musical wohl schon an die Verfilmung erinnern, Grundlage der Erfurter Inszenierung aber ist das Buch Umberto Ecos. Einen Werkstatt-Raum weiter steht eine der gut 50 Bildtafeln, die, aufwendig mit einem Mosaik versehen, auf den Domstufen liegend das Bild von Jesus als Heiligenbild-Mosaik ergeben werden. Jede einzelne Bildtafel ist daher ein Unikat, sagt Technik-Chef Christian Stark: Jene im vorderen Bühnenbereich sind sogar mit plastischer Fuge ausgestattet, bei jenen weiter weg vom Publikum hat man sich dieses Detail gespart. Untergestelle für die Bildtafeln wurden in der Schlosserei zusammengefügt.

Nebenan tritt Werkstattleiter Stefan Rittmeister gerade aus einem aufgeschlagenen Buch: 3,5 Meter breit und 4,5 Meter hoch ist es, davor wird der Erzähler der Geschichte stehen und das Publikum nur vermuten, dass es aus Sperrholz und Leim besteht.

Die übrigen Bücher – und es gibt hunderte davon auf den Domstufen – sind aus Styropor gesägt und werden von den Theaterplastikerinnen Claudia Wilke und Corinna Horvarth wie am Fließband bemalt. Buchstapel nach Buchstapel entsteht unter ihren Pinseln.

Wer sich an den Kinofilm erinnert, weiß, dass auch Spuren im Schnee eine Rolle spielen darin. Während das Publikum auf sommerliche Abende hoffen darf, spielt sich die Szenerie auf den Domstufen im Winter ab. Mit einem weiß-schwarz schraffierten Überbau der Treppen aus Holz wird diese Illusion erweckt. Keines der Elemente dafür ist wie das andere. Dreifach sei der Aufwand, im Vergleich zu einer üblichen Premiere im Theater – aber, sagt Stark, den 2000 Zuschauern jeder Vorstellung soll schließlich etwas ganz Besonderes geboten werden.

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