Diese zehn Erfurter Fragen muss das neue Jahr beantworten

Erfurt.  Wird das Rathaus verkauft? Gibt es ein Thüringen-Derby? Wir fassen zehn wichtige Fragen zusammen, die erst im Lauf des Jahres beantwortet werden

Das neue Jahr steckt voller ungelöster Fragen.

Das neue Jahr steckt voller ungelöster Fragen.

Foto: Steinfeld / Imago

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In Erfurt hat das letzte Jahr vor der Buga begonnen. Aber nicht nur deshalb ist 2020 ein Schlüsseljahr für die Stadt. Welche großen Entscheidungen garantiert anstehen, fassen wir hier zusammen.

1) Wird das Rathaus verkauft?

Ein riesiger Batzen Geld wird für das Schulbauprogramm benötigt. Der Grundstücksverkauf an Kowo und Private hat lediglich einen Aufschub ermöglicht. Nun muss endlich die große Lösung zur Geldbeschaffung her. Steuererhöhungen? Verkauf von Stadtwerke-Anteilen? Radikale Kürzungen von Zuschüssen? Einen neuen Vorschlag habe er noch im Ärmel, verriet kürzlich Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD). Wird vielleicht das Rathaus am Fischmarkt verkauft, jetzt, wo das Technische Rathaus an der Warsbergstraße fast fertig ist?

2) Baut die Stadt auf dem Petersberg einen Rundweg als Sackgasse?

Die Bundesgartenschau 2021 naht mit großen Schritten. Viele Baumaßnahmen haben begonnen, aber ob sie pünktlich fertig werden, erfahren wir erst im Lauf des Jahres. Besonders groß ist das Risiko für den Rundweg auf dem Petersberg, dessen Höhepunkt ein Bastionskronenpfad durch das Wäldchen sein sollte. Baumfreunde haben dagegen geklagt. Kommt der Höhenpfad nicht, wird der Rundweg in der Mitte durchgeschnitten.

3) Werden die Urbicher Felder an Biobauern verpachtet?

Ein Technologiepark soll zwischen Urbich und dem Herrenberg entstehen und hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Doch die endgültige Zustimmung zu dem Gewerbegebiet steht im Stadtrat noch aus. Seit der Kommunalwahl hat sich das politische Gewicht verschoben: Eine Zustimmung ist längst nicht mehr sicher, auch, weil der Umweltpolitik zunehmend Gewicht eingeräumt wird. Ausgerechnet das verplante Feld verfügt nämlich über einen außergewöhnlich guten Boden. Der sich sicher auch für die biologische Landwirtschaft eignen würde.

4) Gibt es ein Thüringen-Derby?

Stagnation mit Hoffnungsschimmer – so könnte man Erfurts Fußball am Jahresbeginn beschreiben. Unsere Nachbarn im Osten hingegen sind kaum noch vor dem Abstieg zu retten. Für Mitleid gibt es keinen Grund, umso mehr für Vorfreude: Endlich könnte es mal wieder ein großes Thüringen-Derby geben. Da wir gerade die THC-Damen in der Riethsporthalle zu Gast haben dürfen, könnten wir an dieser Stelle natürlich auch folgende für Erfurt historische Frage stellen: Werden wir zum achten Mal Deutscher Meister?

5) Wird der Wenigemarkt autofrei?

Der Klimawandel hat die Stadtpolitik aufgescheucht. Umweltdezernent Andreas Horn (CDU) kündigte bereits ein Maßnahmepaket zum Klimaschutz an, das er mit den Fraktionen diskutieren will. Besonders im Fokus steht der Verkehr, der als einziger Energiebereich einen steigenden Schadstoffausstoß verzeichnet. Mehr ÖPNV und mehr Fahrrad lauten die Denkansätze, die zugleich mit weniger Auto verbunden sind. Die Sperrung des Wenigemarktes für den Durchgangsverkehrkönnte als eine Maßnahme diskutiert werden.

6) Wird die dritte Schwimmhalle in Vieselbach gebaut?

Nach der Buga kommt die dritte Schwimmhalle – dieses Versprechen des Oberbürgermeisters ist bislang nicht widerrufen worden. Der Standort im Norden, etwa im Rieth, ist jedoch nicht ganz so sicher. Im Raum steht weiter auch die Erweiterung der Südschwimmhalle. Wenn aber noch über den Standort diskutiert wird, dann werden vielleicht auch andere Vorschläge gemacht, mit denen sich zugleich die Ortsteile fördern ließen. Eines ist sicher: Mit den zwei zu sanierenden Bädern, den Schulsporthallen, der Eishockeyhalle, der Stadion-Westtribüne und dem Traum von einer Profisporthalle werden die Sportstätten mit Sicherheit auch 2020 ein großes Thema bleiben.

7) Fällt die Defensionskaserne in den Dornröschenschlaf zurück?

Das stattliche Gebäude auf dem Petersberg schien in den letzten Jahren aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Es sollte Kulturquartier und Verwaltungsgebäude werden, bevor die Landesregierung ihre Pläne für ein Landesmuseum vorstellte. Das Museum gilt als optimale Lösung. Doch hat Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) für das Frühjahr zunächst eine Grundsatzabstimmung im Landtag angekündigt. Bekennt sich der Landtag zu der reichen Geschichte unseres Landstriches und zu seiner angemessenen Präsentation? Oder macht Dornröschen die Äuglein wieder zu?

8) Wird es ein Junge oder ein Mädchen?

Die Zukunft des Zoos haben viele schon als Landschaftspark gesehen. Ein Konzept zur Weiterentwicklung liegt zwar auf dem Tisch, aber niemand weiß, wie es auch nur im Ansatz zu finanzieren wäre. Allerdings sorgen seit einiger Zeit die Tiere selbst für eine wachsende Attraktivität: Sie setzen fleißig süßen Nachwuchs in die Welt. Nach dem Löwenpärchen und dem kleinen Nashorn wird in diesem Jahr ein zweites Nashornbaby erwartet. Im Sommer soll sogar ein kleiner Elefant durch sein Gehege streifen. Junge oder Mädchen? Völlig egal!

9) Wird der Stadtgarten mit Wohnungen bebaut?

2016 wurde in Erfurt schon einmal symbolisch die Kultur zu Grabe getragen. Seitdem stiegen manche Zuschüsse, aber leicht hat es die unabhängige Kultur immer noch nicht. Auflagen und Lärmschutz machen es auch Veranstaltern immer schwerer, ihren Gästen Kultur zu bieten. Dauern zum Beispiel die Verhandlungen um die Neuausschreibung des Stadtgartens nicht schon so lange, dass Beobachter langsam skeptisch werden? Welche Lobby hat die Kultur noch?

10) Wird Marion Walsmann Super-Dezernentin?

Wahlen hat 2020 eigentlich niemand auf dem Schirm. Doch der auch als „Super-Dezernent“ bekannte Alexander Hilge (SPD) ist schon designierter Kowo-Chef und wollte nach Abschluss der Buga-Vorbereitungen, also Anfang 2021, sein Dezernentenamt um ein Jahr vorfristig räumen. Das Rennen auf den begehrten Posten dürfte deshalb spätestens nach der Sommerpause beginnen. Wer in Erfurts kunterbuntem Stadtrat Chancen auf Mehrheiten hat, lässt sich schwer vorhersagen. Zugegeben, die Noch-CDU-Kreischefin Marion Walsmann ist nicht die wahrscheinlichste Kandidatin. Aber vielleicht ist es ihr auf Dauer zu langweilig, sich als Europaabgeordnete mit künstlicher Intelligenz zu beschäftigen?

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