Baumaßnahmen 2020: Erfurts wichtigste Verkehrsader wird gekappt

Erfurt.  Diverse große Straßenbaumaßnahmen in Erfurt werfen ihre Schatten voraus. In den Sommerferien wird die Kreuzung Bahnhofstraße/Juri-Gagarin-Ring eine Woche komplett gesperrt.

Die Seebachstraße ist seit Jahren nur einspurig befahrbar. Nun soll sie im Sommer instandgesetzt werden.

Die Seebachstraße ist seit Jahren nur einspurig befahrbar. Nun soll sie im Sommer instandgesetzt werden.

Foto: Hartmut Schwarz

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Alljährlich nutzt der Erfurter Oberbürgermeister die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, um vor Journalisten auf das alte Jahr zurück und auf das neue vorauszuschauen. In der Regel wird dabei auch den Bauaktivitäten besonderer Raum eingeräumt. So verwies Andreas Bausewein auf die Inbetriebnahme des technischen Rathauses in der Warsbergstraße und auf mehrere Bauaktivitäten an Schulen, die es auch nötig hatten. Was auch vom Ausblick auf 2020 nicht viel anders ausfällt. Dazu gesellen sich die Fertigstellung des Radweges in der Arnstädter Straße, der Baubeginn der Brücke über die Gera an der Warschauer Straße und der Start für den Brückenbau über den Flutgraben am Schmidtsteder Knoten im Juni.

Fast verschämt dazwischen platziert ist jedoch eine Straßenbaumaßnahme, von der in Erfurt fast jeder etwas hat. Das Vorhaben: Erneuerung der Kreuzung Bahnhofstraße/Juri-Gagarin-Ring. Was vor zwei Jahren schon einmal passieren sollte, wohl aber wegen der Haushaltssituation aufgeschoben wurde. Schon damals hieß es unter dem Stichwort „Reste der historischen Augustbrücke“, dass je nach Bereitstellung von Fördergeldern und der Haushaltssituation der Stadt ab 2018 mit einigen Großprojekten zu rechnen sei, „die, selbst wenn sie nicht allzu lange Zeit in Anspruch nehmen, die Stadt vor eine Herausforderung stellen“. Diese auf 2020 verlegte größte Herausforderung heißt eben „Augustbrücke“. Wo soll die sein? Wer kennt sie? Antwort: Kaum einer. Aufklärung kommt von Erfurts Chefhistoriker Steffen Raßloff. Sie liegt demnach just unter der Kreuzung Bahnhofstraße/Juri-Gagarin-Ring.

Die Bahnhofstraße, so Raßloff, hieß im 19. Jahrhundert Augustusstraße, benannt nach der Reglerkirche, die wiederum nach ihrem Ordensgründer, dem Heiligen Augustin, benannt war. 1870 wurde sie jedoch nach dem Bahnhofsbau in Bahnhofstraße umbenannt. Die Brücke überspannte damals den inneren Festungsgraben. Der entsprach genau dem Verlauf des heutigen Juri-Gagarin-Rings. Mit Bau des Flutgrabens Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieser innere Festungsgraben bedeutungslos und daher zugeschüttet und darauf die damalige Ringstraße angelegt. Alle anderen Brücken wurden abgerissen, nur diese eine eben nicht. Die sackt nun ab und macht Probleme. Eine Bausünde des späten 19. Jahrhunderts, deren Folgen nun im Jahr 2020 beseitigt werden sollen.

Ring wird für Abriss voll gesperrt

Unter der Straße befinden sich nämlich noch immer die Reste dieser historischen Augustusbrücke. Die gibt unterirdisch nach, was vor allem für die Evag problematisch sei, deren Straßenbahnen im Minutentakt fahren. 2018 sollten die Reste der Brücke entfernt, neue Gleise gelegt und die Kreuzung erneuert werden. Eine Woche, heißt es, müsse der Ring dafür gesperrt werden. Nun, mit zwei Jahren Verspätung, geht es in den Sommerferien los.

Auch die Panzerstraße wird repariert

Ebenfalls in den Sommerferien wird die Weimarische Straße Richtung Innenstadt erneuert. Und die Seebachstraße, den älteren Erfurtern besser bekannt als Panzerstraße aus Richtung Tannenwäldchen zur Kranichfelder Straße. Dort fuhren zu DDR-Zeiten die schweren Kettenfahrzeuge von der Steigerwaldkaserne zur Verladung am Güterbahnhof. Lasten, deren Spätfolgen sichtbar wurden. Seit vielen Jahren ist nur einspuriger Verkehr gestattet. Nun sollen in diesem Jahr Hang und Straße gesichert werden.

Die Evag plant, die Haltestelle am Kaffeetrichter umzubauen. Die südliche Stadteinfahrt in Richtung A4-Anschlussstelle Erfurt-West wird also von bedeutenden Verkehrseinschränkungen betroffen sein. Dazu gesellt sich noch eine Sperrung der Arnstädter Straße zwischen Martin-Andersen-Nexö- und Johann-Sebastian-Bach-Straße am Landtag. Hier verlegen die Stadtwerke Heizungsrohre für ein neues Wohngebiet auf der Lingel-Fläche. Da auch noch die Gothaer Straße zwischen Messe und Schmira in den Sommerferien wegen des Baues eines neuen Messeparkplatzes voll gesperrt wird und zeitgleich der Knoten Eisenacher-/Hersfelder Straße dichtgemacht wird, ist nur noch die Binderslebener Landstraße als westliche Stadteinfahrt nutzbar.

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