Experten beantworten Leser-Fragen zum Coronavirus: Alles rund um Behandlung und Symptome

Erfurt .  Ab wann gelten Infizierte eigentlich wieder als gesund? Wird das irgendwie untersucht und bestätigt? Experten beantworten die wichtigsten Fragen unserer Leser rund um Corona, die Ansteckung mit dem Virus, die Symptome, Medikamente und Impfungen.

Das Gesundheitsamt entscheidet, ob eine infizierte oder eine Kontaktperson in Quarantäne muss und ob diese Person im Krankenhaus oder zu Hause isoliert wird.

Das Gesundheitsamt entscheidet, ob eine infizierte oder eine Kontaktperson in Quarantäne muss und ob diese Person im Krankenhaus oder zu Hause isoliert wird.

Foto: Marco Kneise / Marco Kneise / Thüringer Allgemeine

Jeden Tag neue Nachrichten über das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 – aus der Politik, aus der Wirtschaft, aus der Wissenschaft. Es geht um Symptome, Risikogruppen oder Eigenschaften des Virus, das noch in vielem unverstanden ist. Aus dieser Flut an Informationen jene herauszufiltern, die für einen persönlich wichtig sind, ist schwierig bis unmöglich.

Deswegen hat die Redaktion Fragen der Leser gesammelt und von Experten beantworten lassen, die sich in diesen Tagen beinahe rund um die Uhr mit dem Erreger befassen, im Labor, im Krankenhaus oder in Konferenzen mit Verantwortlichen der Städte. In dieser Ausgabe geht es rund um die Themen aus den Bereichen Hygiene und Desinfektion. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Ende Oktober wurde unser Enkel geboren. Gern möchten wir ihn auch mal persönlich sehen. Da in der 300 Kilometer entfernten Wohnung unserer Kinder keine Übernachtungsmöglichkeit besteht, sind wir auf ein Hotelzimmer angewiesen. Zählt das als touristischer Zweck, was untersagt wäre?

Es antwortet Silke Fließ aus dem Thüringer Gesundheitsministerium: Der Besuch des neu geborenen Enkelkinds gilt in Thüringen ebenso als ein notwendiger Reiseanlass wie etwa die Beerdigung eines Angehörigen. Sie sind nicht grundsätzlich touristisch und fallen daher nicht unter das Übernachtungsverbot. Bitte beachten Sie jedoch eventuell strengere Regelungen der Behörden vor Ort aufgrund lokaler Infektionsgeschehen und klären Sie Ihren Besuchsanlass frühzeitig mit dem Anbieter des Zimmers ab. Die vergangenen Monate haben allerdings gezeigt, dass die überregionale Verbreitung von Sars-CoV-2 durch Reisen gefördert wird. Insofern können wir nur trotzdem nachdrücklich darauf hinweisen, jede nicht zwingend notwendige Reise zu vermeiden und damit sich und andere zu schützen.

In der neuen Verordnung geht es um Kontakt-Beschränkungen „im öffentlichen Raum“. Und wie ist es zu Hause?

Es antwortet Silke Fließ aus dem Thüringer Gesundheitsministerium: In Paragraf 6, Absatz 1, ist festlegt, dass private Zusammenkünfte, die in der eigenen Wohnung stattfinden, auf die Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstands bis zu einer Gruppengröße von höchstens fünf Personen beschränkt werden sollen, wobei deren Kinder bis 14 Jahre nicht mitzählen. Dieser Paragraf hat eine Appellfunktion, die Umsetzung ist nicht bußgeldbewehrt. Wie in vielen anderen Bundesländern auch wird es in Thüringen keine Kontrollen in Wohnungen geben. Das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung wiegt sehr schwer.

Gleichwohl ist die Kontaktminimierung von grundlegender Bedeutung für Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus. Ansteckungen können nur durch die Minimierung von Kontakten verhindert werden. Das gilt auch in der eigenen Wohnung. Es ist wichtig, die Regeln ernst zu nehmen und so die Infektionszahlen wieder zu senken.

Wieso kann man die Corona-Schnelltests, von denen man so viel liest, nicht kaufen und sich selbst testen? Dann wüsste man, ob man tatsächlich Corona oder nur eine Grippe hat. Und wäre nicht so verunsichert. Ich bin 68 Jahre alt und hatte vor drei Jahren eine doppelseitige Lungenentzündung.

Es antwortet Infektiologe Rainer Lundershausen aus Erfurt: Die Durchführung der Abstriche sowohl für die Sars-CoV2-PCR als auch für die Antigen-Schnellteste erfordert eine große Sachkenntnis der Anatomie des Nasen-Rachen-Raumes sowie eine gewisse Routine im Umgang mit dieser Technik. Wahrscheinlich machen selbst medizinische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die generell hervorragende Arbeit leisten, hierbei mitunter noch unabsichtlich Fehler. So höre ich gelegentlich von Betroffenen, dass der Abstrich lediglich von der Wangenschleimhaut gemacht wurde. Eine falsche Abstrichtechnik kann aber zu falsch negativen Ergebnissen führen. Betroffene könnten sich in Sicherheit wiegen, was fatale Folgen für die Virusübertragung hätte. Ich rate folglich von einer Selbsttestung ab.

Ich bin 75 Jahre alt und möchte mich gegen Grippe impfen lassen. Ist das derzeit ratsam?

Dazu erklärt das Robert-Koch-Institut: Ja, denn es ist wichtig, einen guten Gesundheitszustand in der Bevölkerung zu erhalten, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Ein umfassender Impfschutz gemäß der Ständigen Impfkommission kann dazu beitragen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem neuartigen Coronavirus durch eine in zeitlicher Nähe verabreichte Impfung beeinflusst wird. Durch Impfungen wird der Organismus vor Infektionen geschützt, die ihn in der Pandemiezeit zusätzlich gefährden können.

Die Gruppen, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben, sind bei Influenza und Covid-19 sehr ähnlich: insbesondere ältere Menschen ab 60 Jahren mit Grunderkrankungen. Ihnen wird auch eine Influenza-Impfung empfohlen. Gerade im Rahmen der Covid-19-Pandemie ist eine hohe Influenza-Impfquote bei Risikogruppen essenziell, um in der Grippewelle schwere Influenza-Verläufe zu verhindern und Engpässe in Krankenhäusern zu vermeiden.

Unser Enkel lebt im wöchentlichen Wechsel bei einem Elternteil. Gilt der Besuch dann noch als „Kontakt mit einer Familie“?

Es antwortet Silke Fließ aus dem Thüringer Gesundheitsministerium: Gemäß Paragraf 3 der Sonder-Eindämmungsverordnung ist der gemeinsame Aufenthalt in der Öffentlichkeit nur gestattet mit den Angehörigen des eigenen Haushalts sowie zusätzlich mit den Angehörigen eines weiteren Haushalts, solange dabei eine Gesamtzahl von zehn Personen nicht überschritten wird. Der Begriff des „eigenen Haushalts“ ist nicht im Einzelnen festgelegt, sondern bestimmt sich nach den Lebensgegebenheiten, ob Menschen eng beieinander leben und eine Schicksals- oder aktuell eben auch eine „Ansteckungsgemeinschaft“ bilden. Beim Enkel und seinem sorgeberechtigten Elternteil ist davon auszugehen, dass sie gemäß der Schilderung im wöchentlichen Wechsel einen Haushalt bilden und insofern die Großeltern als weiteren Haushalt auch besuchen können. Wobei angesichts der Risikofaktoren ein Spaziergang an der frischen Luft dem häuslichen Kaffeetrinken auf engem Raum vorzuziehen sei.

Wann sind erste Effekte durch den seit Monatsbeginn bestehenden Teil-Lockdown spürbar?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht so leicht beantworten. Laut Thüringer Gesundheitsministerium sollte die Wirkung der Maßnahmen etwa zwei Wochen zeitverzögert eintreten. Nach der Infektion könne es zwischen fünf und 14 Tagen bis zum Ausbruch der Krankheit dauern. Bis ein Arzt konsultiert, ein Test vorgenommen und ausgewertet wurde und das Ergebnis das Robert-Koch-Institut erreicht hat, könnten noch einmal ein paar Tage vergehen. Es sei also davon auszugehen, dass sich die derzeit gemeldeten Erkrankten noch vor dem Lockdown infiziert haben, betont das Gesundheitsministerium. Bis ein Patient auf die Intensivstation verlegt werden muss oder im schlimmsten Fall sogar stirbt, dauert es noch einmal einige Tage oder Wochen.

Daher haben die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin vereinbart, erst am 16. November die Pandemieentwicklung und die Wirksamkeit der Maßnahmen zu beraten. Denn nach zwei Wochen sollten erste Effekte erkennbar sein – oder eben nicht.

Wie sicher ist der PCR-Test? Gibt es mögliche Fehlerquellen? Werden bei dem Test auch andere Corona-Viren entdeckt?

Es antwortet Infektiologe Rainer Lundershausen aus Erfurt: Die Sars-CoV2-PCR (Polymerase Chain Reaction, übersetzt Polymerase-Kettenreaktion) hat eine hohe Sensitivität und Spezifität, das bedeutet, sie ist in ihrem Ergebnis verlässlich. Unkorrektheiten sind fast ausnahmslos einer unpräzisen Abstreichtechnik anzulasten: Der Abstrich erfolgt nicht tief genug im Oropharyngial- und Nasopharyngialbereich, dem hinteren Nasen-Rachenraum. Bei richtiger Technik ist das Abstreichen kurzzeitig unangenehm bis schmerzhaft. Die Spezifität für Sars-CoV2 in der PCR liegt zwischen 92 und 98 Prozent, das heißt, in diesem Prozentsatz erfasst der Test tatsächlich nur Sars-CoV2.

Warum sind die Inzidenz-Zahlen der Landkreise und des Robert-Koch-Instituts manchmal unterschiedlich?

Das Robert-Koch-Institut erklärt dazu: Die Behörden im Land- oder Stadtkreis verfügen immer über die aktuellsten Zahlen. Diese sind mit ausschlaggebend für die Bewertung der Situation vor Ort. Das RKI stellt eine Übersicht über Deutschland zur Verfügung. Diskrepanzen können verschiedene Ursachen haben. So können sie durch den Übermittlungsverzug bedingt sein, etwa wenn das Gesundheitsamt bereits Fälle an die Landesbehörde übermittelt hat, diese aber noch nicht an das RKI weitergeleitet worden sind. Das RKI verwendet den Datenstand jeweils 0 Uhr, möglicherweise nutzen die Landesbehörden und Gesundheitsämter einen anderen zeitlichen Rahmen. Die Inzidenz basiert auf dem Meldedatum der Fälle, also dem Zeitpunkt, an dem der Fall dem Gesundheitsamt bekannt wird. Es kommt vor, dass ein Gesundheitsamt den Fall aber erst am nächsten Tag in der Software erfasst, so dass er erst am übernächsten Tag unter den Zahlen des RKI erscheint. Durch den Übermittlungsverzug kann es zu einer Abweichung kommen.

Wie können Bürgerinnen und Bürger ihr Immunsystem stärken? Dazu antwortet die Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, Ellen Lundershausen:

"Die Antwort auf diese Frage ist komplex, denn es gibt viele Wege, das Immunsystem zu stärken. Dazu gehören ausreichend Schlaf, ausgewogene, vitaminreiche Ernährung, Bewegung und der Aufenthalt an der frischen Luft. Aber auch Zufriedenheit mit der persönlichen Situation, sowohl familiär als auch an der Arbeit, die Vermeidung von Stress und psychische Stabilität sind wichtige Punkte hinsichtlich eines funktionierenden Immunsystems."

Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Thüringen ergänzt: "Eine ausgewogene Ernährung spielt hierfür eine große Rolle. Auf dem Speiseplan sollte viel frisches Obst und Gemüse stehen, denn es enthält unter anderem die Vitamine A, C, D und E. Auch Spurenelemente wie Eisen und Zink sind wichtig. Außerdem sollte man ausreichend trinken, am besten Wasser, ungesüßten Kräutertee oder selbst gemischte Fruchtsaftschorle."

Angeblich führt eine Grippeimpfung zu einem positiven Corona-Test und damit zu steigenden Fallzahlen - stimmt das?

Für diese These gibt es keine Belege. Dem Robert-Koch-Institut liegen keine Hinweise vor, dass eine Grippeimpfung das Risiko erhöhe, an Corona zu erkranken. Auch für die Behauptung, dass die aktuellen Corona-Tests positiv reagierten, wenn zuvor jemand gegen Grippe geimpft worden sei, fehlen belastbare Erkenntnisse.Grippeerreger und das neuartige Coronavirus seien unterschiedliche Viren. Darauf weist das Science Media Center (SMC) gegenüber der Tagesschau hin. Wer gegen Grippe immunisiert wird, werde nicht automatisch für Corona anfälliger. Der zum Nachweis des Coronavirus verwendete PCR-Test sei bei korrekter Anwendung so präzise, dass dieser nicht auf Grippeviren reagiere, heißt es.

Führen vor allem intensivere Corona-Tests zu einer höheren Zahl an gemeldeten Infektionen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Dass mit mehr Tests zuvor unentdeckte, weil symptomfreie Corona-Erkrankungen verstärkt erkannt werden, bestätigt das Robert-Koch-Institut, betont allerdings: „Das heißt nicht, dass umgekehrt die beobachteten steigenden Fallzahlen nur mit dem vermehrten Testaufkommen zu erklären wären.“ Denn würden mehr Test automatisch auch mehr erkannte Corona-Infektionen bedeuten, müsste seit Juni dieses Jahres die Zahl der Neuinfektionen im Verhältnis zu den Tests ansteigen. Das ist allerdings nur bedingt geschehen. In einigen Wochen wurden trotz intensiverer Tests sogar weniger Neuerkrankungen entdeckt. Andererseits ist die Zahl der Tests seit August bundesweit relativ stabil – und trotzdem erhöhen sich die Corona-Zahlen in Deutschland derzeit rasant. Die Experten des Robert-Koch-Instituts sehen als Ursache dafür viele kleine Ausbrüche von Infektionen beispielsweise bei Familienfeiern, am Arbeitsplatz, in Gesundheitseinrichtungen oder bei Reiserückkehrern. Steigenden Fallzahlen lassen sich daher nicht allein auf intensivere Tests zurückführen. Diese sind nur einer von vielen Gründen.

Ich habe die chronische Lungenkrankheit COPD und bekomme mit der Maske noch schlechter Luft als eh schon. Warum gibt es für Betroffene in einigen Bundesländern eine Sondergenehmigung und in anderen nicht?

Frank Schenker, Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums: In Thüringen sind Menschen, denen es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder zumutbar ist, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, von der Pflicht befreit. Dies ist in geeigneter Weise glaubhaft zu machen. Die Regelungen dazu sind Ländersache.

Wie wird die Reproduktionsquote ermittelt?

Rainer Lundershausen, Infektiologe: Die Reproduktionsquote wird als Quotient der täglich gemeldeten Neuerkrankungen und der bekannten Zahl der Infizierten ermittelt. Sie hat jedoch aufgrund verzögerter oder nur teilweise erfolgter Meldungen eine gewisse Unschärfe. Sie ist aber trotzdem eine Entscheidungshilfe in infektionsepidemiologischen Fragen.

Meines Erachtens sind die Fallzahlen nicht aussagekräftig, da es keine Informationen dazu gibt, wie viele Tests eigentlich durchgeführt wurden. So sagt mir die Zahl der Neuerkrankungen eigentlich nicht viel im Vergleich zu anderen Ländern?!

Rainer Lundershausen: Gern würde auch ich populationsbezogene Daten über die tatsächliche Infektionsquote der Bevölkerung kennen, zumal Betroffene mit minimalen oder keinen Symptomen eher nicht getestet werden. Das würde aber voraussetzen, dass Studien an definierten Stichproben in unterschiedlichen sozialen Bereichen mittels verlässlicher Diagnosemethoden durchgeführt würden – gegenwärtig sollten die Mittel hierfür besser in der Medikamenten- und Impfstoffentwicklung eingesetzt werden.

Sofern es ein Impfmittel gegen eine Corona-Infektion gibt: Zahlt das die Private Krankenversicherung?

Gerald Archangeli, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute, und Kim Paulsen, Versicherungsexperte vom Bund der Versicherten: In den meisten Verträgen (außer dem Notlagen- und Basistarifen) ist ein Impfschutz inkludiert. Insofern würden die privaten Krankenversicherungen einen Impfschutz gegen eine Corona-Infektion abdecken.

Wie infiziert man sich konkret mit dem Virus?

Rainer Lundershausen: Im Einzelfall die Infektionsquelle nachzuweisen ist schwierig. Nach unserem gegenwärtigen Kenntnisstand erfolgen die meisten Infektionen durch Aerosole aus den Atemwegen. Insofern sind auch die Abstandsregelung und das Tragen von Schutzmasken von elementarer Bedeutung. Das Berühren von Gegenständen ist von eher untergeordneter Bedeutung. Wenn natürlich beispielsweise ein Infizierter auf den Einkaufswagen hustet und keine Desinfektion des Wagens erfolgt, kann sich unter Umständen der nächste Nutzer infizieren.

Wann gelten Corona-Patienten als genesen? Wie exakt sind die Zahlen über die Genesenen?

Frank Schenker: Die Maßnahmen vor einer Entlassung von Covid-19-Patienten aus der häuslichen Quarantäne oder dem Krankenhaus richtet sich nach verschiedenen Kriterien. Dazu zählt die Schwere der Erkrankung, aber auch die Personengruppe, zu der der Patient gehört. Beispielsweise müssen Beschäftigte von medizinischen und Pflegeeinrichtungen einen negativen Test vorweisen, bevor sie wieder als gesund gelten. Bei milden Krankheitsverläufen und ohne Zugehörigkeit zu einer bestimmten Personengruppe gilt ein Patient als genesen, wenn mindestens 48 Stunden keine Symptome mehr aufgetreten sind. Die Zahl der Genesenen kann grundsätzlich nur eine Schätzung sein, weil es keine Meldepflicht für genesene Patienten gibt. Die Schätzung basiert auf einem Berechnungsmodell des Robert-Koch-Instituts und berücksichtigt unter anderem Erkrankungsbeginn und Meldedatum.

Können sich genesene Corona-Patienten erneut infizieren? Ich habe von zwei Personen (Mutter und Sohn) gehört, die seit Wochen immer wieder positiv getestet werden?

Rainer Lundershausen: Die immer wieder auftauchenden Neuinfektionen sind nie valide untersucht. So könnten es fehlerhafte Test sein. Auch ist denkbar, dass Infizierte mit einer unzureichenden Immunreaktion auf die virale Infektion keinen ausreichend hohen Antikörpergehalt entwickeln, um eine Reaktivierung des Virus oder eine Neuinfektion zu verhindern. Die zitierten Fälle sind aber gerade in dieser Hinsicht unzureichend beschrieben.

Welche Gefahr geht von Corona für Schwangere aus?

Rainer Lundershausen: Nach allem, was wir wissen, haben Schwangere kein höheres Infektionsrisiko und keinen schwereren Verlauf bei Erkrankung als altersgleiche Frauen. Allerdings sind in der Literatur Mutter-Kind-Transmissionen beschrieben worden. Die Kinder zeigten aber ebenfalls keinen schweren Verlauf.

Wie ist die Umsetzung ethischer Fragen im Zusammenhang mit der Corona-Krise geregelt, gibt es beispielsweise einen Ethikrat? Wie soll bei fehlender Beatmungsgeräte im Krankenhaus entschieden werden? Besonders bei Älteren und Behinderten - haben diese Personen überhaupt eine Chance auf Leben? Ist das Problem bekannt?

Ilona Roth, Sprecherin des Landratsamtes in Greiz, dem Landkreis mit den meisten Corona-Infizierten in Thüringen: Der Ethikrat hat für die gesamte Bundesrepublik das Thema "Triage" aufgegriffen und z.B. ausgeführt, dass eine Entscheidung zur Beatmung nicht (allein) nach dem Alter entschieden werden kann. Da der Landkreis Greiz nach wie vor zur Bundesrepublik gehört, gelten auch hier die allgemeinen Empfehlungen. Diese Fragen kann und wird keine Stadt und kein Landkreis für sich alleine beantworten beziehungsweise Entscheidungen treffen.

Ab wann gelten Infizierte eigentlich wieder als gesund? Wird das irgendwie untersucht und bestätigt?

Rainer Lundershausen: Covid-19-Erkrankte sollten zwei Wochen fieberfrei sein und bei stationärer Behandlung zwei negative SARS-CoV-2-Testergebnisse aufweisen. Künftig eignet sich der Nachweis von SARS-CoV-2-Antikörpern im Blut. Sollten diese labordiagnostischen Analysen verfügbar sein, können sie als Nachweis der Genesung dienen. In Jena wird gegenwärtig an der Entwicklung eines schnellen Testverfahrens hierfür gearbeitet.

Ich schmecke und rieche seit einigen Tagen nichts mehr, hatte vor einer Woche Erkältungssymptome, die aber abgeklungen sind – das Nichtriechen und Nichtschmecken ist aber geblieben. Husten oder Fieber liegen nicht vor. Sollte ich einen Test machen lassen oder eher zu Hause bleiben und abwarten?

Ralf Lundershausen: Vorübergehende Geschmacks- und Geruchsstörungen können nach Erkältungsinfekten jeder Art auftreten, so auch im Zusammenhang mit einer Sars-CoV2-Infektion. Das alleinige Auftreten dieser Symptome dürfte aber eher die Ausnahme bei Covid-19 sein. Da Sie aber auch Erkältungssymptome hatten, ist eine Sars-CoV2-Infektion nicht auszuschließen. Insofern wäre eine häusliche Isolierung für zwei Wochen angezeigt gewesen. Eine nachträgliche Testung auf den Erreger ist im Ergebnis fragwürdig, da die ersten Symptome schon längere Zeit zurückliegen. Um eine sichere Aussage zu bekommen, wäre ein Sars-CoV2-Antikörpertest erforderlich. Der Zugang zu diesen diagnostischen Methoden ist aber noch schwierig, im konkreten Fall aber auch unerheblich, da Sie sich offenbar bereits in der Gesundungsphase befinden.

Warum kann ein Arzt seinen Patienten bei unveränderten Gesundheitsdaten nicht per E-Mail Rezepte zusenden beziehungsweise in Absprache mit der Apotheke dafür sorgen, dass der Patient dort seine Medikamente erhält? Das würde doch helfen, unnötige Kontakte zu vermeiden. Mein Diabetologe hat mich per Brief dazu aufgefordert, meinen Medikamentenbedarf für das kommende Quartal anzugeben – dann sandte er mir prompt das Rezept zu. Meine Frau hat das bei ihrer Hausärztin ebenfalls versucht, leider ohne Erfolg. Sie möge das Rezept in der Praxis abholen…

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen konnte auf diese Frage leider keine allgemeingültige Antwort geben. Offenbar entscheidet jeder Arzt selbst – nach seiner Kenntnis der Rechtslage. Das private Medizinische Versorgungszen-trum Kielstein, das in Thüringen an 15 Standorten Praxen hat, handhabt es seit dieser Woche so, dass in allen Praxen spezielle Boxen bereitstehen, in denen die Chipkarte kontaktlos eingelesen wird und die benötigten Bestellungen (Wiederholungsrezepte, Überweisungen, Verordnungen häuslicher Krankenpflege, Transportscheine und Dauerrezepte) unter Angabe von Name, Vorname und Geburtsdatum eingeworfen werden können. Anschließend werden die Rezepte und Verordnungen per Post an die Patienten verschickt. Alternativ können Chipkarten und Anforderungszettel an die Ärzte übersandt oder in die Praxisbriefkästen geworfen werden. Der Versand per E-Mail ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erlaubt.

Frau Merkel musste sich wegen einer Impfung in Quarantäne begeben. Wann ist eine Pneumokokken-Impfung angesagt und was kann oder soll eine „vorbeugende“ Pneumokokken-Impfung bewirken?

Rainer Lundershausen: Die Bundeskanzlerin hatte Kontakt zu einem Sars-CoV-2-infizierten Arzt, somit ist nach den RKI-Richtlinien die häusliche Isolation anzuordnen. Die Pneumokokken-Impfung schützt natürlich nicht vor einer Sars-CoV-2-Infektion. Den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung können aber pulmonale Zusatzerkrankungen deutlich verschlechtern. Gegen eine dieser Erkrankungen – die Pneumokokken-Pneumonie – würde die Impfung schützen.

Ich habe gelesen, dass diejenigen, die Corona überstanden haben, eine 30-prozentige Schädigung der Lunge zurückbehalten und möchte wissen, ob das stimmt?

Rainer Lundershausen: Nach Ausheilung einer Covid-19-Erkrankung bleiben regelhaft keine dauerhaften Lungenschädigungen zurück, allerdings bestehen bereits vor der Infektion bestehende Lungenerkrankungen fort und können sich auch verschlechtern. Weitere Informationen finden Sie auf dieser Internetseite.

Warum sind oft zwei Tests nötig, um Corona sicher zu erkennen?

Rainer Lundershausen: Regelhaft sind keine zwei Test erforderlich, um eine Sars-CoV-2-Infektion auszuschließen oder zu beweisen. Einzelne Mitteilungen sind bekannt geworden, die eine Infektion erst bei einer zweiten Testung nachgewiesen haben. Ob es sich aber möglicherweise um einen fehlerhaften ersten Test gehandelt hat, ist meines Erachtens nicht ausgeschlossen.

Wie stellen sich die Beschwerden beim Coronavirus konkret dar?

Stefan Moritz vom Universitätsklinikum Halle: Die charakteristischsten und häufigsten Beschwerden, sofern man überhaupt welche verspürt, gleichen denen einer Grippe: Husten und Fieber. Dass es eine Infektion mit dem Coronavirus ist, können jedoch nur entsprechende Tests und radiologische Untersuchungen, also bildgebende Verfahren, zweifelsfrei feststellen.

Wie verläuft eine Behandlung, wenn jemand an Covid-19 erkrankt?

Stefan Moritz: Das ist abhängig von den Symptomen, sofern welche auftreten. Momentan gibt es keine zugelassene Therapie zur Behandlung von Covid-19. Die Therapie erfolgt hauptsächlich symptomatisch, das heißt, die Begleiterscheinungen, die etwa denen einer Erkältung oder Grippe gleichen, werden behandelt. Es werden daher falls nötig Medikamente verabreicht, die fiebersenkend und entzündungshemmend wirken. In klinischen Studien befinden sich momentan einige Virustatika, mit denen bereits Erfahrungen bei anderen viralen Erkrankungen vorliegen, wie zum Beispiel Remdesivir und Lopinavir/Ritonavir. In schwereren Fällen von Covid-19 kann bei bakteriellen Superinfektionen der Einsatz von Antibiotika notwendig werden. Dies scheint nach dem momentanen Stand des Wissens eher selten der Fall zu sein.

Gibt es Erkenntnisse darüber, ob Grippe-Geimpfte besser gegen Corona geschützt sind?

Infektiologin Marylyn Addo: Nein. Auch wenn die Symptome einer Coronavirus-Infektion denen einer klassischen Grippe sehr ähnlich sein können, bietet eine Grippe-Impfung keinen Schutz gegen Sars-CoV-2. Eine Grippeimpfung gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) ist dennoch zur Prävention der Grippe sinnvoll.

Wie wird festgestellt, dass infizierte Personen geheilt sind und aus der Quarantäne entlassen werden können?

Marylyn Addo: Das Gesundheitsamt entscheidet, ob eine infizierte oder eine Kontaktperson in Quarantäne muss und ob diese Person im Krankenhaus oder zu Hause isoliert wird. Das Gesundheitsamt hebt auch die Quarantäne wieder auf. Eine Ent-Isolierung und Entlassung ist nach aktuellem Wissensstand und gemäß RKI-Empfehlungen frühestens zehn Tage nach Symptombeginn vertretbar, wenn seit mindestens 48 Stunden kein Fieber und mindestens 24 Stunden Covid-19-Symptomfreiheit bestehen und zwei negative Sars-CoV-2-PCR-Untersuchungen im Abstand von 24 Stunden aus Abstrichen von Nase-in-Rachen sowie Mund-in-Rachen gewonnen wurden.

Wann gilt ein Infizierter als geheilt?

Stefan Moritz: Ein Infizierter ist geheilt, wenn er keine klinischen Symptome mehr zeigt und das Virus mittels Labortest nicht mehr nachgewiesen werden kann. Es wird aber kaum möglich sein, bei allen Betroffenen Verlaufstestungen durchzuführen. Die radiologischen Veränderungen können wahrscheinlich noch über die klinische Symptomatik hinaus bestehen bleiben. Wie lange die Infektiosität über die Erscheinungsfreiheit hinaus besteht, ist ebenso noch unklar.

Wäre es auch im Nachhinein möglich, festzustellen, ob jemand das Coronavirus hatte?

Stefan Moritz: Wenn es unbedingt nötig wäre, könnte das im Nachhinein festgestellt werden mittels Blutuntersuchung. Im Blut sind dann entsprechende Antikörper nachweisbar. Solche Tests sollen in Kürze verfügbar sein.

Wie wird das Virus in einem Menschen ermittelt? Kann es Fehldiagnosen geben?

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit: Im Moment wird ein Testverfahren verwendet, das bereits kleinste Mengen Viruserbgut nachweisen kann. Diese sogenannten PCR-Tests sind sehr sensitiv und sehr spezifisch. Sensitiv bedeutet, dass alle Infizierten positiv getestet werden. Beispiel: Werden 200 Menschen getestet und 100 von ihnen haben Corona, werden auch 100 positiv getestet. Spezifisch bedeutet, alle Nicht-Infizierten werden als solche erkannt. Konkret: Werden 200 Menschen getestet und 100 von ihnen haben kein Corona, werden 100 negativ getestet. Wir haben durch die Genauigkeit des Tests eher das Problem, dass Menschen fälschlicherweise positiv getestet werden und nicht, dass Infizierte nicht erkannt werden.

Hinterlässt die Infektion mit dem Coronavirus anschließend eine bleibende Immunität, wie zum Beispiel bei Masern, oder kann man immer wieder daran erkranken, wie bei einer Grippe?

Marylyn Addo: Das ist noch nicht abschließend geklärt. Erste Untersuchungen haben zwar ergeben, dass Menschen, die eine Infektion überstanden haben, Antikörper und damit eine Immunität gegenüber dem Virus entwickelten. Unklar ist aber, wie lange diese Immunität anhält.

Gibt es eine Impfung zum Schutz gegen Lungenentzündung und wäre sie jetzt ratsam?

Marylyn Addo: Man kann sich gegen den häufigsten Erreger einer bakteriellen Lungenentzündung im Alter, gegen Pneumokokken, impfen lassen. Eine solche Standardimpfung empfiehlt die Stiko allen Menschen ab dem 60. Lebensjahr. Allerdings gilt wie auch bei der Grippeimpfung: Durch eine Pneumokokken-Impfung ist man nicht vor Infektionen mit Sars-CoV-2 geschützt.