Halbe Hilfe für Thüringer Schäfer in Not

Erfurt  Das Thüringer Umweltministerium will den Berufsstand unterstützen und Artenschutz stärken, ist aber auf Brüssel angewiesen.

Ein Schäfer hütet in Hohenfelden (Kreis Weimarer Land) eine Herde Schafe.

Ein Schäfer hütet in Hohenfelden (Kreis Weimarer Land) eine Herde Schafe.

Foto: Martin Schutt/DPA

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Die für den Schutz von Tier- und Pflanzenarten wichtige Pflege von Grünlandbiotopen durch grasende Ziegen und Schafe steht in Thüringen vor einem tiefgreifenden Wandel. „Die Schafhaltung als landwirtschaftliches Produktionsverfahren verabschiedet sich dramatisch“, sagte Gerhard Schuh, Zuchtleiter des Landesschafzuchtverbands, gestern unserer Zeitung.

Derzeit sind es etwa 100.000 Schafe und Ziegen, die 33.000 Hektar ökologisch wertvolle Wiesen-, Rasen- und Heideflächen pflegen. Vor 20 Jahren gab es in Thüringen 180.000 Mutterschafe. „An der Biotopgrünlandpflege beteiligen sich etwa 1000 Tierhalter“, teilte das Umweltministerium auf Anfrage mit.

Das neue Sonderförderprogramm namens SchaZie, das heimische Schaf- und Ziegenhalter mit jährlich einer 1,5 Millionen Euro aus dem Haushalt des Umweltministeriums unterstützen will, soll diesen Niedergang bremsen und damit dem Artenschutz helfen.

Das Programm hat jedoch zwei Nachteile. Erstens: Es profitieren vor allem die Halter kleinerer Nutztierbestände bis zu 200 Tieren – mit negativen Folgen für den Artenschutz. „Solche Hobbybetriebe sind oft nicht in der Lage, große Flächen zu bewirtschaften“, erklärt Zuchtleiter Schuh.

Der zweite Nachteil ist: Ausgerechnet jene besonders frustrierten Schäfer, deren Herden vom Wolf heimgesucht werden oder die ihre Schafe mit Hunden und durch spezielle Zäune vor dem Raubtier schützen wollen, profitieren nur wenig bis gar nicht von dem Sonderförderprogramm.

Der Grund: Jeder Halter von mindestens 20 Schafen kann Förderung von maximal 5000 Euro pro Jahr erhalten. Wer den Betrag als SchaZie-Prämie erhält, hat keinen Anspruch auf Wolfsschutz-Geld. Umgekehrt gilt: Wer 5000 Euro „Wolfsgeld“ kassiert, bekommt nichts mehr aus der SchaZie-Schatulle.

Das Umweltministerium hat das Problem erkannt. Die Lösung liegt jedoch bei der EU. Man rechne damit, dass das Problem noch in diesem Jahr in Brüssel gelöst werde, teilte ein Ministeriumssprecher mit.

„Das bisherige Verfahren bezeugt den guten Willen des Thüringer Umweltministeriums“, sagt Zuchtleiter Gerhard Schuh. „Es ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

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