Jeder Flurgang bringt neue Spuren ans Licht

Vieselbach/Utzberg.  Spurensuche auf weiter Flur: Wiedelborn, ein Dorf zwischen Utzberg und Vieselbach

Auf einer Karte aus dem Jahr 1816 ist Wiedelborn noch als Siedlung verzeichnet, die auf dem direkten Weg von Vieselbach nach Utzberg liegt.

Auf einer Karte aus dem Jahr 1816 ist Wiedelborn noch als Siedlung verzeichnet, die auf dem direkten Weg von Vieselbach nach Utzberg liegt.

Foto: Sammlung Manfred Langguth

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Im 16. Jahrhundert gab es im Umkreis von Weimar neben den noch heute bestehenden Orten einige andere kleine Dörfer. Jetzt gibt es diese Orte nicht mehr. Zeiten, in denen viele Siedlungen aufgegeben wurden, nennt man Wüstungsperioden. An diese aufgegebenen Siedlungen erinnern nur noch Urkunden, Flurnamen, Reste im Boden oder örtliche mündliche Überlieferungen. Auch aus der Luft können Wüstungen durch Farbanomalien oder Bewuchs erkannt werden. In vielen Gegenden setzte die schriftliche Überlieferung erst spät ein. Viele Wüstungen wurden zufällig entdeckt, weil sie überwachsen waren oder durch landwirtschaftliche Bearbeitung und Witterung eingeebnet wurden. Gründe für die Entstehung von Wüstungen waren vielfältig.

Schon im 14. und 15. Jahrhundert wurden Siedlungen aufgegeben, was mit der hochmittelalterlichen Umstrukturierung der ländlichen Sozial- und Wirtschaftsstruktur zusammenhängt. Es kam im 13. Jahrhundert zunehmend zu Stadtgründungen und es gab Abwanderungen aus den Dörfern in die aufstrebenden Städte. Die später Wüstungen gewordenen kleinen Dörfer lagen oft in Rodungsgebieten und hatten kaum Befestigungen. Die den Landesausbau betreibenden Feudalherren blieben auf ihren Höfen und Burgen im seit Langem besiedelten Land wohnen. Eine große Wüstungsperiode war im 17. Jahrhundert. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und verheerende Pestepidemien reduzierten die Bevölkerung gewaltig. Es kam zum Exitus mehrerer Dörfer auch im Umland von Weimar.

Fuhrmann und Häuser verfassten 1968/69 das Werk „Der spätmittelalterliche Wüstungsvorgang im Lichte der Wüstungs- und Flurnamen des Kreises Weimar“. Neben diesem Werk stand noch eine Karte 1:100000 „Die Wüstungen um Weimar“ von Manfred Ihle (um 1965) zur Verfügung. Der Status der Wüstungen wurde aufgegliedert in urkundlich beglaubigt, gesichert, unsicher und sehr unsicher. Eine in der Nähe Vieselbachs liegende Wüstung, Wiedelborn, ist die interessanteste in dieser Aufzählung. In Messtischblättern mehrerer Jahrhunderte wurde eine Flur in der Gemarkung Utzberg als „Wiedelborn“ bezeichnet. Die topographische Lage war in den verschiedenen Karten annähernd gleich. Ebenfalls dienten die Inhalte verschiedener Luftbilder zur Orientierung.

Nach Auswertung der genannten Unterlagen machten sich die beiden Vieselbacher Heimatforscher Manfred Langguth und Winfried Schneider auf die Suche vor Ort. Ziel war es, im Lagebereich der ehemaligen Siedlung Nachweise zu finden. Die Suchen nach Siedlungsresten fanden im Herbst 2018 und 2019 statt und waren natürlich vom Bearbeitungsstand der Äcker abhängig. Das Quellgebiet (Born) des Weidenbaches (Wiedel) ist noch vorhanden, aber trockengelegt. Der Bach in Richtung Willerbrücke (z.Z. trocken) ist verrohrt. Auf den Ackerflächen wurden verschiedene Platten- und Sockelsteine, Ziegel- und Dachziegelsteine sowie Keramikteile aus früherer Zeit gefunden. Damit gab es einen kleinen Kontakt zur Vergangenheit des Dorfes Wiedelborn. Natürlich können durch Grabungen und wissenschaftliche Bearbeitung größere Ergebnisse erreicht werden, aber das überlassen die Amateure den Profis.

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