Kabelkunden in Pößneck sehen die Dritten unscharf

Hans-Joachim Schulz beklagt, dass er viele TV-Sender nur in Standard-Qualität und nicht in Full HD empfangen kann. Das Anbringen einer Satellitenschüssel wird ihm nicht erlaubt. Vermieter bittet ihn um etwas Geduld.

Da fehlt das HD: Mieter Hans-Joachim Schulz aus Pößneck beklagt, dass Kabel Deutschland die 3. TV-Programme nicht in HD-Qualität ausstrahlt. Eine Satellitenschüssel darf und will er nicht an das Haus anbringen. Foto: Peter Cissek

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Pößneck. Seit zweieinhalb Monaten werden alle öffentlich-rechtlichen TV-Programme in HD-Qualität ausgestrahlt. "In diesen Genuss kommen wir leider nicht, denn wir sind als Mieter an Kabel Deutschland gebunden. Und Kabel Deutschland bietet nur ARD, ZDF und Arte in hochauflösender Qualität an. Für die Privatsender habe ich für monatlich fünf Euro ein HD-Paket erworben. Doch die anderen Sender empfange ich wie bisher lediglich in Standardqualität", beklagt Hans-Joachim Schulz, der mit seiner Frau am Mittelweg in Pößneck wohnt.

Schon mehrere Anläufe habe er unternommen, um den MDR und die anderen dritten Programme, aber auch 3Sat und Spartenkanäle wie EinsFestival oder ZDF.Info in Full HD empfangen zu können. Doch ob Vermieter, Kabel Deutschland oder Landesmedienanstalt: Überall habe er nur Absagen erhalten. "Eine Satellitenschüssel darf ich an unser Haus nicht anbringen, was ich auch einsehe. Selbst wenn ich auf Satellitenfernsehen zugreifen würde, müsste ich monatlich 9,60 Euro an Kabel Deutschland bezahlen", beruft sich der 69-jährige Rentner auf seinen Mietvertrag mit der Wohnungsgenossenschaft Pößneck.

Wenn das Ehepaar nicht unterwegs ist, beginnt der Fernsehtag meist um 14 Uhr mit "MDR um 2". Bislang habe er sich auch mit Fernsehen in Standardqualität begnügt, räumt Hans-Joachim Schulz ein. Doch bei seinem neuen Full-HD-Fernseher mit einer Bilddiagonale von 94 Zentimetern wirkt das Bild unscharf. Wie zum Beweis schaltet Schulz immer wieder zwischen HDTV- und digitalen Sendern um. "Wir finanzieren mit unserem Rundfunkbeitrag das öffentlich-rechtliche Fernsehen in HD-Qualität mit, also möchten wir es auch in dieser Qualität sehen", fordert der Pößnecker.

"Generell speist Kabel Deutschland nur neue Sender ins Kabelnetz ein, wenn für die Einspeisung eine entsprechende vertragliche Grundlage geschaffen wurde, die neben technischen Parametern auch finanzielle Details regelt. Im Jahr 2010 hatten ARD und Kabel Deutschland die Verbreitung des hochauflösenden Programms Das Erste HD vertraglich vereinbart. Die HD-Einspeisung weiterer öffentlich-rechtlicher Programme der ARD wird dadurch erschwert, dass die öffentlich-rechtlichen Sender sich gegen eine vertragliche Einigung mit Kabel Deutschland sperren. ARD und ZDF möchten künftig nichts mehr für den Transport ihrer Programme zu den Fernsehzuschauern zahlen. Insofern werden wir bis zu einer Einigung keine weiteren öffentlich-rechtlichen Sender in unser Kabelnetz einspeisen", erklärte Klaus Rosenkranz, Pressereferent bei Kabel Deutschland. Sein Unternehmen sei im Sinne der Fernsehzuschauer sehr an einer zeitnahen Einigung mit den öffentlich-rechtlichen Sendern interessiert und jederzeit gesprächsbereit. Dadurch könnten weitere HD-Sender im Netz von Kabel Deutschland verbreitet werden. "Unabhängig davon wird wird Kabel Deutschland bis Mitte 2014 eine Lösung erarbeiten, die die Verbreitung weiterer Programme der öffentlich-rechtlichen Sender im HD-Standard beinhaltet, die bislang analog und oder in SD-Qualität ausgestrahlt werden", so Rosenkranz.

Das sieht Susanne Odenthal, Leiterin Presse und Information beim Mitteldeutschen Rundfunk, etwas anders: Der MDR biete die HD-Programmsignale in brillanter Bild- und Tonqualität allen Kabelnetzbetreibern zur Weitersendung an und diese können wiederum das Programm ihren Kunden zur Verfügung stellen. "Es gibt also weder technische noch juristische Probleme, das MDR-Programm in HD zu verbreiten. Die meisten Kabelnetzbetreiber tun das auch. Bis auf zwei Ausnahmen: Kabel Deutschland und Unity Media", erklärt die MDR-Sprecherin. Diese beiden Kabelnetzbetreiber möchten nach Odenthals Angaben zweimal kassieren: einmal vom Lieferanten der Programmsignale und einmal vom Kunden. Daher habe Kabel Deutschland alle Sender der ARD und das ZDF auf eine Fortsetzung von Zahlungen von Einspeiseentgelten verklagt. "Der Vertrag, der diese Zahlungen regelte, stammte historisch aus einer Zeit, als die Kabelnetze noch staatlich waren, und ist inzwischen ausgelaufen. Heute sind die Netze privatisiert und damit würde eine Weiterzahlung solcher Einspeiseentgelte durch die öffentlich-rechtlichen Sender auf eine Quersubventionierung eines privat agierenden Konzerns hinauslaufen. Mit ihrer Auffassung, dass ihnen wie in der Vergangenheit Einspeiseentgelte zustehen, sind Kabel Deutschland und Unity Media vor den Gerichten bislang stets gescheitert. Leider hält dies die beiden Unternehmen nicht davon ab, sämtliche gerichtlichen Instanzen zu bemühen", erklärt Susanne Odenthal.

Der MDR bedaure es sehr, dass Kabel Deutschland sich gegen die Interessen der eigenen Kunden entscheide wie in dem Fall des Mieters in Pößneck. Falls ein Wechsel des Empfangswegs in Frage kommt, gäbe es eine Reihe von Empfangsalternativen zum Breitbandkabel. Dazu zähle beispielsweise terrestrisches Fernsehen oder IPTV (Internet Protocol Television ). Mit einer entsprechenden Internetverbindung können die Programme des MDR und der ARD auch im Internet als Livestream direkt von den Rundfunkanstalten, als Angebot von IPTV-Anbietern wie Telekom oder Vodafone oder über Web-TV (zum Beispiel Zattoo) empfangen werden. "Sollte der Mieter einen gemeinschaftlichen Vertrag haben, so könnte er beziehungsweise die Mietergemeinschaft, auch einen Wechsel zu einem anderen Kabelnetzbetreiber anstreben", erklärt die MDR-Sprecherin. Für Rückfragen zu weiteren technischen Informationen stehen die Kollegen der technischen Hotline unter technik@mdr.de und unter Telefon (0341) 300 9595 zur Verfügung.

"Natürlich können wir das Ärgernis eines unserer Mieter, die dritten Programme nicht in HD-Qualität empfangen zu können, verstehen", erklärt Gabriele Blödner, geschäftsführender Vorstand bei der Wohnungsgenossenschaft Pößneck eG. Sie spricht von einer Interessenabwägung zwischen Mieter und Vermieter: Das Anbringen einer Satellitenschüssel verletze das optischen Interesse des Vermieters und die Substanz des Genossenschaftsvermögens. "Das Mieterinteresse besteht in der Informationsfreiheit, die durch eine vorübergehend eingeschränkte Empfangsqualität nur unwesentlich beeinträchtigt ist", so Gabriele Blödner. Sie bittet die Mieter der Genossenschaft, sich noch bis zum zweiten Quartal 2014 zu gedulden. Dann werde auch Kabel Deutschland die öffentlich-rechtlichen dritten Programme in HD-Qualität ins Kabelnetz einspeisen, erklärte die Wohnungsgenossenschaftschefin nach telefonischer Rücksprache mit dem Kabel-Deutschland-Kundendienst.

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