Längst eine Instanz: Manuela Knothe fünf Jahre Schulsozialarbeiterin in Ellrich

Ellrich  Schulsozialarbeiterin Manuela Knothe arbeitet seit 2013 an der Ellricher Regelschule. Längst ist sie hier eine Instanz geworden.

Auf Manuela Knothe (Mitte), die Schulsozialarbeiterin, können wir zählen. Darin sind sich die Ellricher Schüler Lena Schulze, Celina Dietrich, Cassandra Sauer und Lena Gerbothe (von links) einig.

Auf Manuela Knothe (Mitte), die Schulsozialarbeiterin, können wir zählen. Darin sind sich die Ellricher Schüler Lena Schulze, Celina Dietrich, Cassandra Sauer und Lena Gerbothe (von links) einig.

Foto: Kristin Müller

Die vier Zehntklässler wollen ihre Schulsozialarbeiterin nicht mehr missen: „Auf sie können wir immer zählen“, meint Celina Dietrich. „Sie hat immer ein offenes Ohr“, findet auch Lena Gerbothe. „Mit ihr kann man so gut lachen“, denkt Lena Schulze an so viele gemeinsame Momente zurück. Und Cassandra Sauer erinnert sich an eine wunderbare Lesenacht und eine grandiose Schneeballschlacht.

Manuela Knothe (32) hört‘s und lächelt, ihr Blick verrät etwas Verlegenheit. In Momenten wie diesen weiß sie, dass es richtig war, den ursprünglich eingeschlagenen Weg für ein Berufsleben bei einer Bank verlassen zu haben: Die gelernte Bankkauffrau studierte 2010 bis 2013 Gesundheits- und Sozialwesen an der Nordhäuser Hochschule. Nicht, dass sie damals schon vorhatte, Schulsozialarbeiterin zu werden. Aber sie wusste seit der Arbeit im internen Bereich der Bank, dass sie den Kontakt zu anderen Menschen braucht, dass das Soziale ihres ist.

Durch Praktika fand sie den Weg in die Jugendhilfe, nach Studienabschluss folgte die Anstellung bei der Caritas, die in der Ellricher Regelschule Träger der Schulsozialarbeit ist.

„Jedes Kind ist etwas Besonderes. Da kann es ein noch so großes Striefchen sein“, sagt Manuela Knothe. Diese Überzeugung teilt sie mit Carola Böck. Als Schulleiterin obliegt ihr es, den Unterricht zu organisieren – in Zeiten des Lehrermangels keine einfache Sache. Aber weil Schule mehr ist als eine Stätte zur Wissensvermittlung, sei die Schulsozialarbeit enorm wichtig: „Als Bindeglied zwischen Schülern, Eltern und Lehrern“, sagt Carola Böck.

„Wenn ich bei einem Lehrer nachher eine Leistungskontrolle schreiben muss, werde ich nicht so einfach erzählen, was mich beschäftigt, was daheim los ist“, meint Manuela Knothe zur größeren Distanz zwischen Schülern und Lehrern als zwischen Schülern und ihr.

Bewusst ist sie eines jeden Morgens schon zu Schulbeginn da: „Denn es lässt sich nicht Deutsch oder Englisch lernen, wenn ich einen Rucksack voller Probleme mit mir herumschleppe. Den muss ich erstmal auspacken können.“ Braucht jemand Hilfe, sehe sie das oft schon an dessen Gesichtsausdruck, an dessen Blick.

Neue AG‘s vom Schulbudget geplant

Manuela Knothe hört von Problemen mit Lehrern, von verbalen oder auch körperlichen Auseinandersetzungen daheim. Sie ist zum Schweigen verpflichtet. Gleichwohl sorgt sie dafür, dass Schule die richtigen Konsequenzen zieht, möglicherweise die Eltern eingeladen werden, das Jugendamt eingeschalten wird. Wöchentlich bespricht sich die Schulsozialarbeiterin mit den beiden Klassenlehrern einer Klasse zu Problemen. Braucht jemand eine Einzelförderung, soll diese ihm zuteil werden. Den Förderunterricht bestreiten sonderpädagogische Fachkräfte gemeinsam mit Manuela Knothe. Auch an der Hausaufgabenbetreuung der Fünft- bis Achtklässler wirkt die Schulsozialarbeiterin mit.

Wichtig ist ihr auch, dass die Schüler lernen, selbst im Leben zurechtzukommen. Also begleitet sie eine Schülerfirma, die selbst Lebensmittel einkauft, um daraus Zubereitetes zu verkaufen. In der Lehrküche steht sie regelmäßig, um mit Schülern zu kochen oder zu backen. Carola Böck, selbst für die CDU kommunalpolitisch aktiv, ist froh über die Vollzeitstelle für die Schulsozialarbeit. Doch hänge diese leider jedes Jahr aufs Neue davon ab, dass das nötige Geld dafür im Landeshaushalt eingestellt wird. Auch kritisiert sie, dass die Summe über die Jahre konstant bleibt – trotz Lohnsteigerungen. Konsequenz sei dann oft nur eine Stundenkürzung.

Mit Manuela Knothe ist sie sich einig, dass Schulsozialarbeit nicht nur an Regel- und Berufsschulen nötig ist, sondern ebenso an Grundschulen und Gymnasien: „Die Probleme sind dort nur eben andere.“

Das vorigen Sommer in Thüringen eingeführte Schulbudget von 30 Euro pro Schüler für Arbeitsgemeinschaften begrüßt Böck auch vor dem Hintergrund, damit die Ganztagsschule zu ermöglichen. Nur seien die von diesem Geld bezahlte AG‘s schwer zu organisieren: Eingesetzt werden darf nur schulfremdes Personal. Sie kann sich vorstellen, dass neben Chor, Bergwacht-AG und Sport-AG‘s weitere hinzukommen: eine Koch-AG zum Beispiel, vielleicht Gitarrenunterricht, eine Rückenschule für Kinder. Auch das neue Sportgelände an der Schule mit Kletterturm und Skaterbahn soll belebt werden.

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