Leinefelder vermissen verschwundenes Idyll Waldklause Köhlersgrund

Eichsfeld.  Der Eichsfelder Winter vor 50 Jahren brachte an 144 Tagen eine geschlossene Schneedecke, die auch auf einer Köhlersgrund-Postkarte zu sehen ist.

Außen in eine dicke Schneedecke gehüllt und innen gemütlich –  so präsentierte sich die Waldklause „Köhlersgrund“ bei Leinefelde vor 50 Jahren.

Außen in eine dicke Schneedecke gehüllt und innen gemütlich – so präsentierte sich die Waldklause „Köhlersgrund“ bei Leinefelde vor 50 Jahren.

Foto: Kühler, Leinefelde, VEB Bild und Heimat Reichenbach, Sammlung R. Schmalzl

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Tief verschneit wie eine Bergbaude im Thüringer Wald, im Erzgebirge oder gar im Alpenvorland präsentierte sich vielfach zur Winterszeit froh gelaunten Ausflüglern ein Lokal nach nur knapp einem halbstündigen Spaziergang von Leinefelde aus. Eingeschlossen von einem Tannenwäldchen, lag die Waldklause Köhlersgrund mit einem plätschernden Bächlein wie in einem Gebirgstal. An dieses Idyll einst direkt vor ihrer Haustür erinnern sich gerade in diesen Tagen wehmütig wohl manche ältere Leinefelder und Eichsfelder.

Und in dem Jahrhundertwinter 1969/70 war das knapp zwei Jahre zuvor fertiggestellte Kleinod wie gemacht für die Leinefelder und ihre Gäste, um bei einem Abstecher in das Naherholungszentrum Köhlersgrund mit anschließender Einkehr in die Konsumgaststätte in eine nicht alltägliche Winterwelt einzutauchen. Das Innere war rustikal, im Stil einer Bergbaude und für damalige DDR-Verhältnisse relativ anspruchsvoll ausgestattet. Ein großer Kachelofen versprühte an kalten Wintertagen schon beim bloßen Anblick wohlige Wärme.

Während des nicht enden wollenden und fast fünf Monate dauernden Winters vor nunmehr 50 Jahren gab es aber nicht nur rund um den 393,7 Meter hohen Köhlerberg am nordwestlichen Stadtrand von Leinefelde Schnee in Hülle und Fülle. Vor allem stöhnten damals die Menschen in den Höhenlagen des Eichsfeldes über Schneemassen. Bereits am 25. November 1969 verzeichnete Eduard Fritze (89) in Wachstedt eine Rekordschneehöhe von 86 Zentimetern. Während des Winters 1969/70 registrierte der Hobbymeteorologe eine über 144 Tage anhaltende geschlossene Schneedecke Mit 167,5 Litern Niederschlag pro Quadratmeter stellte der Februar 1970 einen weiteren Rekord auf. Der Niederschlag fiel natürlich ausschließlich als Schnee.

Zu den relativ wenigen Bilddokumenten von jenem außergewöhnlichen Winter gehört die 1970 erschienene Ansichtskarte „Grüße aus der jungen Stadt Leinefelde“ mit zwei Winteraufnahmen vom Köhlersgrund. Wintermotive finden sich ohnehin sehr selten auf Eichsfelder Postkarten. Das hier abgebildete Exemplar ist zwar nicht unbedingt eine Rarität, hat aber im Laufe von fast 50 Jahren auch schon zwei Mal die Alpen überquert. Denn die Karte war zwischenzeitlich bei einem Sammler und Händler in Wallsee (Niederösterreich) gelandet. Ihre „Jungfernreise“ trat die Winterkarte übrigens zur Sommerszeit, am 2. Juni 1971, von Heiligenstadt aus zu einer Dame in Muldenstein (Sachsen-Anhalt) an.

Die Waldklause „Köhlersgrund“ gibt es nun seit über 30 Jahren nicht mehr. Sie war laut Chronik an der Stelle einer Blockhütte durch das Nationale Aufbauwerk am 14. Oktober 1967 als öffentliche Gaststätte eingeweiht worden. Schlecht meinte es das Schicksal auch mit dem umgebenden Waldstück nahe der heutigen A 38, wo das Orkantief „Friederike“ am 18. Januar 2018 gewütet hat.

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