Pedelecs als Schulbus-Alternative

Schleiz  Die seit zehn Jahren bestehende Leader-Aktionsgruppe Saale-Orla hilft derzeit insgesamt 35 Projekten auf die Sprünge

Mit einem Pedelec, wie es hier ExtraEnergy-Chef Hannes Neupert vorstellt, könnten künftig auch Schüler der Schleizer Goetheschule zum Unterricht und nach Hause fahren.

Mit einem Pedelec, wie es hier ExtraEnergy-Chef Hannes Neupert vorstellt, könnten künftig auch Schüler der Schleizer Goetheschule zum Unterricht und nach Hause fahren.

Foto: extraenergy.org

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Schüler im ländlichen Raum sind täglich mitunter zwei Stunden unterwegs, um mit dem Schulbus zur Schule und wieder nach Hause zu gelangen. An der Regelschule „Johann Wolfgang von Goethe“ in Schleiz soll vermutlich ab 2018 drei Jahre lang mit einem Modellprojekt getestet werden, ob Schüler nicht lieber ein Pedelec nutzen möchten.

„Menschen, die sich bereits in der Kindheit viel und gern bewegten, bleiben meist bis ins hohe Alter körperlich aktiv“, sagte Alexander Pilling von der Leader-Aktionsgruppe Saale-Orla. Diese werde das vom in Tanna ansässigen und bundesweit agierenden Verein ExtraEnergy initiierte Vorhaben unterstützen und finanziell fördern, welches von einem Sportmediziner fachlich begleitet werde.

Bei jungen Leuten hätten die Fahrräder mit Elektromotorunterstützung, wenn der Fahrer in die Pedale tritt, ein Rentner-Image. Gemeinsam mit den Schülern sollen geeignete, mountainbike-ähnliche Modelle gefunden werden, die sich trotz ändernder Körpergröße der jugendlichen Nutzer über Jahre verwenden lassen. Bei dem Modellprojekt sei auch die Errichtung einer Abstellmöglichkeit mit Ladesäulen an der Schule gedacht, damit die anfangs 60 Nutzer „mit Rückenwind“ heimfahren können, so Pilling. Ferner soll geprüft werden, ob die Pedelecs von den Eltern ähnlich der Ein-Prozent-Regelung für die private Nutzung von Dienstwagen finanziert werden können. „Denn wir wollen den Schülern auch die Möglichkeit geben, in der Freizeit Freunde in Nachbardörfern zu besuchen“, erklärte der Regionalmanager. Pilling könnte sich auch vorstellen, dass Schulabgänger in ihren Lehrjahren, in denen sie noch über keinen Führerschein verfügen, mit dem ­Pedelec unabhängig von den ­Linienbus-Fahrplänen gut zu ihrem Ausbildungsbetrieb kommen. Das Jugendpedelec-Konzept ist nur eines von derzeit insgesamt 35 Förderprojekten, die die seit zehn Jahren bestehende, 57 Mitglieder zählende Leader-Aktionsgruppe im Saale-Orla-Kreis inklusive der Region Lehesten in der Förderphase 2015 bis 2020 auf die Sprünge helfen will. Für diese und weitere Projekte in diesem Zeitraum stehen 2,1 Millionen Euro zur Verfügung. In der EU gibt es rund 2600 Leader-Regionen, davon in Thüringen 321.

Im Förderzeitraum von 2007 bis 2013 wurden 14 private und 43 kommunale Vorhaben wie die Errichtung von Dorfgemeinschafthäusern oder das vom Landkreis getragene Projekt „Schulessen Saale-Orla – regional, gesund und gut“ unterstützt. Auf Grundlage der aktuellen Regionalen Entwicklungsstrategie hat sich das Verhältnis in zwei kommunale und 33 private Förderprojekte umgekehrt, welche sich den Schwerpunkten Lebensqualität, Fachkräftesicherung und Tourismus widmen. So will das als Geigenduo Novalis bekannte Ehepaar Cornelia und Jürgen Schwab mit rund 100 000 Euro Fördermitteln eine ehemalige Unternehmervilla in Hirschberg ausbauen, in der im Erdgeschoss ein Konzertsaal und in der Etage darüber Unterrichts- und Unterkunftsräume entstehen sollen. Im ­Rittergut Lausnitz bei Neustadt wurde eine Lohnmosterei errichtet, in der Interessenten Saft aus eigenen Äpfeln herstellen lassen können. Antje Jäschner will den Wellnessbereich für ihre Ferienwohnungen in der Lückenmühle ausbauen, ihre Tochter Maria den dazugehörigen Garten umgestalten lassen, nannte Pilling weitere Beispiele.

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