Schloss Rohrbach wird versteigert

Leipzig/Erfurt/Dresden  Das einstige Rittergut im Weimarer Land soll demnächst als eine von 17 Thüringer Immobilien den Besitzer wechseln. Der Mindestpreis liegt bei 35.000 Euro. Die Gemeinde bangt mit.

Schloss Rohrbach im Jahr 2007. Damals war der frühere Rittersitz im Norden des Weimarer Landes

Schloss Rohrbach im Jahr 2007. Damals war der frühere Rittersitz im Norden des Weimarer Landes

Foto: Candy Welz

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Von der einstigen Pracht ist durchaus noch etwas übrig geblieben: das Kreuzgewölbe im Erdgeschoss, ein großzügig gestaltetes Treppenhaus, Stuck, Parkett und der reich verzierte einstige Rittersaal. Schloss Rohrbach im Kreis Weimarer Land, um 1777 erbaut durch die Familie von Wurm, war einst ein stattlicher Wohnsitz, auf dem auch Goethe ein gern gesehener Gast war.

Doch der alte Glanz ist verblasst, dem denkmalgeschützten Bau seine wechselvolle Geschichte anzusehen. Nach der Enteignung 1945 wurde er als volkseigenes Gut, später als Kita, Bürgermeisteramt und zu Wohnzwecken genutzt. Ganz besonders aber setzte ihm die Untätigkeit seiner Eigentümer in den vergangenen Jahren zu: Die Nordhäuser Eigentümerfamilie, die das Rittergut 2006 bei einer Versteigerung durch die Landesentwicklungsgesellschaft für 22.000 Euro erworben hatte, tat nichts für seinen Erhalt. Nachdem der letzte Mieter – ein Gnadenhof für Pferde, Hunde und Katzen – ausgezogen war, bot sie Schloss und Grundstück auf der Internet-Plattform Ebay an.

Doch da offenbar niemand bereit war, die dort geforderten 350.000 Euro zu berappen, lieferte sie die Immobilie jetzt bei den Sächsischen Grundstücksauktionen AG ein. Deren Experten bewerteten das Gebäude neu und setzten das Mindestgebot für die Versteigerung am 24. Mai bei 98.000 Euro an – immerhin noch fast das Fünffache des einstigen Preises.

Die Rohrbacher werden die Auktion, bei der insgesamt 111 Immobilien aus fünf Bundesländern unter den Hammer kommen, mit besonderer Spannung verfolgen. Denn sie betrachten das Schloss nach wie vor als ihres, sein heruntergekommener Zustand dauert sie. Deshalb hoffen sie, dass es nicht wieder an jemanden gerät, dem es nur ums Geschäftemachen geht. Denn aus dem Gebot Nummer 49 – da sind sie sich sicher – lässt sich noch etwas machen.

Das ehemalige Rittergut in Rohrbach ist vielleicht die markanteste unter den 17 Thüringer Immobilien, die bei der Sommerauktion versteigert werden. Ein neuer Besitzer wird aber unter anderem auch für die Hotelanlage „Kleiner Inselsberg“ in Brotterode und Bad Tabarz, also genau auf der Grenze der Landkreise Gotha und Schmalkalden-Meiningen, gesucht. Die aus mehreren Gebäuden bestehende Herberge, die ab September vertragsfrei ist, ist voll ausgestattet und kann im Grunde nahtlos weiterbetrieben werden. Vorausgesetzt, man ist willens, mindestens 250.000 Euro dafür zu bieten, zuzüglich Nebenkosten, die bei einer Auktion anfallen.

In Suhl-Goldlauter steht das ehemalige Kreiswehrersatzamt, ordentlich, gepflegt – und zu haben ab 195.000 Euro; in der Greizer Plietzstraße soll ein Mehrfamilienhaus von 1869 versteigert werden. Es ist laut Angebotskatalog nicht nur in gutem Zustand, sondern weist unter anderem auch eine hübsche Bleiverglasung in der Eingangstür auf. Hier liegt das Mindestgebot bei 185.000 Euro.

Für nur 15.000 Euro wird dagegen ein Erholungsgrundstück mit Bungalow und eigenem Brunnen in Eisenberg aufgerufen, wie auch etliche unbebaute Grundstücke zu haben sind. Schloss Rohrbach ist indes nicht der einzige der „Lost Places“, die diesmal unter den Hammer kommen: Neue Eigentümer werden auch für das Jagdschloss Ramstedt im Landkreis Börde gesucht, 1831 nach den Entwürfen des Architekten und Baumeisters August Friedrich Stüler für Graf Afrian von Zieten erbaut. Die Gestaltung des Parks geht auf Gartenkünstler Peter Joseph Lenné zurück.

Mehr unter www.sga-ag.de

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