Thüringens Lehrer haben zu wenig Zeit für ihre Schüler

Erfurt. Nur etwa drei Viertel der von den Lehrern tatsächlich geleisteten Arbeitszeit kommen direkt den Schülern zugute. Das restliche Viertel müssen sie aufwenden, um schulbürokratische Aufgaben zu erledigen.

Denn laut Gewerkschaftserhebung arbeiten Thüringens Lehrer in der Woche durchschnittlich 43,4 Zeitstunden, statt der  im Tarifvertrag vorgesehenen 40.  An den Gymnasien sind es 44,9  und an den  Gemeinschaftsschulen 48,1 Stunden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Das geht aus einer Studie des Landesverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hervor. Mehr als 760 Lehrkräfte nahmen über vier Wochen an der Arbeitszeiterhebung teil. Es war die erste derartige Erhebung bei Lehrern in Thüringen überhaupt, hieß es.

Laut gesetzlicher Regelungen muss eine Lehrkraft an Thüringer Schulen, je nach Schulart, 23 bis 27 Pflicht-Unterrichtsstunden halten. Dazu kommen noch Vor- und Nachbereitung sowie Korrekturen. "In einer Lehrerarbeitszeitverordnung soll das künftig geregelt werden, so wie es ein Bundesverwaltungsgerichtsurteil von 2012 festschreibt", meint GEW-Landesvorsitzender Torsten Wolf. Das Bildungsministerium erstellte eine Vorlage, die aber durch den Finanzminister blockiert wird, kritisiert Wolf.

Wie unsere Zeitung erfuhr, wollte Wolfgang Voß (CDU) bei dieser Gelegenheit die Pflichtstundenzahl noch erhöhen. Inzwischen habe er eine positive Reaktion signalisiert, so dass nun zeitnah die Arbeitszeitverordnung der Landesregierung verabschiedet werden kann.

"Das ist eine gute Nachricht für die Lehrer, weil die bisherigen Regelungen weiter gelten und die Pflichtstunden nicht erhöht werden", erklärte Gerd Schwinger, Sprecher des Bildungsministeriums. Um die Situation zu verbessern, werde man wie im Vorjahr auch 2014 wieder 400 neue Lehrer einstellen. 150 sind bereits seit Februar im Dienst, die übrigen 250 kommen im August. Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) will dieses Jahr weitere 100 einstellen, um mit dem Aufbau einer Personalreserve zum Absichern des Unterrichts beginnen zu können, so Schwinger. Doch das Finanzministerium gab bislang kein grünes Licht dafür.

"Wenn uns die GEW-Studie vorliegt, werden wir uns mit den Forderungen intensiv beschäftigen", sagt Schwinger und widerspricht, dass nur drei Viertel der Zeit den Schülern zugute kämen. "Vor- und Nachbereitung gehören dazu, verbessern die Qualität des Unterrichts."

Denn laut Gewerkschaftserhebung arbeiten Thüringens Lehrer in der Woche durchschnittlich 43,4 Zeitstunden, statt der im Tarifvertrag vorgesehenen 40. An den Gymnasien sind es 44,9 und an den Gemeinschaftsschulen 48,1 Stunden.

"Wir haben dabei nicht den Zeitaufwand für Fahrten zwischen den Schulen bei den Lehrern erhoben, die an mehreren unterrichten", so Torsten Wolf von der Gewerkschaft. Da dies etwa jeden Dritten betreffe, sei der tatsächliche Aufwand noch höher. "Insbesondere bei Förderschullehrern, die in der Regel im gemeinsamen Unterricht an mehreren Schulen gleichzeitig eingesetzt sind."

Die Erhebung der GEW habe außerdem gezeigt, dass die Tätigkeiten als Klassenleiter im Schnitt 5 volle Stunden in der Woche erfordern. "Wir als GEW fordern, dass jeder Klassenlehrer künftig 2 Stunden als als Reduzierung der Pflichtstunden erhält", so der Landeschef.

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