Uni Jena enthüllt Gedenktafel für den ersten Computer der DDR

Jena. Die Universität Jena enthüllt am 10. April eine Gedenktafel am Ernst-Abbe-Platz für den ersten Computer der DDR.

Die Oprema war ein Relaiscomputer, der bis zu seiner Verschrottung im Jahr 1963 vor allem für Optikberechnungen eingesetzt wurde. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Die Oprema war ein Relaiscomputer, der bis zu seiner Verschrottung im Jahr 1963 vor allem für Optikberechnungen eingesetzt wurde. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Foto: zgt

Am Ernst-Abbe-Platz in Jena weht ein besonderer Geist: Dort steht nicht nur das erste solitäre Hochhaus Deutschlands. Gleich gegenüber befand sich der Bau 13a des Carl Zeiss-Hauptwerkes - der Standort des ersten Rechenautomaten der DDR und eines der ersten Computer Deutschlands. Die Optik-Rechenmaschine - kurz Oprema - konstruierte 1954/55 ein Team des VEB Carl Zeiss Jena um Entwicklungsleiter Wilhelm Kämmerer, der nach seiner Zeit bei Zeiss als Professor für Kybernetik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig war.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Fakultät für Mathematik und Informatik der Uni Jena erhält die Oprema nun eine Gedenktafel. Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke, Dekan Prof. Dr. Hans-Jürgen Schmeißer und der Professor für Didaktik der Informatik/Mathematik Prof. Dr. Michael Fothe werden die Tafel am Mittwoch den 10. April um 16 Uhr vor dem Gebäude Ernst-Abbe-Platz 2 feierlich enthüllen - in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Baus 13a. "Die Entwicklung der Oprema zeigt, dass Jena schon frühzeitig ein führender Standort für Informatik war", sagt Prof. Fothe. Der Bau 13a sei zudem das erste Rechenzentrum Ostdeutschlands gewesen, so der Jenaer Fachdidaktiker.

Die Oprema war ein Relaiscomputer, der bis zu seiner Verschrottung im Jahr 1963 vor allem für Optikberechnungen eingesetzt wurde. Große Rechensäle mit rauchenden Köpfen gehörten nun der Vergangenheit an: Die Oprema ersetzte die Arbeit von mehreren Dutzend Menschen. Zwar vereinfachten sich die Berechnungen deutlich. "Die Entwicklungszeiten für Objektive verkürzten sich dank der Oprema auf ein Zehntel", weiß Prof. Fothe. Doch die Bedienung des neuen Apparates blieb eine Tätigkeit für Spezialisten. Denn die Programmierer mussten ein aus heutiger Sicht wahres Rechenmonstrum bedienen: Die Oprema war eine Maschine mit einer Grundfläche von etwa 55 Quadratmetern, knapp 17.000 Relais und 500 Kilometern verbauten Leitungen.

Für gewöhnliche Multiplikationen und Divisionen benötigte die Oprema eine knappe Sekunde - und war damit ein wenig langsamer als der vergleichbare Zuse-Computer Z5. "Aber hinsichtlich der Stromaufnahme war die Oprema absolut überlegen", betont Michael Fothe. Denn während der Zuse-Computer 5.000 Watt benötigte, lag der Energiebedarf der Oprema gerade einmal bei 40 Watt – also etwa so viel wie die Lampe über dem Küchentisch.

Mit der Gedenktafel kehrt einer der bemerkenswertesten Gegenstände der Technikgeschichte Jenas zumindest symbolisch zurück auf den Ernst-Abbe-Platz. "Mit der Oprema hat immerhin eine ganze Entwicklungslinie in Jena begonnen", verweist Prof. Fothe auf das Nachfolgemodell ZRA 1 und die durch Wilhelm Kämmerer bestehende enge Verbindung zwischen regionaler Wirtschaft und Universität - einem wichtigen Entwicklungsmotor, damals wie heute.

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