Vorerst bleibt geheim, wohin das Bratwurstmuseum zieht

Landkreis  Derzeit beschäftigt viele Gäste die Zukunft des Bratwurstmuseums in Holzhausen. Man habe sich etwa 20 bis 25 potenzielle Standorte angesehen und viele Gespräche geführt.

Vor dem Bratwursttheater berichtete Michael Kirchschlager (links), dass er auf eine Urkunde von der Wasserburg Kappendorf bei Erfurt gestoßen ist, die belegt, dass sich die Ritter einst mit Bratwürsten für den Kampf stärkten.

Vor dem Bratwursttheater berichtete Michael Kirchschlager (links), dass er auf eine Urkunde von der Wasserburg Kappendorf bei Erfurt gestoßen ist, die belegt, dass sich die Ritter einst mit Bratwürsten für den Kampf stärkten.

Foto: Berit Richter

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Mit seiner Bratwurst wusste Probst Johann von Siebeleben die schöne Annegret zu bezirzen und den verfressenen Bischof Lullus zu überzeugen. Am 20. Januar 1404 war das, also vor 615 Jahren. Dass der Probst des Arnstädter Klosters an diesem Tage die Ausgabe von Geld für Bratwurstdärme notierte, ist historisch belegt, alles andere Fiktion des Holzhäuser Bratwursttheaters. Damit begann am Sonntag in Holzhausen der Jahresempfang der Freunde der Thüringer Bratwurst. Am Ende aber stand die Frage: Muss die Bratwurst-Geschichte neu geschrieben werden?

Bei der Recherche für sein Buch „Teuflische Werkzeuge – Thüringer Burgen im Krieg“ stieß der Arnstädter Autor und Verleger Michael Kirchschlager auf eine Urkunde der Wasserburg Kappendorf bei Erfurt, die belegt, dass sich die Ritter dereinst mit Bratwürsten für den Kampf stärkten. 180 Stück sollen in der Kammer gehangen haben – am 26. März 1392. „Ich will das gar nicht werten“, sagte Michael Kirchschlager. „Das sollen andere tun. Aber natürlich habe ich meine Entdeckung mitgeteilt.“ Kirchschlager tat dies stilecht, als Ritter der Wasserburg.

Viel mehr als die Frage nach dem wahren Ursprung der Thüringer Bratwurst beschäftigte die zahlreich erschienenen Gäste aber die nach der Zukunft des Museums. „Eigentlich wollten wir heute den neuen Standort bekannt geben, aber es fehlen noch die Unterschriften“, sagte Vereinsvorsitzender Uwe Keith. Und sein Vize Thomas Mäuer warb um Verständnis, „dass wir das Projekt auf den letzten Metern nicht mehr gefährden wollen.“

Man habe sich etwa 20 bis 25 potenzielle Standorte angesehen und viele Gespräche geführt. „Die Entscheidung ist gefallen“, so Mäuer. „Wir werden sie in den nächsten Tagen, vielleicht ein, zwei, drei Wochen, bekannt geben.“ Bis dahin sollen letzte Details im dicken Vertragswerk mit dem Investor, der eine siebenstellige Summe aufbringen wird, geklärt werden.

Zwei Dinge aber seien Fakt: „Wir werden diesen Standort aufgeben, bleiben aber in Thüringen.“ Irgendwo zwischen „Suhl und Nordhausen, Eisenach und Jena“ soll der neue Standort liegen. Er sei ein „toller“, sagt Mäuer, der es ermögliche, die Idee Bratwurstmuseum weiter zu entwickeln, künftig noch mehr für Thüringens kulinarisches Kulturgut zu werben.

In Holzhausen sei man nun einmal an seine Grenzen gestoßen. 50.000 Besucher pro Jahr und 400 Reisebusse verkrafte der Standort nicht. Zudem fehle es an der Barrierefreiheit. Man wolle künftig mehr für Kinder anbieten, besser zeigen, wie die Wurst entstehe. Innerhalb von zwei Jahren soll der Umzug erfolgen. Für den jetzigen Standort werde sich sicher eine gute neue Nutzung finden, zeigte sich Thomas Mäuer überzeugt. Und der Verein der Freunde der Thüringer Bratwurst mit seinen rund 350 Mitgliedern soll Holzhausen erhalten bleiben.

Für 2019 sind mehrere neue Ausstellungsstücke geplant. So soll es angelegt an die Körperwelten, die „Kulinarischen Körperwelten“ geben. In einem Leipziger Atelier entstehen gerade Figuren von Johann von Siebeleben und Barbara von Uhlstedt, die künftig am Eingang die Besucher begrüßen sollen. Eine Bratwurstsonnenuhr ist in Bau und auf der Bratwurstwaage soll man nach den Genuss einer Wurst „fünf Kilo weniger wiegen“. Die Weinfreunde wollen ihre Fläche verdoppeln und auch Rotwein anbieten, kündigte Hans Ullrich an.

Botschafter Thüringens weiter aus Holzhausen

Auch 2019 wird es wieder eine Bratwurstiade (3. Oktober) und ein Museumsfest mit Songcontest (19. Mai) geben. Am 16. März erfolgt auf dem Erfurter Domplatz bei der Rostkultur der offizielle Start in die Grillsaison. Der Internationale Tag der Bratwurst am 16. August soll größer gefeiert werden. Und auch den Bratwurstcup der Seifenkisten (7. September) möchte man weiter ausbauen und sich für das Publikum etwas einfallen lassen, so Uwe Keith.

Bei Veranstaltungen, wie aktuell der „Internationalen Grünen Woche“ in Berlin, wird man als Werbebotschafter für Thüringen und seine Wurst auftreten. Das hat sich auch der neue Bratwurstkönig Norbert I. auf die Fahnen geschrieben. „Die Anmeldung der Thüringer Wurst zum Weltkulturerbe soll in meiner Amtszeit erfolgen“, kündigte er an. Und das Bratwursttheater bestreitet 2019 seine zehnte Spielzeit.

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