Weg           des        Wandels

Erfurt  Mitten durch die Stadt Erfurt führt ein grünes Band – die Gera. Am Nordpark weitet es sich zur Nördlichen Geraaue auf. Bis zur Bundesgartenschau wird der knapp fünf Kilometer lange Abschnitt nach Gispersleben umgestaltet.

Im Kilianipark von Gis-persleben ist der Mühlgraben bereits geöffnet, das Wasser glitzert in der Sonne. Fotos: Holger Wetzel

Foto: Holger Wetzel

Die Nördliche Geraaue von Erfurt ist nicht der Ort, an dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Sie kommen hierher, um etwas zu erleben.

Für die Kontemplation sanft schaukelnder Blätter gibt es abgelegenere Orte. Den Reiz unserer Wanderung macht die Veränderung aus. Und doch bleibt der Wanderer stets im Grünen.

Wir stehen unterhalb des alten Garnisonslazaretts auf einer kleinen Terrasse über dem Nordpark. Eine Blickachse über die Auenstraße führt zum Steiger, im restlichen Blickfeld rauschen die Wipfel der Hangbäume. Der Hangbalkon stammt aus den 50-er Jahren. Das Geländer ist leicht verbogen.

Bis zur Bundesgartenschau (Buga) 2021 wird das Geländer erneuert, sagt der Erfurter Gartenamtsleiter Sascha Döll, der uns begleitet. Wir haben wohl gerade die kleinste Maßnahme gefunden, die in dem grünen Band der Geraaue in den nächsten Jahren geplant ist.

An mehreren Stellen im Nordpark rollen schon die Bagger. Einen Steinwurf entfernt vom Nordpark-Balkon ist eine zehn Meter breite Erdbahn freigelegt. Ein gigantisches Blumenbeet wird dort entstehen.

Unterwegs hangabwärts sehen wir beidseits der Auenstraße lang gestreckte Hügel. Sie zeugen von gewaltigen Erdarbeiten. Die Erde wird für den weiteren Gebrauch an anderer Stelle gelagert.

Im Umfeld des Nordbades werden ein Skaterpark und ein Multi-Feld für den Freizeit-Ballsport vorbereitet. Wie überall in der Geraaue entstehen neue Spielplätze. Grünflächen werden erweitert. Sascha Döll, der die Pläne für die Umgestaltung bestens kennt, hört gar nicht mehr auf mit seiner Aufzählung.

Der Weg nach Norden folgt immer der Gera, mal am üppig bewachsenen Ufer, mal mit größerem Abstand. Im Nordpark stehen Solitäre und Baumgruppen elegant verteilt. Auch die Vorväter haben sich etwas dabei gedacht, als sie den Park angelegt haben.

Über den Wipfeln ragen in der Ferne Punkthochhäuser in den Himmel. Von der Pappelstiegbrücke aus genießen wir kurz den Blick auf den Fluss und das neu gestaltete Ufer. Doch bleiben wir auf der Westseite und folgen der Auenstraße, bis sie in die Riethstraße mündet.

Der Asphaltabschnitt ist nicht der idyllischste unserer Wanderung. Doch ist er eine Schlüsselstelle für alle, die sich für den Wandel in der Geraaue vor der Buga interessieren.

Rechterhand hinter einem Drahtzaun, wo heute noch die wellige, abgeholzte Brachfläche eines früheren Klärwerks zu sehen ist, soll der gesamte Uferbereich terrassenförmig neu modelliert werden. Spiel-, Sport- und Picknickmöglichkeiten, aber auch eine Obstplantage sind geplant. Laut Sascha Döll werden so nicht nur Angebote für die Bürger geschaffen. Aus gestalterischer Sicht vermitteln solche Flächen auch zwischen der Stadt zur Linken und der Natur zur Rechten.

Der Weg wird künftig weit vor der Riethstraße zum Ufer hin abknicken und durch die grünen Freizeitterrassen führen. Wir treffen erst hinter der Sportanlage „Am Nordpark“ wieder auf die Gera.

Hinter der Riethstraße wartet linkerhand die Radrennbahn Andreasried. Das Zeltdach scheint auf Spinnenbeinen zu stehen. Hinter dem Eingangsportal huschen Rennfahrer beim Training vorbei.

An der Fußgängerampel überqueren wir die Warschauer Straße. Das ist noch so lange nötig, bis, hoffentlich rechtzeitig zur Buga, die Brücke dieser viel befahrenen Straße neu gebaut ist. Dann wird der Uferweg, an dieser Stelle zugleich der Gera-Radweg, geradewegs unter der Brücke hindurch geleitet.

Kurz darauf führt der einzige Anstieg, der aber den Namen nicht verdient, auf die Fußgängerbrücke über die Hauptstraße der „Nördlichen Querverbindung“ NQV. Auch diese Brücke wird durch einen schicken Neubau ersetzt. Noch steht sie, und vom Scheitelpunkt lassen wir den Blick schweifen. Links die Wohnscheiben und Punkthochhäuser, unter uns der Verkehr, vor uns breitet sich die Aue aus.

Neben der Straße schlängelt sich das Bett des Marbaches reizvoll durch einen Grünzug – der Bach wird geöffnet und fließt schon bald frei in die Gera. Am Ufer steht das Fundament eines neuen Schau-Wasserkraftwerks. Mitten in der Geraaue, zwischen dem gestreckten Gebäude eines Jugendclubs und dem Fluss, ist ein großer Teich mit Steg geplant.

Dahinter passieren wir ein Baseball-Feld. Auch hier stehen Bagger: Das Sportfeld wird gedreht, um die Spielbedingungen zu verbessern. Rechts plätschert die Gera ruhig hinter den Uferbäumen – eine Konstante auf dem Weg des Wandels.

Gispersleben ist erreicht. Wo Fluss und Weg sanft nach Nordwest abbiegen, stand einmal ein gewaltiges Kraftwerk. Es ist abgerissen: Die Fläche soll den Park vergrößern.

Am Ufer ist es schon grün. Die Umwelt-Landesanstalt hat eine Flussschleife gebaut, die Ufer abgeflacht und neu bepflanzt. Eine Fußgängerbrücke mit blauem Bogen zwischen den Gisperslebener Ortsteilen Viti und Kiliani steht kurz vor der Eröffnung.

Auch im Kilianipark mit seinen schattigen Wegen unter alten Bäumen sind die wichtigsten Arbeiten erledigt: Der einst verrohrte Mühlgraben fließt im neuen Bett, in dem eine Fischtreppe aus Natursteinen für kleine Strudel sorgt. Die Strudel glitzern in der Sonne.

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