Von Lawine getötete Thüringer: Ermittlungen gegen fünf Personen

Bozen/Hauteroda.  Eine 35-jährige Thüringerin und ihre siebenjährige Tochter sterben bei einem Lawinenunglück in Südtirol. Das Land und die Heimatgemeinde sichern den Angehörigen Hilfe zu.

Bei dem Lawinenunglück in Südtirol sind eine Thüringerin und ihr Kind getötet worden.

Bei dem Lawinenunglück in Südtirol sind eine Thüringerin und ihr Kind getötet worden.

Foto: Uncredited / dpa

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Bestürzung und Trauer herrschen in der 500-Einwohner-Gemeinde Hauteroda im Kyffhäuserkreis. Zwei Menschen aus dem Ort, eine 35-jährige Frau und ihre siebenjährige Tochter, starben bei einem Lawinenunglück in Südtirol.

Das Dorf befinde sich in einer Schockstarre, bestätigt der Ortschaftsbürgermeister Norbert Eichholz im Gespräch mit dieser Zeitung. „Solch ein Unglück ist immer furchtbar, es macht aber natürlich zusätzlich betroffen, wenn es jemanden aus dem eigenen Ort trifft“, sagt Eichholz, der selbst eine siebenjährige Enkelin hat. Es sei schrecklich, wenn das Schicksal so zuschlage.

Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich am Sonntag schockiert über die traurige Nachricht. „Hier wurde großes Leid über eine Familie gebracht, die einfach ihren wohlverdienten Winterurlaub machen wollte“, sagte er.

Siebenjährige erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen

Die Lawine hatte sich am Samstag auf etwa 3000 Metern Höhe gelöst und war auf die Piste in das tiefer gelegene Skigebiet Schnalstal am Teufelseck gerast. Einen Kilometer lang und 200 Meter breit soll das Schneebrett nach Berichten italienischer Medien gewesen sein. Die Schneemassen begruben die Thüringer offenbar vor den Augen des unverletzten Familienvaters.

Die Mutter sei nach Angaben der italienischen Behörden noch am Unglücksort gestorben. Ihre Tochter wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Trient gebracht, wo sie später ihren schweren Verletzungen erlag.

Auch eine Familie aus Eschweiler in Nordrhein-Westfalen wurde verschüttet. Während der Vater und sein elfjähriger Sohn verletzt gerettet werden konnten, starb die siebenjährige Tochter noch am Unglücksort.

Ramelow sichert Angehörigen Hilfe zu

Die betroffene Familie sei in Hauteroda als hilfsbereit bekannt, sagte Bürgermeister Norbert Eichholz. „Wenn Hilfe gebraucht wurde, waren sie da.“ Sie hätten in dem Ort ein Haus ausgebaut. „Wir werden schauen, wie wir der Familie in dieser Situation helfen können“, sagte der Bürgermeister. Auch Ramelow versicherte, dass die Landesregierung den Angehörigen Hilfe anbieten werde.

Staatsanwalt ermittelt nach Lawinenunglück - Experte soll Klarheit schaffen

Nach dem Lawinenunglück ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen fünf Personen. Sie seien wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Verursachung eines Lawinenunglücks in das Ermittlungsregister eingetragen worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Bozen am Montag mit. Um wen es sich dabei handelt, wurde nicht bekannt. Die Unglückspiste im Schnalstal sei für die Beweisaufnahme gesperrt worden. Die Leichen seien zur Überführung freigegeben worden.

Ermittelt werden muss, wie es zu der Katastrophe kam und was die Lawine ausgelöst hatte. Die Frage ist unter anderem, ob der Skipistenbetreiber das Lawinenrisiko falsch eingeschätzt hat oder ob ein Skifahrer abseits der Piste das Schneebrett ausgelöst hatte. Die Staatsanwaltschaft beauftragte einen Lawinenexperten, der den Hergang rekonstruieren soll.

Am Montagabend waren Gedenkfeiern im Schnalstal angesetzt. Bei einem Fackelzug würden Skilehrer der örtlichen Skischule in der Nähe der Unglückspiste abfahren, sagte eine Mitarbeiterin der Skischule. Der Fackellauf sei jedes Jahr, finde diesmal aber stiller und ohne Party statt. Nach Angaben der Gemeinde fällt am Dienstag das offizielle Silvesterfeuerwerk aus.

Auch die Südtiroler Landesregierung gedachte am Montag im Rahmen einer Regierungssitzung der Todesopfer und sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus, wie eine Sprecherin in Bozen erklärte. Am Abend sollte es zudem eine Gedenkfeier in einer Kirche im Schnalstal geben.

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