Catharinau : Der Fallwind war‘s – und kein Tornado

Catharinau  Eine Arbeitsgruppe aus Meteorologen und anderen Wissenschaftlern hat das Ereignis von Catharinau untersucht.

Vor allem an dem Solarfeld zwischen dem Rinderstall und der Kreisstraße Catharinau-Kirchhasel hat der Fallwind am Mittwoch nach Ostern erhebliche Schäden angerichtet, die sich nach ersten Schätzungen auf eine halbe Million Euro summierten.

Vor allem an dem Solarfeld zwischen dem Rinderstall und der Kreisstraße Catharinau-Kirchhasel hat der Fallwind am Mittwoch nach Ostern erhebliche Schäden angerichtet, die sich nach ersten Schätzungen auf eine halbe Million Euro summierten.

Foto: Martin Hauswald

Am 4. April, dem Mittwoch nach Ostern, erlebten die Einwohner von Catharinau gegen 18.30 Uhr ein Naturschauspiel, das sich jetzt als Fallwind (Microburst) herausstellte. Der Sturm, den die Polizei am nächsten Tag zunächst als Windhose vermeldet hatte, deckte Teile des Stalldaches der Agrargenossenschaft Catharinau ab und richtete erhebliche Schäden an den benachbarten Solarmodulen an. Die Schadenshöhe wurde mit rund einer halben Million Euro angegeben.

Vier Tage nach dem Ereignis nahm die Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland vor Ort eine „schadensanalytische Erkundung“ vor. Wir fassen die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Wie war die Wettersituation an dem Abend in der Region?

Am 4. April 2018 zog gegen Abend eine ausgeprägte Gewitterlinie über Teile Thüringens. Vereinzelt kam es zu Schäden durch Starkwindereignisse, etwa in Meuselbach, Oberweißbach, im Raum Erfurt und im Raum Schmalkalden. Die größten Schäden gab es in Catharinau.

Auf welcher Grundlage fand die Untersuchung statt?

Viele der Dach- und Solarmodul-Trümmer waren aus dem Schadensareal bereits entfernt worden. Das abgedeckte Stallgebäude auf dem Agrarhof, die beschädigte Biogasanlage, die stark beschädigte Solaranlage und vor Ort befindliche Vegetationsschäden waren noch auffindbar.

Mittels Foto- und Videomaterialien, die am 4. April und am 5. April von Augenzeugen gemacht wurden, konnte man sich ein genaues Bild der Trümmerteile, der Trümmerflugrichtungen, der Verfrachtungsentfernungen, der Einschlagsursachen und der Einschlagseinwirkungen verschaffen.

Welche Flugbahn nahmen die einzelnen Trümmerteile?

Ausgehend von einem Stallgebäude auf dem Agrarhof konnten die Flugbahnen vieler Trümmerteile plausibel nachvollzogen werden. Demnach wurde das Dach des Stalls mitsamt Solarmodulaufbau abgehoben und Teile der dazu gehörigen Trümmer in Richtungen von Nordostost bis Ostsüdost in ausgefächerter Form verteilt.

Bei den Trümmerteilen handelte es sich um Metalldachteile, einzelne Teile der Holzverbundkonstruktion und Solarmodule der Photovoltaik-Anlage, die auf dem betroffenen Stalldach installiert waren.

Insgesamt konnten 54 Großeinschlagsspuren der Trümmerteile analysiert werden mit dem Ergebnis, dass die Trümmerverteilung eine großflächige Auffächerung von bis zu 80 Grad aufzeigt. Die weiteste Trümmerflugspur konnte an zwei gut 200 Meter entfernten Bäumen an der Saale direkt neben der Straße (K18) festgestellt werden.

Zu welchem Ergebnis kommt die Untersuchung?

Nach Auswertung der Analyse-Ergebnisse konnte ein klassischer Microburst (sehr kleinräumiger Fallwind) als Auslöser der Schäden nachgewiesen werden. Ein Tornado ist im Fall Catharinau nach schadensanalytischer Auswertung ausgeschlossen.

Wie oft treten Tornados in Deutschland pro Jahr auf?

2017 gab es 28 Tornados, davon elf Wasserhosen. Thüringen war letztmals 2016 mit Tornados in Ellrich (15. Juni), Friedebach und Weira (beide am 4. September) betroffen.

Wer verbirgt sich hinter der Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland?

Ein eingetragener Verein mit Sitz in Mainz. Die Gruppe, bestehend aus Experten verschiedener interdisziplinärer Fachrichtungen der Bereiche Meteorologie, meteorologischer Forensik, Schadenserkundung, Forstwirtschaft, Medienwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und vieler unwetterinteressierter Laien, hat sich zum Ziel gesetzt, mit ihrer Arbeit die Tornadoforschung in Deutschland tatkräftig zu unterstützen.