Neuhaus: Der Meteorologe und das Sturmtief

Saalfeld/Neuhaus  Rüdiger Manig vom Deutschen Wetterdienst hat das Notstromaggregat sicherheitshalber nochmals ausprobiert.

Rüdiger Manig vom Deutschen Wetterdienst steht an einer Sichtmarkentafel. Archivfoto: Michael Graf

Rüdiger Manig vom Deutschen Wetterdienst steht an einer Sichtmarkentafel. Archivfoto: Michael Graf

Foto: Michael Graf

„Es gelten Warnungen des Deutschen Wetterdienstes“ – mit dieser Standardformulierung endeten in den letzten Stunden viele Wetterberichte. Dass sie entstanden, ist der Arbeit vieler Frauen und Männer beim DWD zu verdanken, aber auch immer mehr automatischen Stationen. Ende 2015 war es, als auch in Neuhaus auf dem Bornhügel der Mensch als Wetterwart keine unmittelbare Funktion mehr hatte. Immerhin: Alle Mitarbeiter blieben weiterhin hier oben angestellt.

Rüdiger Manig ist seitdem ganz offiziell auch Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter und den Lesern dieser Zeitung ohnehin durch seine monatlichen Bilanzen vertraut. Was aber machen Meteorologen, wenn sie so ein Sturmtief, an dessen Prognose sie gar nicht mehr direkt beteiligt sind, auf sie zu rauscht?

„Eigentlich zunächst erstmal das, was jeder Hausbesitzer tun sollte“, sagt Rüdiger Manig. „Wir schauen noch mal im Gelände rund, ob da wirklich nichts ist, was umher fliegen könnte.“ Immerhin 845 Meter hoch liegt die Wetterwarte, also dort, wo es ganz besonders brausen dürfte. Die empfindlichen und hochwertigen Messinstrumente aber werden dem Wetter trotzen müssen, denn aus diesem Grunde stehen sie ja dort.

„Früher war es unsere besondere Aufgabe, die Messeinrichtungen auch in Funktion zu halten“, berichtet Rüdiger Manig. Er hat in den drei Jahrzehnten beim Deutschen Wetterdienst auch manche Instrumentengeneration kommen und gehen sehen.

Ultraschall hat die Windmessräder ersetzt

Um Windräder, die wegen des Schneefalls blockiert sind und so den Wind nicht mehr messen können, muss sich keiner mehr Gedanken machen, denn längst machen Ultraschallsensoren diese Arbeit. Um Schnee als Niederschlag in der üblichen Angabe Liter je Quadratmeter messen zu können, wurde früher der Schnee in möglichst großen Trichtern gesammelt, am unteren Ende erhitzt, also verflüssigt, und dann als Menge gemessen. Heute wird der Schnee als Niederschlag gewogen.

Zuletzt war noch die Schneehöhenmessung im buchstäblichen Sinne in der Hand der Meteorologen, doch auch dies erledigt inzwischen ein lasergestütztes System. Wo dieses auf einem Berg aufgestellt werden sollte, auf dem Schneeverwehungen und damit verfälschte Messungen durchaus nicht ungewöhnlich sind, da brauchte es dann doch die Erfahrung der Mitarbeiter. 47 Zentimeter zeigte das System nach einem kräftigen Schauer um die Mittagsstunde an. Ein Wert, der sich im Laufe der kommenden Stunden noch deutlich erhöhen sollte.

„Wir haben inzwischen immer mal wieder gegengemessen und festgestellt, dass unsere Handarbeit und das automatische System einander meist recht nahe kommen“, sagt Rüdiger Manig. Und plaudert bei der Gelegenheit noch aus anderen Erfahrungsschatzkästchen.

„Wir wissen, wie es klingt, wenn eine Böe um die Warte faucht und sich der Wind am Gebäude fängt. Und schätzen dann, wie stark sie war. Wenn dann auch die Systeme einen ähnlichen Wert gemessen haben, macht das doch ein bisschen stolz.“

Deswegen kann es sicher auch nicht schaden, noch einen konventionellen Trichter für die Niederschlagsmessung als Sicherheits-Lösung in Bereitschaft zu haben.

Eines nämlich wollen die Meteorologen auf jeden Fall vermeiden: Dass ausgerechnet dann, wenn es drauf ankommt, die Technik unter den extremen Bedingungen ausfällt. „So gut unsere Schätzungen auch sind, eine Versicherung etwa gibt sich für die Schadensregulierung nicht mit unserem Bauchgefühl zufrieden.“

So robust die Gerätschaften auch gebaut sind, eine Achillesferse gibt es doch: Ohne Strom nützt alle Elektronik nichts. Und weil deren Ausfall in waldreicher Gebirgsgegend immerhin einkalkuliert werden muss, steht ein Notstromaggregat für den Fall der Fälle bereit. Dass dieses auch anspringt, wenn es gebraucht wird, das hat Rüdiger Manig gestern auch noch einmal außer der Reihe kontrolliert.

„Und auf die Datenleitungen, die die Werte übermitteln, war bisher immer Verlass“, weiß der Meteorologe.

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