Nachforschungen zu Teilnehmern des Harraer Todesmarsches

Sophie Filipiak
| Lesedauer: 2 Minuten
Dieser Auszug aus der Kirchenchronik in Harra vom 12. Mai 1945 zeigt den Eintrag über die Beerdigung der Opfer des Todesmarsches zwischen Lemnitzhammer und Harra.

Dieser Auszug aus der Kirchenchronik in Harra vom 12. Mai 1945 zeigt den Eintrag über die Beerdigung der Opfer des Todesmarsches zwischen Lemnitzhammer und Harra.

Foto: Claus Walkowiak

Harra  Gedenkstätte Buchenwald ermittelt erste Informationen über Identität der KZ-Häftlinge

Der Todesmarsch von KZ-Häftlingen aus Buchenwald durch Harra ist nun schon viele Jahre her. Unklar ist aber weiterhin, wer genau die Personen waren, die von den SS-Offizieren in unbarmherziger Weise durch die Orte getrieben wurden. Sieben von ihnen starben auf dem Marsch und wurden bei Lemnitzhammer notdürftig verscharrt.

Claus Walkowiak vom Heimatmuseum Harra hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, die Identität der Verstorbenen herauszufinden. Daher wandte er sich an Harry Stein, wissenschaftlicher Sachbearbeiter in der Gedenkstätte Buchenwald. Bezüglich der Nachforschungen gibt es nun eine Zwischenbilanz. Laut dem Sachbearbeiter „handelte es sich bei dem Marsch, der durch Harra ging, um den ersten, am 7. April 1945 abgehenden Todesmarsch.“ Mehr ist bis jetzt noch nicht bekannt.

Es gibt einige Augenzeugenberichte über den Todesmarsch, der am 11. April 1945 Halt in Lemnitzhammer machte. Sie berichten von Häftlingen, die vor Hunger und Durst versuchten, Gras zu essen und aus dem Bach zu trinken. Aber sie wurden von den Wachhunden der SS-Wachen zurückgetrieben. Die Tiere waren so abgerichtet, dass sie die KZ-Häftlinge vom Wasser und auch vom Gras wegrissen. Das wiederholte sich auch in Harra, wie andere Augenzeugen ­berichten.

Sieben Häftlinge wurden auf dem Marsch von Lemnitzhammer nach Harra erschossen und von den Häftlingen notdürftig am Wegesrand verscharrt. Die Toten bekamen aber später ein ordentliches Begräbnis. Ein Dokument hierzu befindet sich im Kirchenarchiv Harra. Dort ist mit dem Datum 12. Mai 1945 zu lesen: „Sieben Opfer mensch­lichen Hasses sind in einem ­gemeinsamen Grabe auf dem oberen Friedhof begraben nach Auffinden zwischen Lemnitzhammer und Harra in einer kirchlichen Feier beigesetzt worden. Wir Menschen kennen ihre Namen nicht. Gott kennt sie.“ Bis heute erinnert ein Grabstein auf dem Harraer Friedhof an die Toten des Gewalt­marsches.