Neue Ausstellung an der Universität Jena ab 12. Mai: Die alten Schachteln

Die Ausstellung „hide & seek: aufbewahren, schützen, ordnen, verstauen, verstecken in den Sammlungen “ zeigt eine besondere Seite der Sammlungskultur.

Diese Objekte werden in einer neuen Sonderausstellung im Hauptgebäude der Universität Jena vorgestellt: Fotoschachtel aus der Fotosammlung Haeckel (l.), Zigarrenschachtel "Perle von Jena" aus der Sammlung Ur- und Frühgeschichte (r.), Behältnis für medizinische Nachbildungen aus der Sammlung Meyer-Steineg (im Hintergrund, Glasbehätlnis aus der Glassammlung Chemie (vorn). Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Diese Objekte werden in einer neuen Sonderausstellung im Hauptgebäude der Universität Jena vorgestellt: Fotoschachtel aus der Fotosammlung Haeckel (l.), Zigarrenschachtel "Perle von Jena" aus der Sammlung Ur- und Frühgeschichte (r.), Behältnis für medizinische Nachbildungen aus der Sammlung Meyer-Steineg (im Hintergrund, Glasbehätlnis aus der Glassammlung Chemie (vorn). Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Foto: zgt

Eins, zwei, drei, vier, Eckstein – alles muss versteckt sein. Was für dieses alte Kinderspiel gilt, ist auch eine über Jahrhunderte angewandte Praxis im Umgang mit wertvollen Gegenständen: Was der Mensch als besonders kostbar betrachtet, versucht er zu schützen, indem er es verhüllt. Die Verpackung versteckt das Objekt gewissermaßen vor den neugierigen Augen anderer und schützt es vor Schmutz und dem „Zahn der Zeit“. So haben auch Universitäten von Beginn an ihre wissenschaftlichen Kostbarkeiten gehütet, seien es Sammlungsstücke für die Lehre oder symbolische Schätze, wie Siegel, Kunstwerke oder historische Gewänder.

Versteckspiel in der Uni

Nicht immer, sogar eher selten, nutzten die Sammlungsbeauftragten der Universitäten extra angefertigte Behältnisse. Viel mehr war aus Mangel an entsprechendem Aufbewahrungsmaterial bei einer großen Masse an Objekten Improvisation gefragt. So wurden unter anderem Zigarrenschachteln oder Schuhkartons zweckentfremdet und etablierten sich über die Jahre als geeignetes Versteck für die universitären Schätze.

Dieser Kulturgeschichte des Verpackens, wie es sie auch an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) gegeben hat und gibt, ist nun eine Sonderausstellung im Ausstellungskabinett des Universitätshauptgebäudes gewidmet. Ab 12. Mai werden unter dem Titel „hide & seek: aufbewahren, schützen, ordnen, verstauen, verstecken in den Sammlungen“ exemplarisch Verpackungen aus den rund 30 universitären Sammlungen gezeigt. Die Ausstellung beschreibt die Kulturgeschichte des Verpackens an der FSU und deckt zugleich die Handlungsweisen und Vorlieben der sammelnden Personen auf. Die Erkenntnisse zum Aufbewahren, Schützen, Verstecken und Wiederauffinden machen es möglich, die Geschichte des jeweiligen Fachs wie auch der Sammlung selbst zu rekonstruieren.

Angemessen und funktional

Beispiele hierfür sind eine Zigarrenschachtel mit dem Aufdruck „Perle von Jena“, die üblicherweise Schätze aus der Ur- und Frühgeschichte birgt. Eine an eine frühere Diskettenbox erinnernde Speicherband-Verpackung enthält sonst Sicherheitskopien der Filme aus der Röntgenvideosammlung. Oder jene Metallkiste voller Papyrusschnipsel, die nicht mehr nutzbar, aber zu schade zum Entsorgen sind, steht eigentlich in der Papyrussammlung der Universität. Aber auch das ist Verpackungsgeschichte an der FSU: Extra angefertigte Hüllen – etwa ein handgegerbtes ledernes Futteral für die Zepter der Universität von 1557.

Egal ob extra angefertigt oder zweckentfremdet – die Verpackungen in den zahlreichen Magazinen der FSU-Einrichtungen und Fakultäten legen alle Zeugnis über den Versuch ab, die Objekte angemessen und zugleich funktional unterzubringen. Dass die Exponate an der Universität Jena auch stark in die Lehre eingebunden waren und noch immer sind, zeigen die sich veränderten Verpackungen und die teilweise umfangreichen Beschriftungen. Auch wie zugänglich die Gegenstände sind, lässt sich aus deren Behältnissen ableiten: Sind sie zum Beispiel in Kartons und Schränken verstaut oder aber in Gläsern oder auf einen Sockel gestülpt.

Objekte zweiter Ordnung

Auch wenn der Großteil der universitären Sammlung inzwischen in modernen und standardisierten Verpackungen aufbewahrt wird, sind die zuvor genutzten Behälter, egal wie unscheinbar sie sein mögen, in den Sammlungen verblieben. So etwa die „alte Schachtel“, die aus der Zeit um 1900 stammt und ein Stück Glimmschiefer der Geologischen Sammlung beherbergte. Sie wird nicht ­entsorgt, sondern verbleibt als „Objekt zweiter Ordnung“ an ihrem ursprünglichen Einsatzort.

Die Besucher der neuen Ausstellung im Ausstellungskabinett der FSU erhalten somit einen umfangreichen Einblick in die alltäglichen Praktiken des Sammelns, Verwahrens, Ordnens, Inventarisierens und Digitalisierens. Dabei entsteht keine museale Aura, die alten Schachteln und Gefäße sind frei zugänglich und nicht hinter Glas „versteckt“. Verstärkt wird die Sammlungsatmosphäre durch die Art der Information: Kurztexte an den Objekten geben zwar eine erste Einführung. Wer aber mehr über das Objekt, seinen eigentlichen Inhalt und die dazugehörige Sammlung erfahren will, muss diese Informationen selber aus den Karteikarten heraussuchen – und ist schon mitten im Sammlungsalltag.

Das interdisziplinäre Team junger Kustodinnen und Kustoden, die die Ausstellung konzipiert haben, hat durch diese erstmalige Zusammenstellung der verschiedenartigen Behältnisse wiederum eine neue, temporäre Sammlung geschaffen – und sich selber noch intensiver mit den benachbarten Universitätssammlungen beschäftigt und dadurch zur weiteren Vernetzung beigetragen.

„hide & seek: aufbewahren, schützen, ordnen, verstauen, verstecken in den Sammlungen“ ab 12. Mai im Ausstellungskabinett der Uni Jena (Hauptgebäude Fürstengraben 1), Besichtigung jeweils dienstags bis donnerstags von 13 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, Führungen sind nach Vereinbarung möglich.

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