Trotz Automatisierung der Station: „Wetterfrösche“ bleiben in Neuhaus

Neuhaus  Fast vier Jahre mussten die Beschäftigten der Neuhäuser Wetterwarte mit Unsicherheit ob ihrer beruflichen Perspektive leben. Nun ist es offiziell: Trotz Automatisierung werden sie weiter auf dem Bornhügel arbeiten können.

Rüdiger Manig und seine Mitarbeiter auf dem Neuhäuser Bornhügel haben bisher mit dem Messstab Schneehöhen ­bestimmt. Nun geschieht die Messung mittels Laser. Foto: Michael Graf

Rüdiger Manig und seine Mitarbeiter auf dem Neuhäuser Bornhügel haben bisher mit dem Messstab Schneehöhen ­bestimmt. Nun geschieht die Messung mittels Laser. Foto: Michael Graf

Foto: zgt

„In einer Personal­versammlung hatte der Präsident des Deutschen Wetterdienstes 2011 verkündet, dass ein Großteil der Wetterwarten ab 2015 automatisiert werden soll, darunter auch die Neuhäuser. Natürlich hatten wir die ­Befürchtung, dass es dies dann auch für uns gewesen ist, und mussten die Nachricht erst einmal verdauen“, blickt Rüdiger Manig zurück.

„Seit 2013“, so sagt der Leiter der Wetterwarte weiter, „wissen wir, dass die Umstellung zum 1. Januar 2016 erfolgen wird.“ All die Zeit sei das Gebot gewesen, die Ruhe zu bewahren und keine voreiligen Entscheidungen etwa über einen Wechsel des Arbeitsplatzes zu treffen. Und diese Besonnenheit hat sich offensichtlich für die ­„Wetterfrösche“ ausgezahlt.

Ab Januar neue Aufgaben für jeden der Mitarbeiter

Alles, was visuell oder manuell beobachtet beziehungsweise gemessen werden kann, die Wettbeobachtung an sich, fällt zwar fortan flach. Ob Sichtweiten, Wolkenhöhen oder Niederschlagsmengen – dafür braucht es künftig kein Personal. Die „Mannschaft“ aber war sich einig: „Wir würden gern hier oben weiter machen.“ Den Wunsch trug Rüdiger Manig 2014 an die für die Wetterwarten des DWD zuständige Personalchefin ­heran, die möglichst frühzeitige Gespräche deswegen mit den Mitarbeitern zusagte und ihr Versprechen hielt.

Einzellösungen wurden gesucht und gefunden, die für keinen der Betroffenen mit gravierenden Einschnitten verbunden sind. Sabine Liebmann spricht von der „bestmöglichen Variante für uns.“

Für die 45-Jährige bedeutet dies, dass sie ab Januar kommenden Jahres zur Abteilung Klima und Umwelt des DWD in Offenbach gehört. „Qualitätskontrolle einzelner meteorologischer Parameter“ heißt dann ihre Aufgabe. „Diverse Datenbanken laufen in einem Großrechner zusammen. Ich erhalte Prüflisten, in denen Werte gekennzeichnet sind, die nicht stimmig erscheinen, etwa zu Temperaturmaxima und -minima, die von verschiedenen Stationen gemessen wurden“, erklärt Sabine Liebmann und findet es „gar nicht so schlecht, wenn jemand dies kontrolliert, der schon 30 Jahre das Wetter beobachtet.

Sie wird weiter in Neuhaus mit Angelika Gloth in einem Raum sitzen. Die gleichaltrige Kollegin allerdings wird ab Beginn des neuen Jahres für das Seewetteramt Hamburg historische Schiffswetterdaten digitalisieren. Die auf Segelschiffen oder Dampfern im Zeitraum von 1837 bis 1945 gewonnenen Werte befinden sich in Schriftform im Archiv in Hamburg. Dies gilt auch für historische Wetterdaten aus einstigen deutschen Kolonien.

Um der Frage nachzugehen, wie sich das Klima im Laufe der Zeit verändert hat, biete die Digitalisierung natürlich viel bessere Vergleichsmöglichkeiten. Angelika Gloth muss, um alles lesen zu können, die altdeutsche Schrift erlernen. Und sie braucht keine Sorge haben, dass ihr die Beschäftigung so schnell ausgeht: „Die Arbeit reicht für mindestens 300 Jahre, hat man mir gesagt.“

Weiterhin wird sie als Notfallhelferin für die Flugwetterwarte Erfurt parat sein, ähnlich wie ­Sabine Liebmann und Rüdiger Manig dies für die Wetterwarten auf dem Brocken und dem Fichtelberg sind. Das bedeutet, sie springen dort im Fall von Personalmangel bei der Wetterbeobachtung ein.

Alle drei Kollegen zeigen sich einig, „dass es nicht verkehrt und recht angenehm ist, nach bis zu 28 Jahren Schichtdienst wieder öfters an Wochenenden zu Hause zu sein und regelmäßigere Arbeitszeiten zu haben“, wie der Noch-Chef sagt.

Rüdiger Manig wird ab Januar dem Leiter der Stabsstelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des DWD unterstellt sein. „Ich werde eine Foto-Datenbank aufbauen, dazu zehn­tausende Fotos von Liegenschaften, Wetterstationen, Baumaßnahmen, Wetterphänomenen und mehr sichten, ordnen und beschriften, die dann für die Öffentlichkeitsarbeit, zum ­Beispiel zur Beantwortung von Anfragen, genutzt werden können“, beschreibt er sein künftiges Tätigkeitsfeld. Die monatlichen Wetterrückblicke für die Zeitung werde er auch weiterhin liefern, versichert der 52-Jährige. „Für unseren vierten Mitarbeiter wird ebenfalls eine gute Lösung gefunden werden, wenn er nach langer Krankheit zurückkehrt“, vergisst Rüdiger Manig nicht zu erwähnen.

Seit 1987 wird auf dem Neuhäuser Bornhügel das Wetter beobachtet. Der 1. Januar 1987 war der „Geburtstag“ der Wetterwarte auf 845 Metern Höhe.

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