Wie sehen Pinguine von oben aus? Jenaer Geograf forschte in der Antarktis

Jena  Der Jenaer Geograf Jakob ­Maercker verbrachte für die Zählung von Pinguin-Kolonien drei Monate in der Antarktis. Für den Auftakt der Kinder-Uni erklärte er den jungen Forschern, was es damit auf sich hat.

Der Geograf Jakob Maercker vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz verbrachte drei Monate in der Antarktis. Dort unternahm er mittels einer Drohne ein sogenanntes Monitoring von Pinuginen. Foto: Jakob Maercker

Der Geograf Jakob Maercker vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz verbrachte drei Monate in der Antarktis. Dort unternahm er mittels einer Drohne ein sogenanntes Monitoring von Pinuginen. Foto: Jakob Maercker

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Was macht man drei Monate in der Antarktis? Schnee schaufeln und vor allem frieren – das käme einem als erstes in den Sinn. Aber weit gefehlt: Gefroren habe er nicht, erklärt Jakob Maercker, Geograf vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (ThINK), lächelnd. Schließlich sei er zur Winterzeit dort gewesen. Also im deutschen Winter, der dem antarktischen Sommer entspricht. „Wir hatten stetiges Mistwetter um die null Grad“, sagt er. Und ihre Unterkunft, die Bellinghausen-Station auf King George Island, sei steinig. Dort gebe es keinen Eispanzer. Schnee schieben, musste er also auch nicht.

Was macht man also die ganze Zeit? Maerckers Antwort irritiert zunächst: „Pinguine zählen“, sagt er. Die kleinen Besucher der Kinder-Uni beginnen zu staunen. Als er dann noch erzählt, dass er dafür 13 000 Kilometer von Jena habe wegfliegen müssen, quittieren die Kinder das mit einem lautstarken „Wow“. Die Tatsache, dass auf der Station sogar eine Kirche steht und Maercker Weihnachten dort feierte, sorgt dann endgültig für offene Münder.

Die Antarktis-Expedition, an der Maercker teilnahm, war eine Zusammenarbeit des ThINK sowie der Arbeitsgruppe Polar- und Ornithoökologie der Uni Jena. Beauftragt wurden die Forscher durch das Umweltbundesamt mit einem Monitoringprogramm über die Veränderungen von Pinguinkolonien. In der Antarktis seien zuletzt zunehmende Änderungen der Koloniegrößen, aber auch der Artenzusammensetzung festgestellt worden, erklärt Maercker. Das könne viele Gründe haben, ein andersartiges Nahrungsangebot, schwankende Wassertemperatur oder Umweltverschmutzung etwa. Ein Monitoring – so die Hoffnung der Wissenschaftler – kann zukünftig die Ursachen aufzeigen.

Staunende Kinder und piepsende Drohnen

Für ein Gesamtbild der Antarktis-Population wird für gewöhnlich per Satellit beobachtet. Pinguine seien ein guter Indikator für Veränderungen und wegen des Guanos um die Nester auch gut sichtbar, so Maercker. Um die Satellitenaufnahmen aber korrekt auszuwerten, sind stichprobenhafte Kartierungen und Zählungen am Boden notwendig. Zur Unterstützung setzte das Team außerdem einen GPS-gesteuerten Mikrokopter ein.

Als der Geograf die Drohne startet und sich die acht Rotoren piepsend zu drehen beginnen, sind die Jungstudenten der Kinder-Uni aus dem Häuschen: „Können wir auch mal fliegen“, fragen sie aufgeregt. Das sei jedoch nicht ganz so einfach, muss Maercker sie enttäuschen. „Fliegen geht zwar mit GPS, das Starten und Landen ist aber manuell und ziemlich schwierig.“ Und das Gerät sei auch wegen der zugehörigen Kameras sehr empfindlich.

Neben normalen Fotos habe man nämlich auch noch andere Spektralbereiche wie das Nah-Infrarot oder thermale Bilder zur Zählung eingesetzt, erklärt er. „Hier gab es schon die erste Überraschung.“ Denn Pinguine strahlen mehr Wärme ab als erwartet. „30 Grad an der Körperoberfläche. Wir dachten, die Vögel sind besser isoliert.“

Schlussendlich wurden dann aus mehreren Tausend solcher Aufnahmen Mosaike erstellt, die als Grundlage für das Monitoring dienten. Ein positiver Nebeneffekt dieser umfangreichen Arbeit mit den Luftbildaufnahmen sei beispielsweise die Komplettkartierung des Bellinghausen-Dome-Gletschers gewesen, sagt Maercker. Das eigentliche Ziel des Forscherteams war allerdings das Zählen der Vögel. Und das ist mitunter eine ganz schön komplexe Angelegenheit. Die Esel-, Adelie- und Zügelpinguine, also die drei vorherrschenden Arten, sind aus der Luft ziemlich schwer zu unterscheiden, wie sich an den Aufnahmen zeigt. Für die kleinen Unibesucher sind freilich alle süß, was die strahlenden Augen beweisen. Für den Laien sind sie aber alle gleich. „Aber nach einer gewissen Zeit sieht man sich rein“, entwarnt Maercker. Denn dann sind auch die Kinder an der Reihe, es ihren älteren Forscherkollegen gleichzutun. Und das funktioniert schon ziemlich gut. Nicht nur um die Jungpinguine ist es also gut bestellt. Auch der Forschernachwuchs steht schon in den Startlöchern.

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