Leitartikel: Plausible Idee

Hanno Müller

Hanno Müller über Modelle gegen den Fachkräftemangel.

Wenn es so einfach wäre. An einer deutschen Schule im Ausland lernen Bewohner eines anderen Landes, gern auch junge Auszubildende oder Arbeitslose, Berufe, die hierzulande gebraucht werden, dazu die deutsche Sprache, und schließen dann Lücken, die auf dem hiesigen Arbeitsmarkt klaffen.

So gesehen klingt die Idee des Jenaers Klaus Watzka plausibel: Angesichts fadenscheiniger Personaldecken ließen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: nämlich ausländischen Arbeitssuchenden eine Perspektive bieten und gleichzeitig den eklatanten Fachkräftemangel bekämpfen. Wo heute von Pflegekräften die Rede ist, könnten später Handwerksberufe wie der Bäcker stehen, die mangels Nachfrage oder geeigneter Bewerber auszusterben drohen.

Doch das ist eben nur die Theorie. Es ehrt die Wissenschaft, wenn sie sich nicht im Elfenbeinturm schmort, sondern konkrete Lösungen für die Praxis sucht. In diesem Falle steht der Umsetzung viel im Weg.

So hat Deutschland noch nicht einmal ein Einwanderungsgesetz, das den geregelten und legalen Zuzug ausländischer Fachkräfte gewähren würde. Das aber bräuchte es, um den Interessierten eine Bleibeperspektive zu garantieren. Die Frage der Integration bleibt ebenso auf der Tagesordnung wie das ethische Problem, dass man in den Ländern möglicherweise die besten Köpfe abwirbt.

Klaus Watzkas Vorschlag ist noch zu frisch, um schon in allen politischen Winkeln bemerkt worden zu sein. Bevor da jetzt allerdings der eine oder andere mit Schaum vor dem Mund zur Attacke bläst, sollte man Für und Wider zumindest mal sachlich abgewogen haben.

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