Arbeitsministerin Werner: Anhebung des Mindestlohns hilft gegen Kinderarmut

Erfurt  Immer weniger Kinder in Thüringen leben in sogenannten Hartz-IV-Haushalten, der Freistaat hat die niedrigste Quote aller ostdeutschen Länder. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert zudem, nicht nur arme Kinder, sondern arme Familien insgesamt ins Blickfeld zu rücken.

Jedes sechste Kind in Thüringen lebt in einer hilfebdürftigen Familie. Foto: Arno Burgi

Jedes sechste Kind in Thüringen lebt in einer hilfebdürftigen Familie. Foto: Arno Burgi

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Schlechte Nachrichten zum heutigen Kindertag: Etwa jedes sechste Kind in Thüringen ist abhängig von Hartz IV. Der Arbeitsagentur zufolge sei die sogenannte Hilfsquote der unter 15-Jährigen in den vergangenen Jahren jedoch gesunken. In Thüringen habe die Quote zuletzt bei 17,3 Prozent gelegen. Das entspricht rund jedem sechsten Kind. Im Jahr 2010 lebten hierzulande noch 21,7 Prozent der unter 15-Jährigen in Bedarfsgemeinschaften.

Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen in Thüringen, sieht die Entwicklung positiv. „Von der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt haben viele Familien in den letzten Jahren profitiert. Thüringen hat in Ostdeutschland die niedrigste Hilfequote“, sagt Senius. Das liege auch an Landesprogrammen des Freistaats. Eine Hilfequote von knapp 17 Prozent sei dennoch kein Grund zum Ausruhen. „Das bleibt Schwerpunkt der Jobcenter“, betont Senius.

Thüringens Arbeitsministerin Heike Werner (Linke) fordert eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns, um Kinderarmut zu vermeiden. Der gute Stand im ostdeutschen Vergleich ändere nichts an der Tatsache, dass die Eltern der betroffenen Kinder ein viel zu geringes Einkommen hätten. „Ich wünsche mir, dass die Bundesregierung diese Lebenswirklichkeit auch bei der anstehenden Anhebung des Mindestlohns berücksichtigt.“

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband Thüringen findet: „Es geht nicht nur um arme Kinder, sondern um arme Familien.“ Landesgeschäftsführer Reinhard Müller fordert unter anderem einen tariflich entlohnten öffentlichen Beschäftigungssektor für die betroffenen Eltern, „auskömmliche Regelsätze in Hartz IV“ und eine eigene Kindergrundsicherung.

l Seite 11: Landesspiegel

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