Erfurt. 365 Tage Krieg: Hunderte Ukrainer und Thüringer haben in Erfurt der Toten der russischen Aggression gedacht.

Der Himmel schickte Regen, und es passte zu diesem Anlass, zu dem der Verein ukrainischer Landsleute in Thüringen am Freitagabend auf den Erfurter Domplatz rief. Eine emotionale Stunde, die mit einer Schweigeminute für die Toten des Krieges und einem Gebet für den Frieden begann. „365 Tage Krieg, aber die Ukraine lebt, sie steht und kämpft“, rief der Priester der ukrainischen Gemeinde, Yaroslav Sadowyy, den Besuchern zu.

Die Severi-Kirche war in die ukrainischen Farben getaucht, davor Menschen mit Kerzen. Geflüchtete aus der Ukraine und Thüringer waren der Bitte des Vereins gefolgt, ein Licht für die Ukraine zu entzünden. Ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen, die sich seit einem Jahr gegen die russische Aggression zur Wehr setzen müssen.

Ramelow wirbt für Unterstützung

Beistand, den auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) in seiner Ansprache der Ukraine versicherte. Putins Krieg, den Nationalismus, den er beschwört, nannte er eine Schande. Er äußerte Unverständnis darüber, dass es Menschen in Deutschland gebe, die nicht mehr erkennen, wer Angreifer ist und wer Angegriffener, nicht, was Diktatur bedeute. Der Angegriffene müsse jede Hilfe erhalten, die er brauche, um den Angriff abwehren zu können. Wenn in Deutschland gefordert werde, die Waffen niederzulegen, müsse es heißen: „Zuerst die russischen Waffen nieder“, stellte Ramelow klar.

„Wir beginnen jeden Tag mit einer Frage: Sind alle am Leben? Und jeden Tag ermutigen wir unsere Liebsten“, beschrieb Nina Kondrikowa die bittere Realität der Geflüchteten in Thüringen. Ihre Kinder sind acht und vier Jahre alt, die junge Mutter gehört zu den mehr als 30.000 Ukrainerinnen und Ukrainern, die im Freistaat Schutz gefunden haben. Ihr Mann kämpft als Offizier in der ukrainischen Armee. Ihre Kinder sind hier sicher, dafür sei sie den Menschen in Deutschland sehr dankbar. Auch der Vorsitzende des Ukraine-Vereins, Vasyl Vitenko, sprach von der großartigen Unterstützung, die so viele Thüringer den Menschen in der Ukraine und den Geflüchteten seit dem ersten Tag des Krieges entgegenbringen. Und er dankte für die Ausdauer dieser Solidarität. Der russische Angriffskrieg gehe weiter, die Ukraine brauche weiterhin diese Hilfe, sowohl menschlich als auch wirtschaftlich und militärisch.

Auch in Weimar, Gera, Jena, Gotha und anderen Thüringer Orten gedachten am Freitag Menschen bei Kundgebungen, Mahnwachen und Gebeten der Kriegsopfer.