Berlin. Die SPD schrumpft auf das Format einer Kleinpartei. Und das Innenministerium bekommt eine demolierte Chefin zurück.

Die wichtigen Wahlen und Hessen und Bayern bringen keine Veränderungen an der Spitze – aber sie sind ein brutaler Schlag für die SPD. Die wichtigste Botschaft aus Wiesbaden und München lautet: Deutschlands älteste Volkspartei, die mit Olaf Scholz den Bundeskanzler stellt, schrumpft auf das Format einer Kleinpartei.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In Bayern gewinnen die Sozialdemokraten seit Jahrzehnten keinen Blumentopf, aber bewegen sich jetzt einstellig noch weiter in Richtung der Fünf-Prozent-Hürde. In Hessen ist das dürftige Abschneiden mit einer Bundesinnenministerin als Spitzenkandidatin ein absolutes Desaster.

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Chef der Zentralredaktion © Dirk Bruniecki

Nancy Faeser wollte mit einem dicken Amtsbonus das Feld aufrollen und hat in Wahrheit mit einem Amts-Malus die SPD in Hessen versenkt. Die große Unzufriedenheit mit der Ampel war am Ende in der Wahlkabine stärker als der Wunsch, Boris Rhein durch die prominente Wahlkämpferin aus Berlin zu ersetzen.

Die Bundesinnenministerin und ihre Berater haben sich schlicht verzockt und mit der Kandidatur jetzt einen doppelten Schaden angerichtet. Zum einen sind die hessischen Sozialdemokraten mit einem historisch schlechten Wahlergebnis jetzt am Boden. Und das für unsere Sicherheit besonders wichtige Innenministerium bekommt eine politisch demolierte Chefin zurück, für die das Ministerium der Arbeitsplatz zweiter Wahl ist.

Auch für den CSU-Ministerpräsidenten beginnen jetzt unruhigere Zeiten im schönen Bayern. Markus Söder, der mal gerne Kanzler geworden wäre, ist mit seinem enttäuschenden Wahlergebnis geschwächt und muss aufpassen, dass die Partei bei Laune bleibt. Die CSU kann nämlich vieles verzeihen – außer einen erfolglosen Chef.