Offenburg. Hunderte Menschen würdigten CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble am Freitag bei einem Trauergottesdienst. Auch zahlreiche Politiker kamen.

Er zählte zu den einflussreichsten Politikern der vergangenen Jahrzehnte: An diesem Freitag wurde CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble mit einem Trauergottesdienst in seiner Heimatstadt Offenburg verabschiedet. Hunderte Menschen nahmen an der Trauerfeier teil. Auch zahlreiche Politikerinnen und Politiker würdigten den Ausnahme-Parlamentarier – darunter unter anderem der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz, Bundesinnenminsterin Nancy Faeser (SPD) und der ehemalige CDU-Chef Armin Laschet.

Nicht anwesend hingegen war die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dass sie nicht an der Trauerfeier teilnehmen würde, hatte schon im Vorfeld festgestanden. Sie werde aber zum Staatsakt für Schäuble am 22. Januar in Berlin kommen, teilte ihr Büro auf Anfrage des „Spiegels“ mit.

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Die Beerdigung von Wolfgang Schäuble in Bildern

Polizisten stehen vor dem Beginn des Gottesdienstes bei der Trauerfeier für Wolfgang Schäuble am Sarg.
Polizisten stehen vor dem Beginn des Gottesdienstes bei der Trauerfeier für Wolfgang Schäuble am Sarg. © DPA Images | Philipp von Ditfurth
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) blieb vor dem Gottesdienst bei der Trauerfeier für Wolfgang Schäuble an den Kränzen stehen.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) blieb vor dem Gottesdienst bei der Trauerfeier für Wolfgang Schäuble an den Kränzen stehen. © DPA Images | Philipp von Ditfurth
Auch der ehemalige CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Armin Laschet kam zum Gottesdienst.
Auch der ehemalige CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Armin Laschet kam zum Gottesdienst. © DPA Images | Philipp von Ditfurth
Friedrich Merz, Bundesvorsitzender der CDU, auf dem Weg zur Kirche.
Friedrich Merz, Bundesvorsitzender der CDU, auf dem Weg zur Kirche. © DPA Images | Philipp von Ditfurth
Heike Springhart, Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden, spricht  bei der Trauerfeier für Wolfgang Schäuble.
Heike Springhart, Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden, spricht bei der Trauerfeier für Wolfgang Schäuble. © DPA Images | Philipp von Ditfurth
Die Familie mit Christine Strobl (v.l.), Tochter von Wolfgang Schäuble, Ingeborg Schäuble, die Ehefrau, und Thomas Strobl (CDU), Innenminister von Baden-Württemberg und Schwiegersohn von Wolfgang Schäuble, kommt zum Trauergottesdienst.
Die Familie mit Christine Strobl (v.l.), Tochter von Wolfgang Schäuble, Ingeborg Schäuble, die Ehefrau, und Thomas Strobl (CDU), Innenminister von Baden-Württemberg und Schwiegersohn von Wolfgang Schäuble, kommt zum Trauergottesdienst. © DPA Images | Uwe Anspach
Soldaten des Wachbataillons tragen nach dem Gottesdienst bei der Trauerfeier für Wolfgang Schäuble den Sarg aus der Kirche.
Soldaten des Wachbataillons tragen nach dem Gottesdienst bei der Trauerfeier für Wolfgang Schäuble den Sarg aus der Kirche. © DPA Images | Philipp von Ditfurth
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Beerdigung von Wolfgang Schäuble: Militärische Ehrung nach Gottesdienst geplant

Schäubles Sarg war mit schwarz-rot-goldener Flagge und Bundesadler vor dem Altar aufgebahrt, flankiert von sechs Bundespolizisten. Davor stand ein riesiges Herz mit roten Rosen und der Aufschrift „Deine Ingeborg“, daneben ein Kranz seiner Familie. Auch vor der Kirche waren viele Kränze aufgestellt, unter anderem mit gelben und roten Blumen, den badischen Farben.

Die evangelische Landesbischöfin von Baden Heike Springhart, die den Trauergottesdienst für Schäuble leitete, würdigte ihn in ihrer Ansprache als unabhängigen Geist, beharrlichen Kämpfer für die Demokratie und weitsichtigen Europäer. „Wolfgang Schäuble hat aus einer Kraft gelebt, die größer war als er selbst. Er hat mit seiner Weisheit und der dem Schwarzwälder eigenen Mischung aus Beharrlichkeit und Verschmitztheit die demokratische Kultur in unserem Land geprägt und für den Erhalt der Demokratie gekämpft bis zuletzt“, sagte sie.

Merz würdigt Schäuble: „Ohne ihn stände ich heute nicht hier“

Auch der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hob in seiner Rede die Lebensleistung von Schäuble hervor. „Wir begleiten ihn in Liebe, in Freundschaft und ganz sicher wir alle zusammen in grenzenlosem Respekt. Was für eine Lebensleistung. Was für ein politisches Leben“, sagte Merz am Freitag in einer evangelischen Kirche in Schäubles Heimatstadt Offenburg in Baden-Württemberg.

Schäuble habe „Generationen von Abgeordneten unserer Fraktion eine Prägung mitgegeben, auch mir ganz persönlich. Ohne ihn stände ich heute nicht hier“, sagte der CDU-Chef. „Wir sind über die letzten drei Jahrzehnte immer engere Freunde geworden.“ 16 der bisher 24 Regierungen des Landes habe sein ehemaliger Parteikollege erlebt, fast jeder dritten davon habe er selbst angehört. „Zwei hohe Staatsämter sind ihm versagt geblieben. Er hätte sie ohne Zweifel beide ausgefüllt“, sagte Merz.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nannte Schäuble in seiner Ansprache eine „ganz große politische Persönlichkeit“. Der dienstälteste Parlamentarier habe das Land maßgeblich gestaltet, geprägt und getragen. Kretschmann bescheinigte ihm Wirkmächtigkeit über ein halbes Jahrhundert. Er habe Schäubles politisches Geschick, seine Ausdauer, seine Überzeugungsstärke und unglaubliche Urteilskraft immer sehr bewundert.

Tochter von Wolgang Schäuble: „Er wollte uns ein letztes Weihnachten schenken“

Schäubles Tochter Christine Strobl erinnerte sich in seiner persönlichen Rede an die letzten Tage ihres Vaters. Er habe gesagt, er sei mit sich im Reinen, sagte Strobl in ihrem Nachruf und schilderte, dass der Gesundheitszustand Schäubles sich vor Weihnachten stark verschlechtert hatte. Der frühere Bundestagspräsident war nach ihren Worten bis Heiligabend im Krankenhaus und rechnete selbst mit dem Tod. Nachdem seine Frau Ingeborg ihm gesagt habe, sie wolle ohne ihn nicht leben, habe Schäuble „das Sterben wie so viele Male davor wieder abgeblasen“, sagte Strobl und ergänzte: „Er wollte uns noch einmal ein letztes Weihnachten schenken.“

Nach dem Gottesdienst ist vor der Kirche eine militärische Ehrung geplant. Ein Trauerzug wird sich dann auf einer Strecke von gut einem Kilometer zum Waldbachfriedhof bewegen, wie die Stadt Offenburg mitteilte.

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Steinmeier bezeichnete Schäuble als „Glücksfall für die deutsche Geschichte“

Schäuble war am zweiten Weihnachtstag im Alter von 81 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben. In seiner Laufbahn hatte der Badener wichtige politische Ämter inne: Er war Minister, CDU-Chef, Fraktionsvorsitzender und Präsident des Deutschen Bundestages. Niemand gehörte dem Parlament länger an als er. Sein Wirken wurde zuletzt über die Parteigrenzen gewürdigt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte Schäuble einen „Glücksfall für die deutsche Geschichte“.