Berlin. Dmitri Peskow ist ein enger Vertrauter Putins. Die Kinder des Kreml-Sprechers leben ein dekadentes Leben und sorgen für Schlagzeilen.

Im vergangenen Jahr sorgte eine Meldung für Aufregung: Der Sohn des Kremlsprechers Dmitri Peskow soll in der Wagner-Armee in der Ukraine gekämpft haben. In einem Interview hatte Nikolai Peskow damals erklärt, er sei über ein halbes Jahr lang als Artillerist im Kriegseinsatz gewesen. Kurz darauf kamen Zweifel an der Geschichte auf. Das russische Exilmedium „Meduza“ berichtete, dass der Tesla des Peskow-Sohns im entsprechenden Zeitraum mehrmals in Moskau geblitzt worden sei.

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Ob Nikolai Peskow selbst am Steuer saß, ist zwar nicht bekannt – es war allerdings nicht das einzige Indiz, das im Widerspruch zu dem angeblichen Kriegseinsatz stand. Denn zu Beginn des Ukraine-Kriegs hatte er noch erklärt, nicht kämpfen zu wollen. Damals fiel er auf einen Fake-Anruf der Mitstreiter des mittlerweile verstorbenen Anti-Korruptions-Aktivisten Alexej Nawalny herein. Die hatten sich als Militärkommissare ausgegeben und den Sohn des Kremlsprechers am Telefon dazu aufgefordert, sich zur Musterung einzufinden. Peskow junior soll daraufhin geantwortet haben: „Wenn Sie wissen, dass ich Herr Peskow bin, dann müssen Sie auch verstehen, wie sehr das falsch ist, dass ich dort sein werde. Ich werde es auf einer anderen Ebene lösen.“

Elisaweta Peskowa gemeinsam mit ihrem Bruder Mika Peskow 2022 bei einem Event in Moskau.
Elisaweta Peskowa gemeinsam mit ihrem Bruder Mika Peskow 2022 bei einem Event in Moskau. © picture alliance/dpa/TASS | Vyacheslav Prokofyev

Peskow: Vor allem zwei seiner Kinder sorgen für Schlagzeilen

Die Geschichte ist nur ein Kapitel aus dem auch sonst bemerkenswerten Leben der Kinder des Putin-Sprechers, das sinnbildlich für die Diskrepanz zwischen Kremlpropaganda und Realität steht. Dmitri Peskow ist seit 2012 das Sprachrohr Wladimir Putins und dessen enger Vertrauter. Während er in Russland antiwestliche Narrative bediente, lebten seine Kinder teils in westlichen Ländern im Luxus.

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Vor allem zwei der insgesamt fünf Kinder aus drei Ehen gerieten in der Vergangenheit immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Nikolai Peskow, der auch den Nachnamen seines britischen Stiefvaters – Choles – verwendet, ist Peskows Sohn aus erster Ehe. Er soll heute wieder in Russland leben. Davor verbrachte er Berichten zufolge über zehn Jahre seines Lebens gemeinsam mit seiner Mutter Anastasia Budyonnaya in Großbritannien.

Kremlsprecher Dmitri Peskow gemeinsam mit seiner Tochter Elisaweta Peskowa 2023 in Sankt Petersburg.
Kremlsprecher Dmitri Peskow gemeinsam mit seiner Tochter Elisaweta Peskowa 2023 in Sankt Petersburg. © IMAGO/ITAR-TASS | IMAGO/Valery Sharifulin

Über die berufliche Karriere des Peskow-Sohns ist kaum etwas bekannt – abgesehen von einer kurzfristigen Tätigkeit beim russischen Staatssender RT. Laut Recherchen des Nawalny-Teams von 2017 soll der Peskow-Sohn dennoch mehrere teure Autos, ein kostspieliges Reithobby und eine Wohnung in bester Moskauer Lage besitzen oder besessen haben. Das Geld dafür könne er ohne eigenes Einkommen kaum selbst aufgebracht haben, kritisierten die Aktivisten.

Elisaweta Peskowa, die älteste Tochter von Kremlsprecher Peskow.
Elisaweta Peskowa, die älteste Tochter von Kremlsprecher Peskow. © imago images/ITAR-TASS | Alexander Shcherbak via www.imago-images.de

Kremlsprecher Peskow: Korruptionsvorwürfe nach Hochzeit

Insgesamt hat Dmitri Peskow fünf Kinder aus drei Ehen. Seine jüngste Tochter, Nadya, kam 2014 zur Welt. Ein Jahr später heiratete Peskow ihre Mutter, die ehemalige Eiskunstläuferin Tatjana Nawka. Die Hochzeit wurde mit einem pompösen Fest im russischen Badeort Sotschi gefeiert, anschließend verbrachte das Paar seine Flitterwochen auf einer Luxusyacht vor Italien. Für Aufsehen sorgte nach der Feier aber vor allem eine Armbanduhr des Kremlsprechers. Das Team Nawalny veröffentlichte damals Recherchen, wonach die Uhr, die Peskow bei seiner Hochzeit trug, umgerechnet zwischen 600.000 und 800.000 Euro wert gewesen sei.

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Die Kosten würden das offizielle Jahresgehalt des Kremlsprechers weit übersteigen, monierten seine Kritiker und sahen dies als Beweis für die Korruptheit Peskows. Die anschließende Erklärung, dass es sich bei der Uhr um ein Hochzeitsgeschenk seiner Ehefrau handelte, nahmen sie ihm hingegen nicht ab und veröffentlichten zum Beweis Fotos, auf denen die Uhr schon vor der Hochzeit auftauchte.

Peskow: Tochter von Kremlsprecher machte Praktikum bei der EU

Neben Nikolai ist es vor allem Peskows älteste Tochter, Elisaweta, die für Schlagzeilen sorgt. Sie stammt aus seiner zweiten Ehe mit Ekaterina Solotsinskaya, mit der Peskow auch noch zwei Söhne bekam: Mika und Denis. Während über die beiden kaum etwas bekannt ist, teilt ihre 26 Jahre alte Schwester Elisaweta Peskowa gern Ausschnitte aus ihrem luxuriösen Leben mit ihren rund 222.000 Followern auf Instagram. Zu sehen ist sie dort etwa mit teuren Handtaschen oder in schicken Abendkleidern bei Veranstaltungen. Peskowa lebte viele Jahre in Paris, ist auf dem Papier Mitgründerin einer Kommunikationsfirma, leitet eine Stiftung und bezeichnet sich selbst als „Selfmade-Woman“.

Wie viel Vermögen Peskowa hat, ist, genau wie bei ihrem Vater, nicht bekannt. Recherchen des Nawalny-Teams hatten 2017 jedoch unter anderem aufgedeckt, dass Peskowa gemeinsam mit ihrer Mutter eine knapp zwei Millionen teure Wohnung in bester Pariser Lage gehören soll.

Russland: Peskow-Tochter bezeichnete Sanktionen als „völlig unfair“

Für Wirbel sorgte Peskowa vor allem 2019 – mit einem Praktikum im EU-Parlament. Dort arbeitete sie für den französischen EU-Parlamentarier Aymeric Chauprade, ein ehemaliges Mitglied des rechtsextremen Front National, der für seine kremlfreundliche Haltung bekannt ist. Dass die Tochter des Kremlsprechers Zugang zum EU-Parlament bekam, sorgte bei vielen Abgeordneten für heftige Kritik.

Trotz ihres Ausflugs in die Politik hielt sich Peskowa mit Äußerungen zum Krieg bisher zurück. Mit einer Ausnahme: Kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine postete die 26-Jährige übereinstimmenden Berichten internationaler Medien zufolge in ihrer Instagram-Story die Worte „Nein zum Krieg“ – löschte den Post allerdings schnell wieder. Sie habe nicht den Frieden in der Ukraine, sondern auf der ganzen Welt gemeint, ruderte sie anschließend zurück.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Als Peskowa 2022, genau wie ihr Vater und ihr Bruder Nikolai, auf der Sanktionsliste der USA landete, bezeichnete sie das gegenüber dem Portal „Business Insider“ als „völlig unfair und unbegründet“. „Es ist seltsam, Sanktionen gegen jemanden zu erlassen, der 24 Jahre alt ist und nichts mit der Situation zu tun hat“, sagte sie damals. Zwar würden die Einschränkungen sie nicht finanziell treffen, sie sei aber verärgert, weil sie gern reise und andere Kulturen liebe.